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Prolongierte Infusion von β-Lactam-Antibiotika bei schwer kranken Erwachsenen – Update der internationalen Konsensusempfehlungen

Ein fokussiertes Update der internationalen Konsensusempfehlungen zur Anwendung prolongierter β-Lactam-Infusionen bestätigt und stärkt die bisherige Empfehlung zugunsten einer prolongierten Infusion (PI) gegenüber einer Kurzinfusion (SI) bei schwer kranken erwachsenen Patienten.

Hintergrund sind mehrere neue randomisierte kontrollierte Studien (RCT), darunter die großen Studien BLING III (n = 7202) und MERCY (n = 607). Als PI wurden eine kontinuierliche (CI) oder extendierte Infusion (EI) über mindestens 3 Stunden definiert, als SI eine Infusion bis zu 60 min.


Die Meta-Analyse von 28 RCT ergab eine signifikant niedrigere Sterblichkeit unter PI (relatives Risiko [RR] 0,91; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,85 bis 0,97), gestützt durch eine bayesianische Analyse mit einer posterioren Wahrscheinlichkeit eines Nutzens von 98,76 %. In 21 RCTs war PI zudem mit einer höheren klinischen Heilungsrate assoziiert (RR 1,11; 95-%-KI 1,06 bis 1,17), ebenso die mikrobiologische Heilung in 8 RCTs (RR 1,17; 95-%-KI 1,06 bis 1,30). Eine absolute Mortalitätsreduktion von 2 % entspricht einer Number-needed-to-treat von 50. Untersuchte Substanzen umfassten u.a. Piperacillin-Tazobactam, Meropenem, Cefepim und Ceftazidim. Subgruppenanalysen stützen zudem die Gabe einer Loading Dose vor Beginn einer kontinuierlichen Infusion.


Folgerung der Autoren

 

Bei schwer kranken erwachsenen Patienten, insbesondere mit Gram-negativen Infektionen, wird eine PI von β-Lactam-Antibiotika gegenüber einer SI empfohlen – zur Senkung der Sterblichkeit (moderate Evidenzqualität) und zur Verbesserung der klinischen Heilung (niedrige Evidenzqualität). Beim Start einer CI wird die Gabe einer Loading Dose vorgeschlagen.


Kommentar der Herausgeber


Dies ist eine wichtige Stärkung der bisherigen lediglich bedingten Empfehlung aus dem Jahr 2023 basierend auf dem damals nur sehr niedrigen Evidenzgrad. Nun wird aufgrund neuer Daten und einer aktualisierten Meta-Analyse eine prolongierte Infusion bei schwer kranken Patienten empfohlen mit einem auf moderat für Sterblichkeit und immerhin auf niedrig für klinische Heilung angehobenen Evidenzgrad.

 

Hong, L. T. et al. Focused Update to International Consensus Recommendations for the Use of Prolonged-Infusion Beta-Lactam Antibiotics Among Severely Ill Adult Patients: Endorsed by the American College of Clinical Pharmacy, British Society for Antimicrobial Chemotherapy, Cystic Fibrosis Foundation, European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases, Infectious Diseases Society of America, Society of Critical Care Medicine, and Society of Infectious Diseases Pharmacists. Pharmacotherapy. 2026; 46(9):e70188. doi: 10.1002/phar.70188

 

21.10.2026

Neue IDSA/ESCMID-Leitlinie 2026 zur Staphylococcus-aureus-Bakteriämie

Die bisherige Einteilung der S.-aureus-Bakteriämie (SAB) in „kompliziert“ und „unkompliziert“ gilt als unpräzise, mit dem Risiko, okkulte Streuherde zu übersehen und Patienten unzureichend zu behandeln. Die neue gemeinsame Leitlinie von IDSA und ESCMID, abgestimmt mit weiteren Fachgesellschaften, führt daher ein risikostratifiziertes Konzept mit „low-risk“ und „increased-risk“ SAB ein und bündelt sieben Konsensstatements zu Diagnostik, Follow-up-Blutkulturen, Bildgebung und Therapiedauer. Welche Therapiedauer empfohlen wird und welche drei Kernkriterien die Risikogruppe bestimmen, zeigt der Beitrag.

 

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21.10.2026

Herpes-Zoster-Impfung könnte Demenzrisiko senken: Natürliches Experiment in Wales

Neurotrope Herpesviren werden zunehmend mit der Pathogenese von Demenzerkrankungen in Verbindung gebracht. Könnte eine Lebendimpfung gegen Herpes Zoster das Demenzrisiko senken? Ein natürliches Experiment in Wales mit 282.541 Erwachsenen und stichtagsbasierter Impfanspruchsberechtigung ermöglichte quasi-randomisierte Vergleiche. Über 7 Jahre reduzierte die tatsächliche Impfung neue Demenzdiagnosen relativ um 20,0 %. Welche Rolle VZV-Reaktivierungen spielen und inwieweit sich die Ergebnisse auf den heute verwendeten Totimpfstoff Shingrix übertragen lassen, diskutiert der Beitrag.

 

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21.10.2026

Penicillin-Allergie-Delabeling durch Nicht-Allergologen: Pro und Contra einer kontroversen Praxis

Bis zu 25 % der Patienten tragen ein Penicillin-Allergie-Label, mit Folgen wie häufigeren Clostridioides-difficile-Infektionen und erhöhter Sterblichkeit. Zwei Meta-Analysen mit über 30.000 Patienten belegen jedoch: In weniger als 5 % der Fälle liegt eine echte Allergie vor. Die PALACE-Studie zeigte zudem die Nicht-Unterlegenheit der direkten oralen Provokation gegenüber der Hauttestung. Für welche Patienten das Delabeling durch Nicht-Allergologen sicher möglich ist und wann es weiterhin in fachallergologische Hand gehört, ordnet der Beitrag ein.

 

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21.10.2026

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