Willkommen bei der Zeitschrift für Infektionstherapie!

 

 

INFEKTIO aktuell

Aktuelle Informationen zur Infektionstherapie

 

 

Dezember 2019

 

3. Dezember 2019

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 6, 2019 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Wie können Antibiotika bei akuten Atemwegs-infektionen vermieden werden?“ Dieses aktuelle Thema wird in dem Übersichtsartikel unter verschiedenen Aspekten betrachtet. Infektionen der oberen Atemwege einschließlich der Tracheobronchitis haben zu über 90% eine virale Ätiologie. Neuere Studien zeigen, dass Biomarker (CRP, Procalcitonin u.a.) die Entscheidung für oder gegen eine Antibiotikatherapie beträchtlich unterstützen können. Auch eine verzögerte, symptomorientierte Antibiotika-Verordnung kann signifikant zum verminderten Einsatz von Antibiotika beitragen.

 

Frei verfügbar ist der Beitrag über die Anthrax-Vakzine BioThrax® in der Rubrik „Neueinführungen / Kurzbeschreibungen“. Milzbrand ist eine häufig tödlich verlaufende, in europäischen Ländern und anderen Industrienationen extrem seltene Erkrankung. BioThrax® ist seit einigen Monaten verfügbar. Eine Impfung aller Personen mit einem Risiko für Anthrax, etwa in der Landwirtschaft und Tiermedizin, wird nicht empfohlen.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Resistenzentwicklung (2)“. Resistenzentwicklungen sind offensichtlich von sehr vielen unterschiedlichen (auch unvorhersehbaren und unbekannten) Faktoren abhängig und lokal unterschiedlich. Dies unterstreicht einmal mehr die Bedeutung lokaler Überwachungsinstrumente sowie die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Klinik und mikrobiologischem Labor, um die empirische Therapie anzupassen sowie um Ausbruchsgeschehen frühzeitig zu erkennen. Der vollständige Text ist frei verfügbar.

 

 

November 2019

 

27. November 2019

Antibiotikagebrauch bei Nutztieren:

eine Reduktion ist möglich und dringend geboten!

 

Der Verbrauch von Antibiotika bei Mensch und Tier ist ein starker Antrieb für die Selektion und Verbreitung von resistenten Erregern. Bemühungen, den Antibiotikagebrauch in der Veterinärmedizin einzudämmen, gibt es seit Jahrzehnten aber immer noch scheint es erhebliche Einsparpotenziale zu geben. In Europa bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Detaillierte Erhebungen zum Antibiotikaverbrauch in der Nutztierhaltung in neun europäischen Ländern zeigten deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben. In einigen Höfen wurden keine Antibiotika eingesetzt. Insgesamt scheint sowohl in der Aufzucht von Schweinen als auch von Geflügel noch ein großes Potenzial zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes zu bestehen. Eine Abnahme des ungezielten Antibiotikaverbrauchs in der Tierhaltung ist dringend geboten, um den Selektionsdruck und die Ausbreitung resistenter Erreger mit humanmedizinischer Relevanz zu verringern.

 

1. Sarrazin S, Joosten P, Van Gompel L, Luiken REC, Mevius DJ, Wagenaar JA, Heederik DJJ, Dewulf J; EFFORT consortium. Quantitative and qualitative analysis of antimicrobial usage patterns in 180 selected farrow-to-finish pig farms from nine European countries based on single batch and purchase data. J Antimicrob Chemother. 2019 Mar 1;74(3):807-816. PubMed Abstract

 

2. Diana A, Boyle LA, Leonard FC, Carroll C, Sheehan E, Murphy D, Manzanilla EG. Removing prophylactic antibiotics from pig feed: how does it affect their performance and health? BMC Vet Res. 2019 Feb 26;15(1):67 FREE FULL TEXT

 

3. Joosten P, Sarrazin S, Van Gompel L, Luiken REC, Mevius DJ, Wagenaar JA, Heederik DJJ, Dewulf J; EFFORT consortium. Quantitative and qualitative analysis of antimicrobial usage at farm and flock level on 181 broiler farms in nine European countries. J Antimicrob Chemother. 2019 Mar 1;74(3):798-806 PubMed Abstract

 

 

 

19. November 2019

Minocyclin bei Alzheimer?

Klinische Studie mit enttäuschenden Ergebnissen.

 

Im Verlauf der Alzheimer Erkrankung kommt es zu einer entzündlichen Reaktion. Bereits vor 13 Jahren berichteten Wissenschaftler aus Kanada über einen positiven Effekt von Minocyclin auf dieses Geschehen in transgenen Mäusen.1 In vitro Daten deuteten ebenfalls auf eine mögliche Beeinflussung der chronischen Erkrankung durch das Antibiotikum hin. Enttäuschend war nun das Ergebnis einer Doppelblindstudie aus Großbritannien mit gut 500 Alzheimer-Patienten.2 Innerhalb von zwei Jahren konnte im Vergleich zu Placebo kein positiver Einfluss auf die Entwicklung der Erkrankung festgestellt werden. In einer Dosierung von 200 mg täglich traten unerwünschte Ereignisse nicht signifikant häufiger auf als in der Placebogruppe, die tägliche Gabe von 400 mg war jedoch mit einer hohen Abbruchrate verbunden. Häufige Gründe für den Abbruch der Therapie waren gastrointestinale Störungen (42 vs 15 vs 10 Patienten in der 400 mg / 200 mg / Placebogruppe), Schwindel (14 vs 3 vs 1 Patient) und Hautveränderungen, z. B. Hyperpigmen-tierungen (10 vs. 5 vs. 1 Patient).

 

1. Seabrook TJ et al. Minocycline affects microglia activation, Abeta deposition, and behavior in APP-tg mice. Glia 2006 May;53:776-82 PubMed Abstract

 

2. Howard R et al. Minocycline at 2 different dosages vs placebo for patients with mild Alzheimer disease. JAMA Neurology 2019 (published online November 18)

 

 

 

4. November 2019

Fäkaltransplantation – ein Risiko für Infektionen mit multiresistenten Erregern!

 

Der therapeutische Nutzen einer Fäkaltransplantation (fecal microbiota transplantation, FMT) bei rezidivierenden Infektionen mit C. difficile konnte in Studien eindrucksvoll belegt werden. Die Grundlagen und Risiken der Maßnahme bei Patienten mit oder nach einer intensivmedizinischen Behandlung wurden in dieser Zeitschrift kürzlich beschrieben (Heft 2 und 3, 2019). Aktuell wird über zwei Patienten berichtet, bei denen eine Escherichia coli-Bakteriämie nach einer FMT auftrat.1,2 Ein Patient verstarb an der Infektion. Der multiresistente Erreger bildete ESBL (extended-spectrum beta-lactamase) und stammte in beiden Fällen vom gleichen Spender, wie durch eine Genomanalyse nachgewiesen werden konnte. Spender sollten intensiver untersucht werden, um die Risiken einer FMT zu begrenzen. Nutzen und Risiken der Maßnahme bei verschiedenen Patientengruppen müssen dringend besser untersucht werden.

 

1. DeFilipp Z et al.. Drug-Resistant E. coli Bacteremia Transmitted by Fecal Microbiota Transplant. N Engl J Med. 2019 Oct 30 [Epub ahead of print] PubMed PMID: 31665575.

 

2. Blaser MJ. Fecal Microbiota Transplantation for Dysbiosis - Predictable Risks. N Engl J Med. 2019 Oct 30 [Epub ahead of print] PubMed PMID: 31665573.

 

 

1. November 2019

Jetzt ohne Passwort verfügbar:

Zeitschrift für Infektionstherapie, Heft 6, 2017

 

Welchen Stellenwert haben inhalative Antibiotika bei Infektionen der tiefen Atemwege? Die verfügbaren Informationen zu diesem Thema fasst der Übersichtsartikel im Heft 6, 2017 zusammen.

 

Bei Patienten mit Bronchiektasen und Pseudomonasbesiedlung sowie häufigen Exazerbationen können inhalative Antibiotika zu verminderten Exazerbationen und einer Reduktion der Krankenhausaufenthalte beitragen. Bei Beatmungspneumonien werden in steigendem Umfang inhalative Antibiotika wegen der problematischen Resistenzsituation der gramnegativen Erreger eingesetzt, ohne dass überzeugende Daten hinsichtlich Letalität und Beatmungsdauer vorliegen. Ein europäisches Positionspapier empfiehlt daher Zurückhaltung beim Einsatz von inhalativen Antibiotika, solange keine belastbaren Studiendaten und eine entsprechende Evidenz vorliegen.

 

Die im Artikel zitierte Literatur finden Sie hier:

zitierte Literatur

 

 

 

Oktober 2019

 

21. Oktober 2019

Mitteilungen der FDA und EMA – Ärzte in den USA haben eine größere Auswahl von Antibiotika!

 

1. Das zuständige Komitee der FDA hat Cefiderocol – ein Siderophor-Cephalosporin - in den USA zur Zulassung empfohlen. Es soll unter dem Namen FetrojaTM zur „Therapie von komplizierten Harnwegsinfektionen, einschließlich Pyelonephritis, bei Patienten mit begrenzten Therapieoptionen“ in den Handel kommen. In einer Vergleichsstudie mit Imipenem war es dem Carbapenem nicht unterlegen.1 Gramnegative Bakterien können durch eine veränderte Permeabilität der äußeren Membran Resistenz erwerben. Cefiderocol wurde entwickelt, um diesen Resistenzmechanismus zu überwinden. Zur Aufnahme von Eisen sezernieren Bakterien Katecholverbindungen, die mit dem Metall Komplexe bilden. Diese werden dann über spezielle Transporter in die Zelle aufgenommen. Das Cefepim-ähnliche Molekül besitzt einen Katechol-Substituenten. So gelangt das ß-Laktamase-stabile Cefiderocol in den periplasmatischen Raum einer gramnegativen Bakterienzelle und kann dort die Enzyme der Zellwandsynthese (PBP) hemmen [siehe Beitrag „Entwicklung neuer Antibiotika – wo geht die Reise hin?“ in Heft 1, 2018 (Archiv)].

 

1. Portsmouth S et al. Cefiderocol versus imipenem-cilastatin for the treatment of complicated urinary tract infections caused by Gram-negative uropathogens: a phase 2, randomised, double-blind, non-inferiority trial. Lancet Infect Dis. 2018 Dec;18(12):1319-1328 PubMed Abstract

 

2. In Europa wird vom CHMP der EMA Delafloxacin zur Zulassung empfohlen. Unter dem Handelsnamen Quofenix® kann es intravenös oder oral zur Therapie von Haut- und Hautstrukturinfektionen eingesetzt werden, wenn andere Antibiotika nicht in Frage kommen. Das Fluorchinolon ist in den USA bereits seit Juni 2017 unter dem Namen BaxdelaTM im Handel. In mehreren klinischen Studien wurden die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit des Arzneimittels gezeigt. Im Gegensatz zu anderen Fluorchinolonen besitzt es keinen basischen Substituenten in Position C7, sondern liegt bei pH 7,4 als Anion vor.2,3

 

2. O'Riordan W et al. A Comparison of the Efficacy and Safety of Intravenous Followed by Oral Delafloxacin With Vancomycin Plus Aztreonam for the Treatment of Acute Bacterial Skin and Skin Structure Infections: A Phase 3, Multinational, Double-Blind, Randomized Study. Clin Infect Dis. 2018 Aug 16;67(5):657-666 PubMed FREE FULL TEXT

 

3. Tulkens PM, Van Bambeke F, Zinner SH. Profile of a Novel Anionic Fluoroquinolone-Delafloxacin. Clin Infect Dis. 2019 Apr 8;68(Supplement_3):S213-S222 PubMed FREE FULL TEXT

 

3. Das Tetrazyklinderivat Omadacyclin (NuzyraTM) wurde im Oktober 2018 von der FDA zugelassen. Es wird in den Vereinigten Staaten bei Haut- und Hautstrukturinfektionen und zur Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie eingesetzt. In einer klinischen Studie bei Patienten mit Pneumonie erwies sich Omadacyclin im direkten Vergleich mit Moxifloxacin als nicht unterlegen.4 Die europäische Behörde EMA beurteilte die Daten der klinischen Prüfung bei ambulant erworbener Pneumonie jedoch als nicht ausreichend und hatte nur eine Zulassung bei Hautinfektionen vorgesehen. Unter diesen Bedingungen wurde der Zulassungsantrag von Paratek Ireland Ltd aus „marktstrategischen“ Gründen am 9. Oktober 2019 zurückgezogen.5 Es werden mehrere Jahre vergehen, ehe eine zweite Studie bei Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie abgeschlossen ist und die Zulassung für diese Indikation erneut beantragt werden kann.

 

4. Stets R et al. Omadacycline for Community-Acquired Bacterial Pneumonia. N Engl J Med. 2019 Feb 7;380(6):517-527 PubMed FREE FULL TEXT

 

5. European Medicines Agency (EMA), 18. October, 2019; Withdrawal of application for the marketing authorisation of Nuzyra (omadacycline). www.ema.europa.eu

 

 

 

10. Oktober 2019

Zikavirus-Infektion – eine aktuelle Bestandsaufnahme nach der Pandemie

 

Das Zika-Virus ist heute aus den Schlagzeilen der Medien verschwunden, die wissenschaftliche Aufarbeitung der Pandemie von 2016 geht weiter. Vor drei Jahren wurden 500.000 Fälle berichtet, im vergangenen Jahr waren es noch 30.000 Erkrankungen, vor allem in Afrika und Asien. Trotz aller Anstrengungen werden die Mechanismen, die zu den Änderungen in der Epidemiologie der Erkrankung führen, bis heute nicht vollständig verstanden. Meist verläuft die Infektion ohne Symptome, besondere Besorgnis bereitet jedoch die Übertragung des Flavivirus auf das ungeborene Leben. Bei etwa jeder vierten infizierten schwangeren Frau erfolgt die maternal-fetale Übertragung, bei vier bis sechs Prozent der Feten oder Neugeborenen kann eine Mikrocephalie mit schwerwiegenden neurologischen Störungen festgestellt werden. Eine genaue Vorhersage lässt sich zwar nicht machen, mit größeren Ausbrüchen der Infektion ist jedoch auch in Zukunft zu rechnen.

 

Musso D, Ko AI, Baud D. Zika Virus Infection - After the Pandemic. N Engl J Med 2019 Oct 10;381:1444-1457 Review

 

 

3. Oktober 2019

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 5, 2019 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel fasst den aktuellen Stand der „Therapie der bakteriellen Meningitis“ zusammen. Mittel der Wahl sind Cefotaxim oder Ceftriaxon; um auch Listerien zu erfassen, werden sie zusammen mit Ampicillin oder Amoxicillin verabreicht. Die Erkrankung stellt trotz Antibiotikatherapie eine Infektion mit hohen Risiken dar. Wichtigste Maßnahme ist es daher, sie durch Impfungen gegen die häufigsten Erreger, Pneumokokken und Meningokokken, zu vermeiden.

 

Die Kurzbeschreibung von Ibalizumab (TROGARZO®), einem neuen Arzneimittel zur Therapie der HIV-Infektion, ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Der monoklonale Antikörper ist gegen das CD4-Epitop gerichtet und kann als Teil einer antiretroviralen Kombinationstherapie für Patienten mit einer Infektion durch multiresistente HI-Viren eine lebensrettende Option darstellen.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Resistenzentwicklung (1)“. Auch dieser Text ist frei verfügbar.

 

September 2019

 

27. September 2019

Zunehmende Azol-Resistenz bei Aspergillus-Infektionen

 

Voriconazol und Isavuconazol sind Mittel der ersten Wahl bei Aspergillus-Infektionen. Zunehmend bereitet jedoch die Azolresistenz des Erregers Probleme. Die Häufigkeit ist in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich.1 In den Niederlanden wurden bei 129 hämatologischen Patienten mit invasiver Aspergillus-Infektion 26 Voriconazol-resistente Isolate identifiziert (20%).2 Bis auf eine Ausnahme wiesen sie Veränderungen im cyp51A-Gen auf. Die Resistenz führte bei 110 Patienten, die nicht intensivmedizinisch behandelt wurden, häufiger zu einem tödlichen Verlauf der Infektion: jeder zweite Patient, bei dem ein resistenter Pilz nachgewiesen wurde, verstarb innerhalb von 12 Wochen (54,5%) im Vergleich zu 30,7% mit einer invasiven Aspergillus-Infektion durch empfindliche Isolate.

 

1. Lestrade PPA, Meis JF, Melchers WJG, Verweij PE. Triazole resistance in Aspergillus fumigatus: recent insights and challenges for patient management. Clin Microbiol Infect 2019 Jul;25(7):799-806 Review PubMed Abstract

 

2. Resendiz-Sharpe A et al. Prevalence of voriconazole-resistant invasive aspergillosis and its impact on mortality in haematology patients. J Antimicrob Chemother 2019 Sep 1;74(9):2759-2766 PubMed Abstract

 

 

 

12. September 2019

Mitteilungen der FDA und EMA: Neue Therapieoptionen bei Pneumonie

 

1. Neues Antibiotikum zur Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie

Im August 2019 erteilte die US-amerikanische FDA die Zulassung für Lefamulin (XENLETA) zur Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie.1 Damit steht erstmals ein Antibiotikum aus der Gruppe der Pleuromutiline zur oralen oder intravenösen Therapie zur Verfügung.2

 

1. FDA News Release XENLETA (Lefamulin)

 

2. Veve MP, Wagner JL. Lefamulin: Review of a Promising Novel Pleuromutilin Antibiotic. Pharmacotherapy. 2018;38:935-946  PubMed Abstract

 

2. Ceftolozan / Tazobactam zur Therapie der nosokomialen Pneumonie

Die Zulassungserweiterung von Ceftolozan / Tazobactam (ZERBAXA) wurde vom CHMP - dem zuständigen Komitee bei der EMA - empfohlen.3 Das Kombinationspräparat war bisher zur Behandlung komplizierter intraabdomineller Infektionen und komplizierter Harnwegsinfektionen, sowie der akuten Pyelonephritis zugelassen.4 Als weitere Indikation ist nun die nosokomiale Pneumonie (HAP), einschließlich der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) hinzugekommen.

 

3. EMA /CHMP Summary of Opinion

 

4. Kurzbeschreibung Ceftolozan / Tazobactam (ZERBAXA)

 

 

 

4. September 2019

Jetzt ohne Passwort verfügbar: Zeitschrift für Infektionstherapie, Heft 5, 2017

 

Therapie der Tuberkulose

 

Der Übersichtsartikel im Heft 5, 2017, fasst den aktuellen Stand der Tuberkulosetherapie zusammen. In Deutschland ist die Tuberkulose mit ca. 6.000 Erkrankungen pro Jahr selten, sie muss differentialdiagnostisch jedoch häufig berücksichtigt werden.1

 

Die aktuelle S2k-Leitlinie stellt bei vielen Fragen im Zusammenhang mit der Diagnostik, Therapie und anderen Aspekten eine wertvolle Informationsquelle dar.2

 

Global gesehen bereitet die Zunahme der Resistenz erhebliche Probleme. Ein neues Präparat wurde von der US-amerikanischen FDA zugelassen. Der neu entwickelte Wirkstoff Pretomanid gehört wie Delamanid zur Gruppe der Nitroimidazole. Pretomanid wird nur in Kombination mit Bedaquilin und Linezolid zur Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Tuberkuloseerregern angewandt.3,4

 

1. Zeitschrift für Infektionstherapie. Heft 5, 2017

(PDF-Datei ab jetzt frei in unserem Archiv verfügbar).

 

2. Schaberg T, Bauer T, Brinkmann F, Diel R, Feiterna-Sperling C, Haas W, Hartmann P, Hauer B, Heyckendorf J, Lange C, Nienhaus A, Otto-Knapp R, Priwitzer M, Richter E, Rumetshofer R, Schenkel K, Schoch OD, Schönfeld N, Stahlmann R. Tuberkulose im Erwachsenenalter – Leitlinie zur Diagnostik und Therapie einschließlich Chemoprävention und -prophylaxe. Pneumologie 2017Jun;71(6):325-397

PubMed Abstract, PMID: 28651293.

 

3. TB Alliance, Full Prescribing Information Pretomanid

 

4. Bahuguna A, Rawat DS. An overview of new antitubercular drugs, drug candidates, and their targets. Med Res Rev. 2019 Jun 28. [Epub ahead of print] Review. PubMed Abstract PMID: 31254295.

 

 

August 2019

 

1. August 2019

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 4, 2019 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel fasst den aktuellen Stand der „Therapie sexuell übertragbarer Infektionen“ zusammen. Sexuell übertragbare Infektionen nehmen weltweit deutlich zu, wobei insbesondere die Resistenzentwicklung der führenden Erreger (Neisseria gonorrhoeae, HIV und andere) besondere Probleme verursacht.

 

Die Kurzbeschreibung von Eravacyclin (XERAVA®), einem neuen Tetrazyklinderivat ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Durch gezielte Veränderungen konnte ein Antibiotikum synthetisiert werden, das sich einigen Resistenzmechanismen widersetzt und dadurch ein relativ breites antibakterielles Spektrum aufweist.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Bakterientypisierung“. Auch dieser Text ist frei verfügbar.

 

 

1. August 2019

Gentamicin bei Gonorrhö -

die Wirkung ist abhängig von der Infektionslokalisation

 

Angesichts der Resistenzentwicklung bei Neisseria gonorrhoeae besteht ein dringender Bedarf für neue Therapieoptionen. Bei insgesamt 720 Patienten wurde die Wirksamkeit von Ceftriaxon (500 mg, i.m.) mit der von Gentamicin (240 mg, i.m.) jeweils in Kombination mit Azithromycin (1,0 g, p.o.) verglichen. Die Heilungsrate lag bei 98% bzw. 94% zugunsten des Cephalosporins bei genitaler Manifestation. Bei pharyngealer Lokalisation war der Vorteil des ß-Laktamantibiotikums sehr deutlich (96% vs. 80%), ähnliche Unterschiede bestanden bei rektaler Lokalisation (98% vs. 90%). Zur primären Behandlung der Gonorrhö ist Gentamicin nicht geeignet, es ist jedoch eine Alternative bei Patienten mit Cephalosporinallergie oder wenn der Erreger gegen Ceftriaxon resistent ist.

 

1. Ross JDC et al. Gentamicin compared with ceftriaxone for the treatment of gonorrhoea (G-ToG): a randomised non-inferiority trial. Lancet. 2019 Jun 22;393(10190):2511-2520.  FREE FULL TEXT

 

2. Kirkcaldy RD, Workowski KA. Gentamicin as an alternative treatment for gonorrhoea. Lancet. 2019 Jun 22;393(10190):2474-2475.  FREE FULL TEXT

 

 

Juli 2019

 

30. Juli 2019

Neues von der EMA:

Ibalizumab – der erste monoklonale Antikörper zur antiretroviralen Therapie

 

Die Zulassung von Ibalizumab (TROGARZO) wurde vom CHMP - dem zuständigen Komitee bei der EMA - vor einigen Tagen empfohlen.1 In etwa zwei Monaten ist mit der Zulassung in Europa zu rechnen. Damit geht eine ungewöhnlich lange Arzneimittelentwicklung zu Ende, denn die weltweiten Rechte für den monoklonalen Antikörper wurden bereits in den späten 1990er Jahren von Biogen an die Firma Tanox übertragen, der Zulassungsantrag wurde schließlich von Theratechnologies gestellt. Mittlerweile ist in einigen Ländern bereits ein Ende des Patentschutzes erreicht oder demnächst zu erwarten.2 Ibalizumab ist gegen den CD4-Rezeptor gerichtet, das neue Arzneimittel kommt bei Multiresistenz des Virus in Frage, wenn andere Therapieoptionen nicht mehr bestehen. Es muss in Kombination mit antiretroviral wirksamen Stoffen alle zwei Wochen intravenös infundiert werden. Bei einer Monotherapie entwickelt sich rasch Resistenz.3

 

1. Trogarzo (Ibalizumab), Summary of opinion, 25. Juli 2019, https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/summaries-opinion/trogarzo

 

2. Markham A. Ibalizumab: First Global Approval. Drugs. 2018 May;78(7):781-785 FREE FULL TEXT

 

3. Beccari MV, Mogle BT, Sidman EF, Mastro KA, Asiago-Reddy E, Kufel WD. Ibalizumab, a Novel Monoclonal Antibody for the Management of Multidrug-Resistant HIV-1 Infection. Antimicrob Agents Chemother. 2019 May 24;63(6). pii: e00110-19 Review. PubMed

 

 

 

25. Juli 2019

Dolutegravir in der Schwangerschaft – neue Daten zum Risiko für kindliche Fehlbildungen.

 

Vor etwa einem Jahr verbreitete sich die überraschende Meldung über mögliche teratogene Wirkungen von Dolutegravir. Auffällig war eine Assoziation zwischen der Einnahme von Dolutegravir in der Frühschwangerschaft und Neuralrohrdefekten bei den Neugeborenen. In der Studie aus Botswana lag die Inzidenz bei ca. 0,9% verglichen mit einer erwarteten Hintergrundinzidenz von etwa 0,1%. (vgl. Infektio Aktuell vom 3. Juni 2018). Eine abschließende Auswertung der zugrunde liegenden Studie zeigte nun, dass die Risikoerhöhung geringer ist, als zunächst befürchtet: sie liegt bei 0,3%.1 Auf der Basis dieser Daten empfiehlt die WHO Dolutegravir nun jedoch als bevorzugtes Medikament für alle Personengruppen einschließlich schwangerer Frauen, denn im Vergleich zu den möglichen Alternativen ist Dolutegravir besser verträglich und eine Resistenz entwickelt sich seltener.2 Weitere Studien sollen nun untersuchen, ob sich durch eine frühzeitige Folsäuresupplementierung das Fehlbildungsrisiko reduzieren lässt.

 

1. Zash R et al. Neural-Tube Defects and Antiretroviral Treatment Regimens in Botswana. N Engl J Med. 2019 Jul 22. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 31329379.

 

2. WHO recommends dolutegravir as preferred HIV treatment option in all populations, 22 July 2019. www.who.int/news-room

 

 

18. Juli 2019

Klinische Risikofaktoren für Infektionen mit Carbapenem-resistenten Enterobakterien

 

Infektionen mit Carbapenem-resistenten Enterobakterien sind assoziiert mit erhöhter Letalität und höheren Krankenhauskosten. Da eine verzögerte, gezielte antimikrobielle Therapie derartiger Infektionen direkt mit dem Überleben des Patienten zusammenhängt, hat die Kenntnis eines entsprechenden Risikos eine beträchtliche Bedeutung. In Los Angeles, USA, wurde retrospektiv die Resistenz gegenüber Carbapenemen analysiert. Auf der Basis der gewonnenen Daten haben die Autoren einen recht zuverlässigen Vorhersagescore entwickelt, der bei Existenz sämtlicher Risikofaktoren in knapp 50 % eine Carbapenem-Resistenz wahrscheinlich macht. Signifikante Risikofaktoren für eine Infektion mit Carbapenem-resistenten Enterobakterien sind eine Beatmungstherapie, eine Einweisung aus einem Pflegeheim oder Krankenhaus, eine Nierenvorerkrankung sowie die Behandlung mit Carbapenemen und/oder MRSA-wirksamen Antibiotika in den letzten 30 Tagen.

 

Richter SE et al.

Open Forum Infect Dis 2019; doi: 10.1093/ofid/ofz027

FREE FULL TEXT

 

 

1. Juli 2019

Jetzt ohne Passwort verfügbar:

Zeitschrift für Infektionstherapie, Heft 4, 2017

 

Prävention von chirurgischen Wundinfektionen

Der Übersichtsartikel in diesem Heft behandelt die „Prävention von chirurgischen Wundinfektionen“. Chirurgische Eingriffe können mit einer Wundinfektion verbunden sein. Die Komplikation bedeutet für den Patienten eine erhebliche Belastung, insbesondere wenn es sich um Infektionen von Gelenkprothesen oder um Infektionen mit multiresistenten Erregern handelt. Chirurgische Wundinfektionen spielen in allen Gesundheitssystemen eine kostenintensive Rolle. Deren Verhinderung auf der Basis von evidenzbegründeten Interventionen ist dringend geboten. Hinsichtlich der antibiotischen Prophylaxe ist gesichert, dass diese bei vorliegender Indikation präoperativ gegeben werden sollte mit Gewährleistung von bakteriziden Konzentrationen im Gewebe zum Zeitpunkt des chirurgischen Schnittes. Postoperative Antibiotika-Gaben werden nicht empfohlen. Auch einige antiseptische Interventionen sind belegt und sollten durchgeführt werden. Allerdings gibt es nach wie vor viele offene Fragen, die noch der dringenden Bearbeitung mittels kontrollierter randomisierter Studien bedürfen.

 

Berríos-Torres SI et al.,  Centers for Disease Control and Prevention Guideline for the Prevention of Surgical Site Infection, 2017. JAMA Surg. 2017 Aug 1;152(8):784-791.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel im Heft 4, 2017

(PDF-Datei ab jetzt frei in unserem Archiv verfügbar).

 

 

1. Juli 2019

Risiko für postoperative Wundinfektionen geschlechts-abhängig!

 

In einer Analyse von mehr als 1,2 Millionen Operationen mit etwa 18.000 postoperativen Wundinfektionen konnte gezeigt werden, dass bei Männern ein höheres Risiko für Wundinfektionen besteht. Allerdings gilt dies nicht generell: bei Herz- und Gefäßoperationen war das Risiko für Frauen höher. Weitere Studien sind notwendig, um die Unterschiede besser zu verstehen und geschlechtsspezifische Maßnahmen für die Prävention der Infektionen zu entwickeln.

 

Aghdassi SJS, Schröder C, Gastmeier P. Gender-related risk factors for surgical site infections. Results from 10 years of surveillance in Germany. Antimicrob Resist Infect Control. 2019 Jun 3;8:95 FREE FULL TEXT

 

 

 

Juni 2019

 

28. Juni 2019

Resistenz bei Gonokokken

 

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) zeigen seit Jahren weltweit eine deutliche Zunahme. Die Resistenz-entwicklung der Gonokokken verursacht zunehmend therapeutische Probleme. Während Neisseria gonorrhoeae in Deutschland noch empfindlich gegenüber Ceftriaxon ist, bestehen hohe Resistenzraten bei den früher üblichen Antibiotika Penicillin G und Ciprofloxacin. Die Häufigkeit der Resistenz gegen Azithromycin hat in den vergangenen Jahren erfreulicherweise auf ca. 1% abgenommen.1 Eine aktuelle Arbeit berichtet über eine Resistenzquote von 8,7% gegenüber Azithromycin (minimale Hemmkonzentration 1mg/l) in Taiwan. Etwa jeder fünfte dieser Stämme zeigte die Mutation A2059G in der 23s rRNA. Durch diese Veränderung wird das Bakterium resistent mit MKH-Werten von 256 mg/l.2

 

1. Robert Koch-Institut, GORENET (Gonokokken-Resistenz-Netzwerk)

 

2. Liu YH, Wang YH, Liao CH, Hsueh PR. Emergence and Spread of Neisseria gonorrhoeae Strains with High-level Resistance to Azithromycin in Taiwan from 2001 to 2018. Antimicrob Agents Chemother. 2019 Jun 24 [Epub ahead of print] PubMed

 

 

21. Juni 2019

Dauer der Antibiotikaprophylaxe bei chirurgischen Eingriffen

 

In einer umfangreichen retrospektiven Analyse konnte bestätigt werden, dass eine Antibiotikaprophylaxe in der Chirurgie von mehr als 24 Stunden nicht sinnvoll ist. Ein Nutzen der verlängerten Antibiotikagabe war nicht erkennbar, dagegen waren die Risiken für C. difficile-Infektionen und nephrotoxische Reaktionen bei Vancomycingabe erhöht. Maßnahmen im Rahmen des antibiotic stewardship können dazu beitragen, die Dauer zu begrenzen ohne die Häufigkeit von postoperativen Wundinfektionen zu erhöhen.

 

Branch-Elliman W, O'Brien W, Strymish J, Itani K, Wyatt C, Gupta K. Association of Duration and Type of Surgical Prophylaxis With Antimicrobial-Associated Adverse Events. JAMA Surg. 2019 [Epub ahead of print] PubMed Abstract

 

 

20. Juni 2019

Infektio_letter

 

Seit 40 Jahren berichtet die Zeitschrift für Infektionstherapie über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie. Mit unserem INFEKTIO_letter erweitern wir dieses Angebot. Monatlich und kostenfrei lesen Sie neueste Meldungen sowie Wissenswertes aus Mikrobiologie, Arzneimittelforschung, Therapie und Schwerpunkt-Themen.

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3. Juni 2019

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 3, 2019 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel geht der Frage nach: „Neue Antibiotika – geht die Entwicklung am Bedarf vorbei?“ Auch in Zukunft wird das bekannte Dilemma weiterbestehen: im Wettlauf zwischen mikrobieller Resistenzentwicklung und neuen, gut geprüften Antibiotika wird der Abstand größer.

 

Die Kurzbeschreibung von Doravirin (Pifeltro®), einem nicht-nukleosidischen Inhibitor der reversen Transkriptase in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. Der Hemmstoff ist auch in einem Kombinationspräparat unter dem Namen Delstrio® im Handel.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Fäkaltransplantation, Teil 2“. Auch dieser Text ist frei verfügbar.

 

Mai 2019

 

29. Mai 2019

Quorum sensing-Systeme der Bakterien – ein möglicher Angriffspunkt für Arzneistoffe?

 

Gramnegative Bakterien besitzen mehrere Systeme, mit denen eine Anpassung an den Wirtsorganismus erfolgt. Mittels Quorum sensing können die Erreger über spezielle Signalmoleküle die Dichte der Population bestimmen; so wird die Freisetzung von Virulenzfaktoren geregelt und die Produktion von Biofilmen. Die Quorum sensing-Systeme sind interessante Ziele für die Wirkung neuartiger Arzneistoffe zur Behandlung bakterieller Infektionen. Ohne die Erreger zu hemmen, sollen dadurch ihr Kommunikationssystem beeinflusst und die Freisetzung von Pathogenitätsfaktoren unterbunden werden. Einige bereits seit langem bekannte Substanzen lassen in vitro entsprechende Wirkungen erkennen. Ob daraus anwendbare Arzneimittel werden, die mit heutigen Therapeutika konkurrieren können, lässt sich derzeit nicht voraussagen.

 

D‘Angelo F et al. Identification of FDA-Approved Drugs as Antivirulence Agents Targeting the pqs Quorum-Sensing System of Pseudomonas aeruginosa. Antimicrob Agents Chemother. 2018;62. pii: e01296-18 FREE FULL TEXT

 

 

13. Mai 2019

Neues von der EMA:

DOVATO – ein weiteres Kombinationspräparat mit zwei Wirkstoffen zur antiretroviralen Therapie

 

Vor etwa einem Jahr wurde der Integraseinhibitor Dolutegravir in Kombination mit Rilpivirin unter dem Handelsnamen JULUCA als erste Zweierkombination zur antiretroviralen Therapie eingeführt. Nun empfiehlt das CHMP, das zuständige Komitee bei der EMA, auch die Kombination aus Dolutegravir mit dem Nukleosid Lamivudin zur Zulassung.1 Es entspricht damit dem Kombinationspräparat TRIUMEQ ohne den Wirkstoff Abacavir. In zwei umfangreichen Phase-3-Studien an mehr als 1.400 Patienten mit HIV-1-Infektion war die duale Kombination einer Dreierkombination aus Dolutegravir plus Tenofovir-Disoproxil und Emtricitabin nicht unterlegen und besser verträglich.2

Eine Übersichtstabelle (PDF-Datei) mit den heute verfügbaren Dreifach- und Zweifach-Kombinationspräparaten zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie finden Sie hier.

 

1. Dovato (Dolutegravir / Lamivudin), Summary of opinion, 26. April 2019

 

2. Cahn P et al. Dolutegravir plus lamivudine versus dolutegravir plus tenofovir disoproxil fumarate and emtricitabine in antiretroviral-naive adults with HIV-1 infection (GEMINI-1 and GEMINI-2): week 48 results from two multicentre, double-blind, randomised, non-inferiority, phase 3 trials. Lancet. 2019;393:143-155

 

 

10. Mai 2019

Erfolgreiche Therapie mit Bakteriophagen

 

Bakteriophagen sind bakterienpathogene Viren, die aus Nukleinsäure und einer Proteinhülle bestehen. Ihre Vermehrung erfolgt im Inneren der Bakterienzelle. Lytische Phagen führen zum Absterben des Bakteriums. Es liegt daher nahe, sie zur Therapie bei bakteriellen Infektionen einzusetzen. Am 24. Januar 2018 berichteten wir über die erfolgreiche Phagentherapie eines Patienten mit einer A. baumannii-Infektion.

Aktuell findet ein weiterer Fallbericht großes Interesse, in dem die erfolgreiche Behandlung eines 15-jährigen Mukoviszidose-Patienten mit einer disseminierten Infektion durch Mycobacterium abscessus beschrieben wird. Da die Therapie mit antimykobakteriellen Wirkstoffen keine ausreichende Wirkung zeigte und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden war, wurde dem Patienten als letzte Option eine Mischung von drei Phagen – teilweise gentechnisch verändert – intravenös über mehrere Monate verabreicht. Darunter besserte sich der Zustand des Patienten wesentlich.

 

Dedrick RM et al. Engineered bacteriophages for treatment of a patient with a disseminated drug-resistant Mycobac-terium abscessus. Nat Med. 2019 May;25(5):730-733 PubMed

 

Im Heft 1, 2018 dieser Zeitschrift finden Sie den Beitrag „Ist die personalisierte antibakterielle Phagentherapie die Zukunft bei Polyresistenz?“ (Archiv, mit Passwort).

 

 

3. Mai 2019

Jetzt ohne Passwort verfügbar:

Zeitschrift für Infektionstherapie, Heft 3, 2017

 

Therapie von Helicobacter pylori-Infektionen

Der Übersichtsartikel in diesem Heft fasst die aktuellen Erkenntnisse zur „Therapie von Helicobacter pylori-Infektionen“ zusammen. Die Behandlung erfolgt mit einem Protonenpumpeninhibitor, der mit zwei oder drei antimikrobiell wirksamen Stoffen kombiniert wird. Die Standardtherapie besteht nach wie vor aus Amoxicillin und Clarithromycin (oder Metronidazol). Bei Hinweisen auf eine mögliche Clarithromycin-Resistenz sollte eine Bismut-haltige Vierfachtherapie durchgeführt werden. In Regionen mit häufiger Resistenz gegen Clarithromycin ist eine gezielte Therapie nach Resistenztestung sinnvoll.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel im Heft 3, 2017 (PDF-Datei ab jetzt frei in unserem Archiv verfügbar). Die zitierte Literatur finden Sie hier.

 

 

April 2019

 

8. April 2019 Rote-Hand-Brief

Systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone:

Warnung vor lang anhaltenden, möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen, welche die Lebens-qualität beeinträchtigen

 

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat das Risiko irreversibler Nebenwirkungen von Fluorchinolonen in den vergangenen Monaten umfassend bewertet, unter anderem fand bereits im Juni 2018 eine öffentliche Anhörung statt. Möglicherweise irreversible Nebenwirkungen auf den Bewegungsapparat (Tendopathien, Myalgien u.a.), sowie das periphere und zentrale Nervensystem (periphere Neuropathie, Depression u.a.) können die Lebensqualität beeinträchtigen. Diese unerwünschten Wirkungen sind seit langem bekannt und in den entsprechenden „Informationen für Fachkreise“ gelistet. Mit der aktuellen Warnung wird erneut darauf hingewiesen, dass die verfügbaren Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Ofloxacin und Norfloxacin) nicht bei leichten, selbstlimitierenden Infektionen angewandt werden sollen.

 

1. EMA, 11. März 2019 Disabling and potentially permanent side effects lead to suspension or restrictions of quinolone and fluoroquinolone antibiotics

 

2. Rote-Hand-Brief, 8. April 2019 (BfArM) Systemisch und inhalativ angewendete Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika: Risiko von die Lebensqualität beeinträchtigenden, lang anhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen -Anwendungsbeschränkungen

 

 

8. April 2019

Berichte über Nebenwirkungen der Fluorchinolone in dieser Zeitschrift

 

In der Zeitschrift für Infektionstherapie haben wir mehrfach auf die unerwünschten Wirkungen, die bei einer Fluorchinolontherapie auftreten können, hingewiesen. Entsprechende Beiträge finden Sie zum Beispiel in folgenden Heften (PDF-Dateien im Archiv):

 

Heft 1, 2009

Levofloxacin-induzierte Achillessehnenruptur mit beträchtlichen Konsequenzen

 

Heft 5, 2013

FDA warnt vor peripherer Neuropathie durch Chinolone

 

 

 

 

4. April 2019

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 2, 2019 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

Der Übersichtsartikel geht der Frage nach: „Gibt es sinnvolle Indikationen für eine Langzeittherapie mit Antibiotika?“ Eine mehrmonatige Gabe von Antibiotika kann mit suppressivem, prophylaktischem oder immun-modulatorischem Ansatz erfolgen. Die Entscheidung muss in jedem Fall vor und auch während der Behandlung kritisch hinterfragt werden.

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates aus Meropenem und Vaborbactam (VABOMERE) in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. Der neuartige, borhaltige ß-Laktamaseinhibitor hemmt die ß-Laktamasen der Klassen A und C, einschließlich der Klebsiella-pneumoniae-Carbapenemase KPC.

Die Entdeckung und aktuelle Bedeutung der ß-Laktamasen wird in dem Beitrag “ß-Laktamasen – gestern und heute“ beschrieben. In den vergangenen Jahrzehnten sind insgesamt fast 3000 Varianten dieser Resistenzenzyme beschrieben worden.

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Fäkaltransplantation, Teil 1“. Auch dieser Text ist frei verfügbar.

 

 

März 2019

 

26. März 2019 Rote-Hand-Brief

Elvitegravir / Cobicistat: geringe Plasmaspiegel im

2. und 3. Trimester der Schwangerschaft

 

In einem Rote-Hand-Brief wurde im vergangenen Jahr auf erniedrigte Darunavir- und Cobicistat-Plasmaspiegel bei Schwangeren hingewiesen (siehe Beitrag am 27. Juni 2018).

 

Aktuell wird vor zu niedrigen Spiegeln von Elvitegravir  und Cobicistat während der Schwangerschaft gewarnt.1 Elvitegravir ist in Deutschland in Kombination mit Cobicistat und anderen Wirkstoffen unter den Namen GENVOYA und STRIBILD im Handel.

 

Die 24 Stunden-Plasmakonzentrationen von Elvitegravir im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft waren um mehr als 80% reduziert, verglichen mit den gepaarten Daten nach der Geburt.2 Die physiologischen Besonderheiten während der Schwangerschaft können erheblichen Einfluss auf die Kinetik von Arzneistoffen haben und müssen berücksichtigt werden. Schwangere Frauen sollen nicht mit Elvitegravir-haltigen Präparaten behandelt werden.

 

1. Rote-Hand-Brief, 26. März 2019. „Erhöhtes Risiko für ein Therapieversagen und erhöhtes Risiko einer Mutter-Kind-Übertragung der HIV-Infektion aufgrund einer geringeren Elvitegravir- und Cobicistat-Exposition im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft.“ (www.bfarm.de)

 

2. Momper JD et al. (IMPAACT P1026s Protocol Team). Elvitegravir/cobicistat pharmacokinetics in pregnant and postpartum women with HIV. AIDS. 2018 Nov 13;32(17):2507-2516

 

 

 

19. März 2019

Verträglichkeit von Ceftriaxon in hoher Dosierung

 

Ceftriaxon wird häufig zur Behandlung bakterieller ZNS-Infektionen angewandt. Für Erwachsene werden Dosierungen von bis zu 4,0 g täglich empfohlen. In Frankreich wurden in einer prospektiven Studie höhere Dosierungen verabreicht, mehr als 40% der insgesamt 196 Patienten erhielten Dosen von 8,0 g oder mehr. Bei 8,7% der Studienteilnehmer kam es zu überwiegend neurologischen Ceftriaxon-bedingten Nebenwirkungen.

Die Talkonzentrationen des Antibiotikums im Plasma (nicht proteingebunden) lagen bei diesen 17 Patienten bei 13,3 mg/l, bei den anderen bei 3,3 mg/l. Nur in einem Fall wurde die Therapie wegen einer biliären Pseudolithiasis abgebrochen. Höhere Dosierungen sind offenbar ausreichend gut verträglich, bei Patienten im höheren Lebensalter und eingeschränkter Nierenfunktion wird eine Bestimmung der Plasmakonzentrationen empfohlen.

 

Le Turnier P et al. High-Dose Ceftriaxone CNS Infections Study Group . Tolerability of high-dose ceftriaxone in CNS infections: a prospective multicentre cohort study. J Antimicrob Chemother. 2019 Apr 1;74(4):1078-1085

 

 

11. März 2019

Plazomicin bei komplizierten Harnwegsinfektionen

 

Bei der Entwicklung des neuen Aminoglykosids Plazomicin (in den USA: Zemdri) wurden die Schwierigkeiten der klinischen Prüfung von neuen Antibiotika deutlich. Während eine Studie bei Patienten mit Harnwegsinfektionen erfolgreich durchgeführt werden konnte1, gab es nicht genügend Teilnehmer mit einer nosokomialen Pneumonie für eine weitere Studie. Die Studie war „Erreger-orientiert“ und wurde nach den Richtlinien der FDA zum Design von Studien zur Behandlung von Patienten mit Infektionen ohne derzeit verfügbare, rationale Behandlungsoption konzipiert. Die Multicenterstudie wurde nach zwei Jahren abgebrochen.2 Allzu strikte Ein- und Ausschlusskriterien verhindern eine zügige Durchführung der klinischen Prüfung. Andererseits ist der Nachweis der Nichtunterlegenheit für jede Indikation notwendig, wie einige Beispiele aus der Vergangenheit zeigen.

 

1: Wagenlehner FME et al. Once-Daily Plazomicin for Complicated Urinary Tract Infections. N Engl J Med. 2019 Feb 21;380(8):729-740

 

2: McKinnell JA et al. Plazomicin for Infections Caused by Carbapenem-Resistant Enterobacteriaceae. N Engl J Med. 2019 Feb 21;380(8):791-793

 

3: Cox E, Nambiar S, Baden L. Needed: Antimicrobial Development. N Engl J Med. 2019 Feb 21;380(8):783-785

 

 

4. März 2019

Bedaquilin-resistente Tuberkuloseerreger

 

Resistenz der Mykobakterien gegen Bedaquilin (SIRTURO) entwickelte sich rasch nach Einführung des innovativen Antituberkulotikums. Mehrere Mechanismen sind bekannt. Mutationen im Gen für ein Protein der ATP-Synthase reduzieren die Wirkung erheblich, daneben existieren genetische Veränderungen, die zu einer erhöhten Aktivität einer Effluxpumpe führen.1 Beunruhigend ist der Nachweis von Bedaquilin-resistenten M. tuberculosis-Stämmen bei Patienten im Iran, die zuvor noch nicht mit dem Arzneimittel behandelt worden waren.2

 

1: Nguyen TVA et al. Bedaquiline Resistance: Its Emergence, Mechanism, and Prevention. Clin Infect Dis. 2018 May 2;66(10):1625-1630 PubMed

 

2: Ghajavand H et al. High Prevalence of Bedaquiline Resistance in Treatment-Naive Tuberculosis Patients and Verapamil Effectiveness. Antimicrob Agents Chemother. 2019 Feb 26;63(3). pii: e02530-18 PubMed

 

 

1. März 2019

Jetzt ohne Passwort verfügbar:

Zeitschrift für Infektionstherapie, Heft 2, 2017

 

Antiinfektive Therapie der Sepsis

Der Übersichtsartikel im Heft 2, 2017 fasst die aktuellen Erkenntnisse zur Sepsistherapie zusammen. Die Sepsis mit oder ohne Schocksymptomatik ist unverändert eine äußerst bedrohliche Infektion mit hoher Letalität. Nach Diagnosestellung muss unmittelbar mit der hämodynamisch orientierten Basistherapie begonnen werden und parallel dazu die notwendige infektiologische Diagnostik durchgeführt werden. Die empirische antibiotische Anfangstherapie sollte innerhalb einer Stunde begonnen werden und sich an der Infektionslokalisation, den Grunderkrankungen des Patienten, dem Entstehungsort (nosokomial, ambulant), den möglichen Erregern und deren Resistenzepidemiologie orientieren.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel im Heft 2, 2017 (PDF-Datei ab jetzt frei in unserem Archiv verfügbar).

Die zitierte Literatur finden Sie hier.

 

 

Februar 2019

 

18. Februar 2018

Chlorhexidin plus Mupirocin zur MRSA-Dekolonisation

 

Der Einsatz von Chlorhexidin sollte auf der Basis von Studien mit eindeutigen Aussagen erfolgen (vgl. Beitrag am 29. August 2018). Ärzte aus Kaliformien berichten über einen positiven Effekt einer Dekolonisation von Patienten, die bei der Entlassung aus dem Krankenhaus mit Methicillin-resistenten S. aureus kolonisiert waren. MRSA-Infektionen traten innerhalb eines Jahres bei 6,3% der Patienten auf im Vergleich zu 9,2% bei einer Kontrollgruppe. Jeweils gut 1.000 Patienten hatten entweder ausführliche Hinweise zur persönlichen Hygiene erhalten oder sie wurden zusätzlich angewiesen ein halbes Jahr lang zweimal monatlich folgende Maßnahmen für fünf Tage durchzuführen: Duschen mit einer Chlorhexidin-Zubereitung (4%), Mundspüliungen mit Chlorhexidin (0,12%) und zweimal täglich Mupirocin Nasensalbe (2%) zu verwenden. Die Gesamtrate an Infektionen verringerte sich von 23,7% auf 19,6%.

 

Huang SS et al. for the Project CLEAR Trial. Decolonization to Reduce Postdischarge Infection Risk among MRSA Carriers. N Engl J Med. 2019 Feb 14;380(7):638-650 (PubMed)

 

 

8. Februar 2019

Akute Harnwegsinfektion: Phytopharmakon oder Antibiotikum?

 

Bei Frauen mit den Symptomen einer Zystitis kann eine Therapie mit dem pflanzlichen Präparat CANEPHRON erfolgreich sein. Im direkten Vergleich zu einer Behandlung mit Fosfomycin-Trometamol (MONURIL u.a.) ergab sich ein ähnlich rascher Rückgang der Symptomatik. Die zusätzliche Gabe eines Antibiotikums war bei 16,5% der Frauen notwendig, in der Vergleichsgruppe war dies bei 10,2% der Fall. Die Therapie mit dem pflanzlichen Präparat könnte dazu beitragen, den häufigen Einsatz von Antibiotika bei dieser Indikation zu reduzieren. Es muss beachtet werden, dass eine Pyelonephritis bei der nicht-antibiotischen Therapie häufiger auftreten kann.

 

Wagenlehner FM, Abramov-Sommariva D, Höller M, Steindl H, Naber KG. Non-Antibiotic Herbal Therapy (BNO 1045) versus Antibiotic Therapy (Fosfomycin Trometamol) for the Treatment of Acute Lower Uncomplicated Urinary Tract Infections in Women: A Double-Blind, Parallel-Group, Randomized, Multicentre, Non-Inferiority Phase III Trial. Urol Int. 2018;101(3):327-336  FREE FULL TEXT

 

Anmerkung: Den vollständigen Artikel finden Sie im Heft 6, 2018 (Archiv). Für Fosfomycin wurde dort das zur intravenösen Therapie erhältliche INFECTOFOS als Handelsname aufgeführt. Untersucht wurde in dieser Studie jedoch das Fosfomycin-Trometamol, das unter verschiedenen Namen zur oralen Anwendung im Handel ist. Wir danken Herrn Dr. Winnemöller, Infectopharm, für den Hinweis.

 

 

1. Februar 2019

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 1, 2019 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt den aktuellen Stand einer „Therapie der chronischen Hepatitis B“. Das Nukleosid Entecavir und zwei Prodrugs des Nukleotids Tenofovir sind heute die Mittel der primären Wahl zur Behandlung von Patienten mit Hepatitis B.

 

Die Kurzbeschreibung des Toxinantikörpers Bezlotoxumab (ZINPLAVA) in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. Damit steht ein neuartiger Präventionsansatz gegen Rezidive einer C. difficile-Infektion zur Verfügung. Beim Vorliegen von Risikofaktoren für ein Rezidiv resultiert eine etwa 10- bis 16-prozentige Reduktion der Rezidivrate. Bei Patienten ohne Risikofaktoren hat das neue Arzneimittel keinen Nutzen.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Sepsis“. Auch dieser Text ist frei verfügbar.

 

Januar 2019

 

25. Januar 2019

Actoxumab – ein klinisch unwirksamer Antikörper gegen das Toxin A von Clostridium difficile

 

Clostridium difficile bildet mehrere Toxine: A und B sowie ein binäres Toxin. Tierexperimentell wurde gezeigt, dass das Toxin A entzündliche Reaktionen, Nekrosen und Flüssigkeits-verschiebungen induziert. Im Gegensatz dazu wirkt Toxin B nur dann, wenn es mit Toxin A kombiniert wird.1,2

 

Toxin A wurde daher ursprünglich als der primäre Virulenzfaktor von C. difficile angesehen. Der Antikörper Actoxumab ist gegen dieses Toxin gerichtet. Das Immunglobulin zeigt im Tierexperiment eine protektive Wirkung, erwies sich in der klinischen Prüfung jedoch als unwirksam. Auch in Kombination mit dem gegen Toxin B gerichteten Antikörper Bezlotoxumab (ZINPLAVA) war kein Vorteil erkennbar. Daher wird nun – entgegen des ursprünglichen Konzeptes – der Toxin B-Antikörper Bezlotoxumab als Monopräparat zur Prophylaxe eines C. difficile – Rezidivs eingesetzt.

 

Eine ausführliche Beschreibung der beiden Antikörper lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie (Heft 1, 2019).

 

1. Johnson S, Gerding DN. Bezlotoxumab. Clin Infect Dis. 2018 Jul 18. doi: 10.1093/cid/ciy577. [Epub ahead of print] FREE FULL TEXT

 

2. Lyras D et al. Toxin B is essential for virulence of Clostridium difficile. Nature. 2009 Apr 30;458(7242):1176-9. doi: 10.1038/nature07822. FREE FULL TEXT

 

 

18. Januar 2019

Daptomycin – höheres Myopathierisiko bei gleichzeitiger Statintherapie?

 

Das Lipopeptidantibiotikum Daptomycin (CUBICIN) kann Myopathien verursachen. Insgesamt 128 von mehr als 3000 Daptomycin-behandelten Patienten (4,2 %) zeigten diese Nebenwirkung mit CPK-Werten über 200 U/l. Die retrospektive Analyse aus den USA konnte zeigen, dass die gleichzeitige Gabe eines Statins mit einer erhöhten Inzidenz an Myopathien einhergeht. Die Autoren empfehlen, eine Statin-Therapie bei einem Daptomycin-Einsatz zu unterbrechen bzw. mindestens zweimal wöchentlich eine CPK-Bestimmung vorzunehmen.1

 

Ein aktueller Kommentar zu dieser Studie weist darauf hin, dass in früheren Untersuchungen die Nebenwirkung seltener festgestellt wurde. Kritisiert wird die Auswahl der Patienten und die Definition der Myopathie mit zu niedrigen CPK-Grenzwerten.2 Eine CPK-Kontrolle bei einer Daptomycintherapie und Zurückhaltung bei gleichzeitiger Gabe von anderen myotoxischen Medikamenten entspricht jedoch den offiziellen Empfehlungen in der Fachinfo.3

 

1. Dare R K et al. Effect of Statin Coadministration on the Risk of Daptomycin-Associated Myopathy. Clin Infect Dis 2018; 67:1356-1363

 

2. Wasko JA, Dietrich E, Davis K. Risk of Daptomycin Associated Myopathy with Concomitant Statin Use. Clin Infect Dis. 2018 Dec 28 [Epub ahead of print]

 

3. Fachinfo CUBICIN, Dezember 2018 www.fachinfo.de

 

 

 

11. Januar 2019

Neue Therapeutika bei Infektionen durch Carbapenem-resistente A. baumannii in der klinischen Entwicklung

 

Carbapenem-resistente Acinetobacter baumannii (CRAB) sind gefürchtete Erreger nosokomialer Infektionen. Die verfügbaren Antibiotika, wie Colistin, sind durch ihre Toxizität in der Höhe der Dosierung limitiert und können in ihrer Wirksamkeit nicht überzeugen. In einer aktuellen Übersicht1 werden neue Arzneimittel vorgestellt, die sich in unterschiedlichen Phasen der klinischen Entwicklung befinden und die bei Infektionen mit dem problematischen Erreger eine Option darstellen können. Neben Cefiderocol, einem neuen Siderophor-Cephalosporin, dem Tetrazyklin-derivat Eravacyclin und zahlreichen anderen Antibiotika werden heute auch völlig neue Therapieansätze geprüft. Dazu gehört die Therapie mit Bakteriophagen oder monoklonalen Antikörpern.

 

1. Isler B, Doi Y, Bonomo RA, Paterson DL. New Treatment Options against Carbapenem-Resistant Acinetobacter baumannii Infections. Antimicrob Agents Chemother. 2019;63:e01110-18 Review (PubMed-Abstract)

 

 

2. Januar 2019

Optimale Dauer der Antibiotikatherapie

 

Jeder Tag, an dem ein Patient antibiotisch behandelt wird, erhöht den Selektionsdruck in der körpereigenen Flora und kann zu einem Anstieg der Resistenzhäufigkeit beitragen.

 

Eine verkürzte Therapiedauer ist daher stets anzustreben, wenn dies ohne Einbuße beim Erfolg möglich ist. Mittlerweile wurden etliche randomisierte klinische Studien zu dieser Thematik publiziert. Eine Übersicht zu diesem Thema finden Sie in Heft 1, 2017 dieser Zeitschrift (jetzt als freie PDF-Datei im Archiv).1

 

In einer aktuellen Studie stellten Ärzte aus Israel fest, dass bei einer Bakteriämie durch gramnegative Erreger kein Unterschied im Therapieerfolg bestand, wenn die Patienten nur sieben anstatt 14 Tage lang antibiotisch behandelt wurden. Bei zwei Drittel der Studienteilnehmer lag eine Infektion der Harnwege als Ausgangspunkt der Bakteriämie vor.2

 

1. Optimale Dauer der Antibiotikatherapie

Heft 1, 2017 (PDF-Datei im Archiv)

 

 

2. Yahav D et al. Seven versus fourteen Days of Antibiotic Therapy for uncomplicated Gram-negative Bacteremia: a Non-inferiority Randomized Controlled Trial. Clin Infect Dis. 2018 Dec 11 [Epub ahead of print] PubMed PMID: 30535100.

 

Dezember 2018

 

29. Dezember 2018

Zeitschrift für Infektionstherapie ab 2019 im neuen Verlag

 

Liebe Leser und Abonnenten,

im Jahr 2019 erscheint die Zeitschrift für Infektionstherapie (früher: Zeitschrift für Chemotherapie) im 40. Jahrgang. Das Redaktionsteam und der Verlag sind stolz auf dieses Jubiläum.

 

Ab Januar 2019 wird der seit langem im Infektiologie- und Hygiene-Bereich tätige mhp-Verlag in Wiesbaden die Zeitschrift mit dem kompletten Redaktionsteam übernehmen.

 

Sie können auch in Zukunft davon ausgehen, dass Sie von uns weiterhin unabhängige, qualitätsvolle und rationale Informationen zur Therapie und Prävention von Infektionen erhalten werden – in gedruckter Form und auf unserer Internetseite!

 

Wir wünschen Ihnen einen guten Rutsch in ein erfolgreiches, gesundes Neues Jahr!

 

Prof. Hartmut Lode, Prof. Ralf Stahlmann

und das Redaktionsteam

 

 

22. Dezember 2018

Herausgeber und Redaktionsteam wünschen den Lesern und Abonnenten der Zeitschrift für Infektionstherapie frohe und erholsame Weihnachtstage!

 

 

1. Dezember 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 6, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel widmet sich dem Thema „Impfungen im Alter“. Alle Personen im Alter über 60 Jahren sollten vier Impfungen in festgelegten Zeitabständen gegen folgende Erreger bzw. Infektionen erhalten: Influenza-Viren, Pneumokokken, Diphtherie, Tetanus und Pertussis sowie Herpes zoster.

 

Die Kurzbeschreibung des Zosterimpfstoffes SHINGRIX in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. SHINGRIX enthält das rekombinante Antigen E, ein wesentliches Glykoprotein des Virus und ein speziell entwickeltes Adjuvans. Die Wirksamkeit des Impfstoffes liegt bei über 90%, im Vergleich zu der bisher verfügbaren Lebendvakzine ZOSTAVAX hielt der Impfschutz länger an. Lokale und systemische Nebenwirkungen sind allerdings relativ häufig.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Blutkulturen – wie wird eine Kontamination definiert?“. Auch dieser Text ist frei verfügbar.

 

 

November 2018

 

26. November 2018

ß-Laktamantibiotika bei Sepsis - drug monitoring empfohlen!

 

Patienten mit Sepsis weisen häufig ein vergrößertes Herzzeitvolumen sowie eine erhöhte glomeruläre Filtrationsrate auf, die zu einer beschleunigten Elimination von ß-Laktamantibiotika führt. Bei einer Verabreichung von Standarddosierungen resultieren bei diesen Patienten zu niedrige Blutkonzentrationen, das Risiko für ein Versagen der Antibiotikatherapie nimmt zu. Die Höhe der notwendigen Dosierung von ß-Laktamantibiotika bei kritisch kranken Patienten lässt sich auf der Grundlage der gemessenen Kreatinin-Clearance nicht mit der notwendigen Zuverlässigkeit vorhersagen. Ein therapeutisches drug monitoring wird empfohlen, um die optimalen Dosierungen zu ermitteln.

 

Jacobs A et al. β-Lactam Dosage Regimens in Septic Patients with Augmented Renal Clearance. Antimicrob Agents Chemother. 2018 Aug 27;62(9). pii: e02534-17 FREE FULL TEXT

 

 

15. November 2018

Metronidazol bei Trichomoniasis: Einmalbehandlung oder mehrtägige Therapie?

 

Die Trichomoniasis ist weltweit eine häufige, sexuell übertragbare Erkrankung. Ein Mittel der Wahl zur Behandlung ist Metronidazol; möglich ist entweder eine Einmalbehandlung mit 2,0 g Metronidazol oder eine siebentägige Therapie mit zweimal täglicher Einnahme von 0,5 g des Wirkstoffes. Eine prospektive Vergleichsstudie beider Regime zeigte die Überlegenheit der siebentägigen Behandlung. Die Empfehlungen sollten entsprechend angepasst werden.

 

Kissinger P. et al. Single-dose versus 7-day-dose metronidazole for the treatment of trichomoniasis in women: an open-label, randomised controlled trial. Lancet Infect Dis. 2018 Oct 5. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 30297322 (abstract).

 

 

9. November 2018

Bakterielle Endokarditis: ist eine frühe orale Therapie möglich?

 

Patienten mit einer infektiösen bakteriellen Endokarditis des linken Herzens werden üblicherweise für vier bis sechs Wochen intravenös behandelt. Eine Studie aus Dänemark zeigt, dass eine orale Behandlung der parenteralen Therapie nicht unterlegen ist. Voraussetzung ist ein gutes Ansprechen auf eine initiale zehntägige intravenöse Therapie mit bakteriziden Antibiotika. Anschließend können zwei verschiedene Antibiotika aus verschiedenen Gruppen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen oral gegeben werden. So können synergistische Effekte ausgenutzt werden.

 

Iversen K et al. Partial Oral versus Intravenous Antibiotic Treatment of Endocarditis. N Engl J Med. 2018 [Epub ahead of print] FREE FULL TEXT (PDF)

 

 

1. November 2018

Jetzt ohne Passwort: Zeitschrift für Infektionstherapie, Heft 6, 2016

 

Schwerpunkt in diesem Heft ist der Beitrag zur „Therapie der nosokomialen und beatmungsassoziierten Pneumonie“. Im Krankenhaus erworbene ("nosokomiale") Pneumonien werden definiert als eine Infektion, die sich frühestens 48 Stunden nach stationärem Aufenthalt manifestiert und sich bei der Aufnahme nicht in der Inkubationsphase befand. Grundlage der Therapie ist die Kenntnis der lokalen Resistenzepidemiologie; eine therapeutische Deeskalation erfolgt auf der Basis mikrobiologischer Ergebnisse. Bei der Wahl der Dosierungen sind die pharmakologischen Indices zu berücksichtigen und die Dauer der Antibiotikatherapie sollte möglichst kurz sein.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel im Heft 6, 2016.

Es ist jetzt als PDF-Datei in unserem Archiv frei verfügbar.

 

 

Oktober 2018

 

26. Oktober 2018 Rote Hand Brief

Systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone: Risiko für Aortenaneurysmen und –dissektionen

 

Aortenaneurysmen und –dissektionen sind seltene Ereignisse, die mit einer Inzidenz von ca. 3 bis 30 Fällen pro 100.000 Personen pro Jahr auftreten. Fluorchinolone können das Risiko für Aortenaneurysmen und –dissektionen erhöhen, insbesondere bei älteren Personen. Epidemiologische Studien zeigten ein etwa zweifach erhöhtes Risiko bei Patienten, die mit Fluorchinolonen behandelt werden im Vergleich zu Patienten, die andere Antibiotika erhielten. Eine erhöhte Anfälligkeit für Aortenschäden ließ sich bei Mäusen nach Fluorchinolon-Behandlung nachweisen. Bei Patienten mit einem bestehenden Risiko für Aortenaneurysmen sollten Fluorchinolone nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter Berücksichtigung anderer Therapiemöglichkeiten angewendet werden.

 

Rote Hand Brief, 26. Oktober 2018

 

26. Oktober 2018

Aktuelles von der EMA

 

Flucelvax Tetra – ein Grippeimpfstoff aus Zellkulturen

 

Das zuständige Komitee der EMA (CHMP) hat den Grippeimpfstoff Flucelvax Tetra zur Zulassung empfohlen. Mit der Zulassung kann innerhalb von 67 Tagen nach der Empfehlung gerechnet werden. Grippeimpfstoffe werden standardmäßig in Hühnereiern produziert; da dieses Verfahren einige Nachteile aufweist, sind alternative Methoden von Interesse. Flucelvax Tetra wird in Zellkulturen hergestellt. Die Vakzine enthält die Oberflächenantigene Neuraminidase und Hämagglutinin von jeweils zwei Stämmen von Influenza A- und B-Viren und kann bei Erwachsenen und Kindern ab neun Jahren angewandt werden.

 

EMA Summary of Opinion Flucelvax Tetra, 18. Oktober 2018

 

 

24. Oktober 2018

Pharmakokinetik von ß-Laktamantibiotika bei Mukoviszidose Patienten

 

Seit vier Jahrzehnten werden Besonderheiten der Pharmakokinetik von ß-Laktamantibiotika bei Muskoviszidose-Patienten beschrieben. Eine aktuelle Auswertung alter und neuer Studien zeigte, dass eine Berechnung der pharmakokinetischen Variablen unter Berücksichtigung der fettfreien Körpermasse anstatt - wie früher üblich - des Gesamtkörpergewichts bei dieser Patientengruppe schließlich zu optimierten Dosierungsregimen führt. Hinsichtlich der Behandlung von Patienten mit schweren, chronischen Infektionen liegen zu wenige Studien vor.

 

Bulitta JB et al. Four Decades of β-Lactam Antibiotic Pharmacokinetics in Cystic Fibrosis. Clin Pharmacokinet. 2018 [Epub ahead of print]

 

 

September 2018

 

24. September 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 5, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt die Therapie von Harnwegsinfektionen beim Mann. Welche Antibiotika sind geeignet? Wie lange soll behandelt werden?

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates BIKTARVY in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. BIKTARVY ist ein Eintablettenpräparat zur antiretroviralen Therapie, in dem der neu entwickelte Integraseinhibitor Bictegravir mit Emtricitabin und Tenofovir-Alafenamid kombiniert wird. Die Gruppe der Integraseinhibitoren gewinnt weiter an Bedeutung!

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Neue Methoden in der klinischen Mikrobiologie“. Auch dieser Text ist frei verfügbar.

 

21. September 2018

Aktuelles von der EMA

 

Doravirin – ein neuer Hemmstoff der reversen Transkriptase zur Behandlung der HIV-Infektion zur Zulassung empfohlen

 

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA teilt mit, dass die Zulassung von zwei neuen Arzneimitteln zur Behandlung der HIV-Infektion vom zuständigen Komitee CHMP empfohlen wird. Der Wirkstoff Doravirin (PIFELTRO), ein nicht-nukleosidischer Inhibitor der reversen Transkriptase, kann mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen zur Behandlung erwachsener Patienten eingesetzt werden, wenn keine Resistenzen gegen NNRTI vorliegen.1 Die fixe Kombination des Inhibitors mit zwei weiteren, lange bekannten Virustatika - Lamivudin und Tenofovir-Disoproxil - heißt DELSTRIGO.2

 

1. EMA Summary of Opinion PIFELTRO,

21. September 2018

2. EMA Summary of Opinion DELSTRIGO,

21. September 2018

 

 

Neuer ß-Laktamaseinhibitor Vaborbactam in Kombi-nation mit Meropenem

 

Bereits am 8. September 2017 berichteten wir an dieser Stelle über die Zulassung des Kombinationspräparates VABOMERE in den USA zur Therapie von komplizeirten Harnwegsinfektionen. Es enthält den neuartigen ß-Laktamaseinhibitor Vaborbactam und Meropenem. Heute wurde es vom CHMP auch in Europa zur Zulassung empfohlen. Die Indikationen sind in Europa umfangreicher:

  • Komplizierte Harnwegsinfektionen, einschließlich Pyelonephritis
  • Komplizierte intra-abdominelle Infektionen
  • Nosokomiale Pneumonie, einschließlich beatmungs-assoziierter Pneumonie

EMA Summary of Opinion VABOMERE,

21. September 2018

 

 

20. September 2018

Tuberkulose am kleinen Finger

 

Zwei Ärztinnen der University of California, San Francisco, USA, berichten über eine 42-jährige Frau mit einem Lupus erythematosus und immunsuppressiver Behandlung. Seit einer Woche bemerkte sie eine Rötung mit Schwellung und Wärmeentwicklung am kleinen Finger der linken Hand (Abbildung). Im MRT konnte eine Veränderung des Gewebes ohne Knochenbeteiligung nachgewiesen werden, in der Biopsie gelang der Nachweis von säurefesten Stäbchen. Nach den Ergebnissen der Kultur handelte es sich um Mycobacterium tuberculosis. Wie weiterhin berichtet wird, konnte beim Ehemann der Patientin eine aktive Lungentuberkulose diagnostiziert werden. Fazit: obwohl eine Tuberkulose am Finger eine seltene Manifestation darstellt, sollte bei immunsupprimierten Patienten daran gedacht werden. Nach der Behandlung mit vier Antituberkulotika über neun Monate war die Entzündung des Fingers komplett reversibel.

 

Mandal J, Margaretten M. Tuberculosis of the Finger. N Engl J Med. 2018;379:1161 FREE FULL TEXT (PDF)

 

 

6. September 2018

Schwarze Haarzunge nach kurzfristiger Einnahme von Minocyclin

 

Eine 55-jährige Patientin erhielt wegen einer polymikrobiellen Wundinfektion Meropenem i.v. und zusätzlich Minocyclin oral. Bereits nach einer Woche entwickelte sich eine schwarze Verfärbung der Zunge. Auf diese als „schwarze Haarzunge“ bekannte Nebenwirkung von Minocyclin wird in der Fachinfo hingewiesen, die Häufigkeit wird als „nicht bekannt“ angegeben. Bemerkenswert ist in diesem Fall das rasche Auftreten der Nebenwirkung. Wie die Abbildung in der heutigen Ausgabe des NEJM zeigt, war nach Absetzen des Minocyclins die unerwünschte Wirkung innerhalb von vier Wochen reversibel.

 

Hamad Y, Warren DK. Black hairy tongue. N Engl J Med 2018; 279: e16

 

2. September 2018

Neue Antibiotika

Zeitschrift für Infektionstherapie, Heft 5, 2016

 

Ein Übersichtsartikel widmete sich vor zwei Jahren den „neuen Antibiotika“, die nach 2010 in den Handel kamen. Der Beitrag ist immer noch aktuell, denn seitdem sind keine weiteren innovativen Arzneimittel zur Behandlung bakterieller Infektionen zugelassen worden. Welche Firmen haben sie entdeckt, entwickelt und vermarktet? Wie groß ist der Nutzen für den Patienten? Diese Fragen stehen im Fokus des Artikels. Heft 5, 2016, ist jetzt als PDF-Datei ohne Passwortschutz in unserem Archiv frei verfügbar.

 

August 2018

 

29. August 2018

Mundspülungen mit Chlorhexidin – neue Studie zeigt erhöhtes Mortalitätsrisiko

 

Mundspülungen mit Chlorhexidin bei stationär behandelten Patienten mit einem geringen Risiko sind nicht sinnvoll. Die Maßnahme ist mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Das zeigt eine aktuelle Studie aus Belgien. Bei intensivmedizinisch betreuten Patienten wurde eine negative Wirkung nicht festgestellt. Eine breite, undifferenzierte Anwendung von Chlorhexidin-Mundspülungen bei Patienten im Krankenhaus sollte nicht erfolgen. Ein möglicher Nutzen muss für jede Indikation einzeln und gezielt nachgewiesen werden.

 

Deschepper M et al. Effects of chlorhexidine gluconate oral care on hospital mortality: a hospital-wide, observational cohort study. Intensive Care Med. 2018;44:1017-1026 FREE FULL TEXT

 

 

27. August 2018

TDM von ß-Laktamantibiotika: direkte Messung der freien, nicht Protein-gebundenen Konzentrationen wird empfohlen

 

Bei schwerkranken Patienten besteht häufig eine erhöhte renale Clearance, darüber hinaus kann oft eine Hypalbuminämie festgestellt werden. Beides hat Auswirkungen auf die Pharmakokinetik von Penicillinen, Cephalosporinen und anderen ß-Laktamantibiotika. Australische Wissenschaftler empfehlen eine Bestimmung der freien nicht Protein-gebundenen Antibiotika-konzentrationen, um optimale Dosierungen zu berechnen. [1,2] Wenn bei der Analytik nur die Gesamtkonzentrationen gemessen werden, und dann Proteinbindungsraten aus der Literatur benutzt werden, können Fehleinschätzungen resultieren.

 

1. Wong G, Briscoe S, McWhinney B, Ally M, Ungerer J, Lipman J, Roberts JA. Therapeutic drug monitoring of β-lactam antibiotics in the critically ill: direct measurement of unbound drug concentrations to achieve appropriate drug exposures. J Antimicrob Chemother. 2018 Aug 17. doi: 10.1093/jac/dky314. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 30137377.

 

2. Wong G et al. Protein binding of β-lactam antibiotics in critically ill patients: can we successfully predict unbound concentrations? Antimicrob Agents Chemother. 2013;57: 6165-70 FREE FULL TEXT

 

 

1. August 2018

Neues von der EMA:

Eravacyclin - ein fluoriertes Tetrazyklin zur Therapie komplizierter abdomineller Infektionen

 

Das fluorierte, vollsynthetische Tetrazyklin-Derivat Eravacyclin (XERAVA) wurde am 26. Juli 2018 vom Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) zur Zulassung empfohlen.1 Der neue Wirkstoff wird als Infusion verabreicht. Bei Patienten mit komplizierten intraabdominellen Infektionen war es in einer Dosierung von zweimal täglich 1 mg/kg Körpergewicht ähnlich gut wirksam wie das Vergleichspräparat Ertapenem in einer Dosierung von einmal täglich 1,0 g .2

 

1. Mitteiling der EMA vom 26. Juli 2018

Eravacyline (XERAVA) Summary of opinion


2. Solomkin J et al. Assessing the Efficacy and Safety of Eravacycline vs Ertapenem in Complicated Intra-abdominal Infections in the Investigating Gram-Negative Infections Treated With Eravacycline (IGNITE 1) Trial: A Randomized Clinical Trial. JAMA Surg. 2017;152(3):224-232

 

 

Juli 2018

 

26. Juli 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie
 

 Heft 4, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).
 

Im Übersichtsartikel werden die aktuellen Empfehlungen zum Thema „Antibiotika in der Zahnmedizin“ zusammengefasst.

 

Neueinführungen: Die Kurzbeschreibung eines neuen Virustatikums zur Prophylaxe von Zytomegalievirus-Infektionen ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Präparat PREVYMIS enthält den neuartigen Wirkstoff Letermovir. Es ist das erste verfügbare Arzneimittel, dass die virale Terminase hemmt.
 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel Clostridium difficile - Diagnostik.

 

 

4. Juli 2018

Therapie mit Vancomycin

 

Vancomycin (VANCOMYCIN CP u. a.) ist ein bewährtes Antibiotikum zur Therapie von Infektionen durch grampositive Erreger, insbesondere durch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Wegen des nephrotoxischen Potenzials dieses Antibiotikums sollte die Dosierung unter Berücksichtigung der pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Eigenschaften optimiert werden. Die kontinuierliche Infusionstherapie mit Talspiegeln zwischen 15 bis 20 mg/l hat sich bewährt. Bei septischen lebensbedrohlichen Infektionen wird empfohlen, eine hochdosierte Anfangsdosis zu verabreichen.
 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in Heft 4, 2016 (Archiv). Die PDF-Datei ist jetzt im Archiv dieser Zeitschrift frei verfügbar.

 

Álvarez R et al. Optimizing the Clinical Use of Vancomycin. Antimicrob Agents Chemother. 2016;60:2601-9

FREE FULL TEXT

 

 

2. Juli 2018

Globaler Antibiotikaverbrauch:

deutlicher Anstieg in den vegangenen Jahren!

 

In einer aktuell publizierten Studie der WHO wird der Antibiotikaverbrauch in 76 Ländern in den Jahren 2000 bis 2015 analysiert. In diesem Zeitraum nahm der Verbrauch um zwei Drittel zu. Während es in den Ländern mit hohem Einkommensniveau eher zu einem geringen Rückgang des Verbrauchs kam, stieg er in den Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommensniveau um mehr als 100 % an. Damit besteht eine zunehmende Gefahr der Resistenzentwicklung sowie eines Verlustes der antibiotischen Wirksamkeit. Radikale Maßnahmen sind notwendig, um einen weiteren Anstieg des Antibiotikaverbrauchs zu begrenzen.

 

Klein EY et al. Global increase and geographic convergence in antibiotic consumption between 2000and 2015. Proc Natl Acad Sci U S A. 2018 Apr 10;115(15):E3463-E3470

FREE FULL TEXT.

 

 

Juni 2018

 

28. Juni 2018

Antibiotika in der Entwicklung:

neue Internetseite gibt Einblick in die Pipeline!

 

Die Entwicklung neuer Antibiotika steckt in einem Dilemma: angesichts der Resistenzentwicklung sind Innovationen dringend erforderlich, andererseits wurde die Forschung auf diesem Gebiet in vielen pharmazeutischen Unternehmen eingestellt. Eine neue Internetseite richtet sich an alle, die im Bereich der Antibiotikaforschung und -entwicklung tätig sind. Unter www.AntibioticDB.com findet man eine umfangreiche Datenbasis über antimikrobiell wirksame Stoffe, die derzeit in der präklinischen oder klinischen Entwicklung sind oder deren Entwicklung eingestellt wurde. Es handelt sich um eine interaktive website: Wissenschaftler in der Industrie oder in Universitäten sind aufgerufen, die Datenbasis zu ergänzen.

 

Farrell LJ et al. Revitalizing the drug pipeline: AntibioticDB, an open access database to aid antibacterial research and development. J Antimicrob Chemother 2018 (online, 11. Juni)

FREE FULL TEXT

 

27. Juni 2018 Rote Hand Brief

Darunavir / Cobicistat: geringe Plasmaspiegel im 2. und 3. Trimenon der Schwangerschaft

 

Während der Schwangerschaft finden zahlreiche physiologische Veränderungen statt, die erheblichen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Arzneistoffen haben (Plasmavolumen, renale Clearance, Aktivität der Fremdstoff-metabolisierenden Enzyme etc.). Obwohl die Zusammenhänge seit Jahrzehnten bekannt sind, bestehen immer noch große Wissenslücken, um die Veränderungen exakt vorauszusagen.1

 

In einem Rote-Hand-Brief wird auf deutlich erniedrigte Darunavir- und Cobicistat-Plasmaspiegel hingewiesen, die bei sechs schwangeren Patientinnen in einer Pharmakokinetikstudie gemessen wurden. Verminderte Darunavir-Konzentrationen können mit einem erhöhten Risiko für Therapieversagen sowie einem erhöhten Risiko einer Mutter-Kind-Übertragung einer HIV-1-Infektion einhergehen. Daher soll eine Therapie mit Darunavir/Cobicistat während der Schwangerschaft nicht begonnen werden und Frauen, die während der Therapie mit Darunavir/Cobicistat schwanger werden, sollten auf eine alternative Therapie umgestellt werden.2

 

Darunavir ist in Deutschland als Monopräparat (PREZISTA) und in Kombination mit Cobicistat und anderen Wirkstoffen (SYMTUZA) im Handel, die Zweifach-Kombination aus Darunavir und Cobicistat (REZOLSTA) wird hier nicht vermarktet.

 

1. Pariente G et al. Pregnancy-Associated Changes in Pharmacokinetics: A Systematic Review. PLoS Med. 2016 Nov 1;13(11):e1002160. FREE FULL TEXT

 

2. Rote-Hand-Brief Darunavir / Cobicistat, 24. Juni 2018

 

 

20. Juni 2018 Rote Hand Brief

Cefepim: erhöhtes Risiko für neurotoxische Wirkungen nach zu hoher Dosierung bei Patienten mit Nieren-insuffizienz

 

Fast alle verfügbaren Antibiotika können zu Schäden des peripheren oder zentralen Nervensystems führen. Bei den ß-Laktamantibiotika stellt vor allem die nicht berücksichtigte Nierenfunktionsstörung einen bedeutsamen Risikofaktor für neurologische Nebenwirkungen dar.1 (siehe Übersicht in Heft 5, 2015 dieser Zeitschrift, PDF-Datei). Auf die Notwendigkeit der Dosisanpassung von Cefepim (MAXIPIME) bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von weniger als 50 ml/min wird aktuell in einem Rote Hand Brief hingewiesen. Die Vorgaben der Fachinformation zur Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion müssen beachtet werden.2

 

1. Payne LE et al. Cefepime-induced neurotoxicity: a systematic review. Crit Care. 2017;21:276 (FREE FULL TEXT)

 

2. Rote Hand Brief Cefepim (Maxipime®)

 

3. Juni 2018 Rote Hand Brief

Dolutegravir in der Schwangerschaft – vorläufige Daten zeigen Assoziation mit Fehlbildungen

 

Unter 426 Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft mit Dolutegravir behandelt wurden, gab es vier Neugeborene mit einem Neuralrohrdefekt (0,9%). Unter mehr als 11.000 Schwangeren, die andere antiretrovirale Regime erhielten, lag die Häufigkeit bei 0,1%. Dies ist das vorläufige Ergebnis einer Beobachtungsstudie an schwangeren Frauen in Botswana. Eine endgültige Beurteilung der Daten wird erst in ca. einem Jahr erwartet. Tierexperimentelle Studien haben keinen Hinweis auf ein teratogenes Potenzial von Dolutegravir oder anderen Integrase-Inhibitoren gegeben. Die EMA und andere Behörden empfehlen aus Vorsichtsgründen einen Wechsel zu einem anderen Arzneimittel bei Frauen mit Kinderwunsch.

 

Rote Hand Brief Dolutegravir (1. Juni 2018)

 

EMA, Pressemitteilung 18. Mai 2018, New study suggests risk of birth defects in babies born to women on HIV medicine dolutegravir.

 

1. Juni 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 3, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel wird der Stand der Forschung zum Thema „Proteinbindung von Antibiotika“ zusammengefasst.

 

Neueinführungen: Die Kurzbeschreibung einer Zweifach-kombination zur Behandlung der HIV-Infektion ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Präparat JULUCA enthält die bereits länger bekannten Wirkstoffe Dolutegravir und Rilpivirin. Es ist die erste Zweierkombination, die sich im direkten Vergleich mit der Standardtherapie - also Dreierkombinationen - als gleich wirksam erwies.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel Empfindlichkeitstestung von Pilzen.

 

 

Mai 2018

 

19. Mai 2018

Antibiotikum oder Analgetikum bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen?

 

Die Therapie einer unkomplizierten Harnwegsinfektion mit Pivmecillinam (X-SYSTO) war nach drei Tagen bei 73,6% der teilnehmenden Frauen erfolgreich. Das zum Vergleich angewandte Analgetikum Ibuprofen (Generika) beseitigte nur bei 38,7% der Patientinnen die Beschwerden.1 Damit wurden die Ergebnisse einer früheren Doppelblindstudie mit Norfloxacin (Generika) im Vergleich zu Diclofenac (Generika) bestätigt.2 Der Verzicht auf einen antibakteriell wirksamen Arzneistoff war in beiden Studien bei 4% bzw. 5% der Frauen mit einer Pyelonephritis assoziiert. Da bisher eine Voraussage über das individuelle Risiko für diese Komplikation nicht möglich ist, kann die symptomatische Therapie einer unkomplizierten Harnwegsinfektion mit Analgetika nicht empfohlen werden.1

 

1) Vik I et al. Ibuprofen versus pivmecillinam for uncomplicated urinary tract infection in women - a double-blind, randomized non-inferiority trial. PLoS Med. 2018 May 15;15(5):e1002569 FREE FULL TEXT

 

2) Kronenberg A et al. Symptomatic treatment of uncomplicated lower urinary tract infections in the ambulatory setting: randomised, double blind trial. BMJ. 2017 Nov 7;359:j4784 FREE FULL TEXT

 

 

2. Mai 2018

Neues von der EMA:

Biktarvy – ein weiterer Integraseinhibitor in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie

 

Das Kombinationspräparat BIKTARVY wurde am 26. April 2018 vom Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) zur Zulassung empfohlen. Es enthält Emtricitabin (200 mg), Tenofoviralafenamid (25 mg) und den neuen Integraseinhibitor Bictegravir (50 mg). Damit stehen insgesamt neun Kombinationspräparate zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie zur Verfügung. Sie enthalten zwei bzw. drei antiretroviral wirksame Stoffe, in drei Präparaten ist zusätzlich Cobicistat zur Beeinflussung der Pharmakokinetik der Virustatika enthalten (siehe Tabelle).

 

1. Biktarvy (Bictegravir / Emtricitabin / Tenofoviralafenamid), Summary of opinion, 26. April 2018

http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Summary_of_opinion_-_Initial_authorisation/human/004449/WC500248082.pdf

 

ÜBERSICHT: Präparate zur einmal-täglichen antiretroviralen Therapie mit zwei oder drei Wirkstoffen in einer Tablette
In sieben der neun Präparate ist als Basis eine Kombination der Nukleosidderivate Emtricitabin und Tenofovir enthalten.
Tabelle HIV Eintabletten Präparate Mai20[...]
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2. Mai 2018

Harnwegsinfektionen

 

Aktuelle Publikationen lassen eine „alte“ Diskussion neu aufleben: sind für eine erfolgreiche Therapie von Harnwegsinfektionen eher die Urin- oder die Serumkonzentrationen eines Antibiotikums entscheidend? Mit sogenannten „Harnwegstherapeutika“ wie Nitrofurantoin werden hohe Urinkonzentrationen erreicht, die Serumkonzentrationen sind zu niedrig für eine Therapie systemischer Infektionen.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in Heft 3, 2016. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv dieser Zeitschrift verfügbar.

 

April 2018

 

30. April 2018

Fosfomycin oder Nitrofurantoin bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen?

 

Fosfomycin-Trometamol (MONURIL u.a.) und Nitrofurantoin (FURADANTIN u.a.) gehören zu den empfohlenen Therapeutika bei einer unkomplizierten Harnwegsinfektion. In einer prospektiven Studie an insgesamt mehr als 500 Patientinnen war die fünftägige Behandlung mit Nitrofurantoin (3 x tgl. 100 mg) wirksamer als die Einmalbehandlung mit Fosfomycin (1 x 3,0 g). Bei 70% der Patientinnen war die Behandlung mit Nitrofurantoin erfolgreich, mit Fosfomycin lag die Heilungsrate nur bei 58%, eine Beseitigung der Erreger gelang bei 74% bzw. 63%. Beide Substanzen wurden gut vertragen, nur selten kam es zu gastrointestinalen Nebenwirkungen, wie Übelkeit und Diarrhö.

 

1. Huttner A et al. Effect of 5-day nitrofurantoin vs single-dose fosfomycin on clinical resolution of uncomplicated lower urinary tract infection in women. A randomized clinical trial. JAMA 2018 (published online, 22. April 2018)

 

2. Datta R et al. Nitrofurantoin vs fosfomycin. Rendering a verdict in a trial of acute uncomplicated cystitis. JAMA 2018 (published online, 22. April 2018)

 

 

26. April 2018

Bläuliche Verfärbungen der Skleren durch Minocyclin

 

Dunkle Verfärbungen der Haut und anderer Organe sind nach längerfristiger Behandlung mit Minocyclin schon mehrfach berichtet worden.1 Auch in den Fachinformationen für Minocyclin-haltige Präparate wird darauf hingewiesen („Schwärzliche Verfärbung der Nägel nach längerer hochdosierter Therapie“). In mehrerer Hinsicht ungewöhnlich ist jedoch der Fall eines 70-jährigen Patienten über den Augenärzte aus Cleveland (Ohio) berichten.2 Wie die Abbildung im NEJM vom 19. April 2018 zeigt, waren die Skleren in beiden Augen des Patienten bläulich verfärbt. Er hatte für mehr als 15 Jahre (!) täglich 100 mg Minocyclin wegen einer Arthritis erhalten. Das Antibiotikum wurde abgesetzt, trotzdem war die Verfärbung innerhalb eines Jahres nur minimal rückläufig.

 

1. Nenoff P, Müller H, Schulze I, Laumanns A, Handrick W. Diffus grauschwarze Hyperpigmentierung der Gesichtshaut bei einer 59-jährigen Patientin. Hautarzt 2015;66:214-7 (PDF)

 

2. Arshad J, Sayegh R. Scleral Discoloration from Minocycline Treatment. N Engl J Med. 2018;378:1537  (PDF)

 

 

13. April 2018

Drei Deutsche in Brasilien an Gelbfieber erkrankt

 

Bis zum 13. März 2018 wurden in Brasilien innerhalb von etwa acht Monaten mehr als 900 Fälle von Gelbfieber registriert, die meisten in den ersten zwei Monaten dieses Jahres. Ein Drittel der Patienten verstarben.1 Seit fast 20 Jahren waren erstmals auch drei deutsche Staatsbürger unter den Erkrankten. Zwei Reisende hatten sich auf der bei Touristen beliebten Insel Ilha Grande infiziert. Sie waren nicht geimpft.2 Da eine spezifische Therapie der Infektion nicht verfügbar ist, sollten die bereits seit 2017 durch das Auswärtige Amt intensivierten Gelbfieber-Impfhinweise unbedingt beachtet werden.

 

1. Gossner CM et al. Increased risk of yellow fever infections among unvaccinated European travellers due to ongoing outbreak in Brazil, July 2017 to March 2018. Euro Surveill. 2018 Mar;23(11):1-6. FREE FULL TEXT

 

2. Boecken G. Drei Deutsche nach Aufenthalt in Brasilien an Gelbfieber erkrankt. Epid Bull 2018; 15:147 FREE FULL TEXT

 

3. April 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 2, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel wird der aktuelle Stand der Empfehlungen zur Therapie der nosokomialen Pneumonie zusammengefasst. Die Diagnosestellung sollte die umfangreichen, nicht infektiösen Differentialdiagnosen berücksichtigen, um unnötige Antibiotika zu vermeiden. Die Auswahl der Antibiotika sollte sich an individuellen Risikofaktoren, Schwere der Infektion und der lokalen Erregerepidemiologie und Resistenzsituation orientieren. Eine Reevaluation nach zwei bis drei Tagen wird nachdrücklich empfohlen, um den Therapieverlauf zu beurteilen und eine mögliche Deeskalation einzuleiten.

 

Neueinführungen: Die Kurzbeschreibung einer Dreifach-kombination zur Behandlung der chronischen Hepatitis C ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Präparat VOSEVI enthält die bereits länger bekannten Wirkstoffe Sofosbuvir und Velpatasvir, die mit dem neuen Proteasehemmer Voxilaprevir kombiniert werden.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel Bakterientypisierung – mehr Fragen als Antworten.

 

 

März 2018

 

31. März 2018

Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift für Infektionstherapie wünschen allen Lesern Frohe Osterfeiertage!

 

 

29. März 2018

Neues von der EMA:

Juluca – zwei Wirkstoffe können ausreichend sein zur HIV-Therapie

 

Die Standardtherapie der antiretroviralen Therapie besteht aus der Verabreichung von drei Wirkstoffen. Mit einer Kombination des Integraseinhibitors Dolutegravir und Rilpivirin, einem Hemmstoff der reversen Transkriptase, ist auch eine Zweifachtherapie möglich.

 

Das Kombinationspräparat JULUCA wurde am 22. März 2018 vom Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) zur Zulassung empfohlen. Die Zweierkombination ist geeignet zur Behandlung der HIV-1-Infektion bei Erwachsenen, die seit mindestens sechs Monaten stabil virologisch supprimiert sind. Das Arzneimittel wurde bereits im November 2017 von der US-amerikanischen FDA zugelassen.

 

EMA, Juluca (Dolutegravir / Rilpivirin), Summary of opinion (initial authorisation), 22 March 2018

 

 

19. März 2018

Proteinbindung von Antibiotika

 

Bereits vor 75 Jahren wurde über die Auswirkungen der Proteinbindung auf die antibakterielle Aktivität der Antibiotika berichtet. Seit langem steht fest, dass nur der freie, nicht gebundene Anteil antibakteriell wirksam ist. Der Einfluss der Proteinbindung ist jedoch komplex und wird durch die Angabe des Prozentwertes der Bindung allein nicht ausreichend beschrieben. Unabhängig von der Bindung können körpereigene Proteine und Antibiotika synergistische Wirkungen entfalten. So machen Immunglobulin G und Albumin die bakteriellen Hüllen durchlässiger und erleichtern die Aufnahme einiger Antibiotika. Die Methoden, mit denen solche Phänomene untersucht werden, müssen jedoch noch weiter standardisiert werden, da sonst eventuell widersprüchliche Daten generiert werden und in vitro Effekte beobachtet werden, die für den lebenden Organismus nicht relevant sind.

 

Dalhoff A. Seventy-Five Years of Research on Protein Binding. Antimicrob Agents Chemother. 2018 Jan 25;62(2). pii: e01663-17. Review

 

 

13. März 2018

Leserbrief von Professor Naber, Straubing

 

Zu unserem Artikel Nitroxolin – eine alte Substanz, neu empfohlen (Heft 1, 2018) erreichte uns ein Leserbrief von Herrn Professor Naber, Straubing, den wir hier gekürzt veröffentlichen (den vollständigen Leserbrief mit vier Literaturzitaten finden Sie hier).

 

Herr Professor Naber bemängelt die unvollständige Darstellung einer Publikation zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Nitroxolin (Naber KG et al. BMC Infect Dis. 2014 Nov 27;14:628) und weist auf folgendes hin:

 

„Es wurde zurecht festgestellt, dass in (dem ersten Teil) der Publikation, der eine Übersicht der bis damals publizierten Daten enthält, insgesamt 26 unkontrollierte, zwei kontrollierte und eine Postmarketinganalyse zusammengefasst wurden. Mit keinem Wort wird aber auf den zweiten Teil der Publikation eingegangen, der sich mit der Metaanalyse der individuellen Patientendaten (IPD) von insgesamt bis dato noch nicht veröffentlichten Daten von vier prospektiv, randomisierten, Patienten-verblindeten Studien mit insgesamt 466 Patienten befasst. Das Ziel dieser vier Studien war der Therapievergleich von Nitroxolin mit Cotrimoxazol (drei Studien) bzw. Norfloxacin (eine Studie) bei Patientinnen mit unkomplizierter Zystitis. Diese vier Studien wurden nach den in den 90er Jahren geltenden Richtlinien durchgeführt. Das damals akzeptierte primäre Zielkriterium war die Beseitigung der Erreger, damals allgemein definiert als Reduktion einer Bakteriurie <104 KBE/ml. Als Vergleichsantibiotika wurden Cotrimoxazol und Norfloxacin gewählt, die damals allgemein als Antibiotika der ersten Wahl anerkannt waren. Die Qualität der vier Studien erreichten nach dem Jaded Score eine gute Qualität (4 von maximal 5 Punkten). Das Ergebnis der IPD Metaanalyse ergab eine Nichtunterlegenheit von Nitroxolin gegenüber den Vergleichsantibiotika (Differenz <10%; 95% Konfidenz-intervall). Aus diesem Grunde wurde in der aktualisierten AWMF-S3-Leitlinie, die in dem Artikel ebenfalls zitiert wurde, Nitroxolin mit einem Empfehlungsgrad A für die Therapie der unkomplizierten Zystitis empfohlen. Dies erfolgte vor allem aufgrund dieser IPD Metaanalyse, dessen Evidenzgrad nach einem Klassifikationsschema in Anlehnung an das Oxford Centre of Evidence Based Medicine (1999) mit Ia [Systematische Übersichtsarbeit (mit hohem Homogenitätsgrad) mit randomisierten klinischen Studien] bewertet wurde.

 

Zusammenfassend kann klar festgestellt werden, dass die in der aktualisierten AWMF S3-Leitlinie „Harnwegsinfektionen“ ausgesprochene Empfehlung für Nitroxolin als ein Antibiotikum der ersten Wahl zur Behandlung der akuten unkomplizierten Zystitis wohl begründet ist. Für darüberhinausgehende Indikationen sind in der Tat prospektive Vergleichsuntersuchungen wünschenswert.“

 

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Kurt G. Naber, Straubing

 

5. März 2018

Antimykotika zur systemischen Therapie

 

Die Sterblichkeit bei systemischen Pilzinfektionen ist nach wie vor hoch. Während jahrzehntelang nur das schlecht verträgliche Amphotericin B (AMPHOTERICIN B INFUSION u.a.) zur Verfügung stand, sind heute insgesamt fünf Azole und drei Echinocandine im Handel, die bei Candidosen bzw. Aspergillosen als Alternativen in Frage kommen.

 

Dabei müssen Unterschiede im Spektrum, bei den pharmakokinetischen Eigenschaften und hinsichtlich der Indikationen beachtet werden.

 

Alle sind bei Candidosen anwendbar. Unter den Azolen sind Itraconazol (SEMPERA u.a.), Voriconazol (VFEND), Posaconazol (NOXAFIL) und Isavuconazol (CRESEMBA) auch bei Aspergillosen einsetzbar, bei den Echinocandinen ist nur Caspofungin (CANCIDAS) zur Therapie von Aspergillus-Infektionen zugelassen.

 

Die Bedeutung des Flucytosins (ANCOTIL) ist gering, es ist nur in Kombination mit Amphotericin B bei Kryptokokken-meningoenzephalitis indiziert.

 

Den Übersichtsartikel zu diesem Thema lesen Sie im Heft 2, 2016 dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt frei im Archiv verfügbar.

 

 

2. März 2018

Neues von der EMA:

Peramivir zur intravenösen Therapie der Influenza

 

Die Zulassung eines neuen Arzneimittels zur Behandlung der unkomplizierten Influenza wird vom zuständigen Komitee CHMP der EMA empfohlen. Mit der Zulassung wird in ca. zwei Monaten gerechnet.1

Peramivir (ALPIVAP) ist ein Neuraminidase-Inhibitor mit einer ähnlichen antiviralen Aktivität wie Zanamivir oder Oseltamivir. Der neue Wirkstoff bindet fest an das Enzym, die Ablösung erfolgt deutlich langsamer als bei den anderen Substanzen dieser Gruppe. Wegen der sehr geringen Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe muss es intravenös verabreicht werden.2

 

1. EMA/CHMP/97060/2018, Summary of Opinion Peramivir (ALPIVAP) www.ema.europa.eu

 

2. Alame MM et al. Peramivir: A Novel Intravenous Neuraminidase Inhibitor for Treatment of Acute Influenza Infections. Front Microbiol. 2016;7:450, 1-14 FREE FULL TEXT

 

 

Febuar 2018

 

25. Februar

Falsche Schlussfolgerungen im Cochrane Review zu den Hepatitis C-Therapeutika

 

Ein methodisch problematischer Cochrane Review stellt den Nutzen der direkt wirksamen antiviralen Stoffe zur Behandlung der chronischen Hepatitis C in Frage.1 Im Kern geht es um die Akzeptanz des Surrogatmarkers SVR (sustained virological response). Die Veröffentlichung hat massive Kritik von kompetenten Infektiologen und Gastroenterologen ausgelöst.2,3 Die Wissenschaftler aus Dänemark publizierten inzwischen eine modifizierte Übersichtsarbeit, die aber weiterhin im Ansatz fragwürdig erscheint. Eine Behandlung von Hepatitis C-Patienten mit den heute verfügbaren sehr wirksamen und gut verträglichen Kombinationspräparaten sollte nicht in Frage gestellt werden.

 

1: Jakobsen JC et al. Direct-acting antivirals for chronic hepatitis C. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Jun 6;6:CD012143. Review.

Update in: Cochrane Database Syst Rev.2017 Sep 18;9:CD012143

 

2: Kwo PY, Shiffman ML, Bernstein DE. The Cochrane Review Conclusion for Hepatitis C DAA Therapies is Wrong. Am J Gastroenterol. 2018 Jan;113(1):2-4.

 

3: Powderly WG, Naggie S, Kim AY, Vargas HE, Chung RT, Lok AS. IDSA/AASLD Response to Cochrane Review on Direct-Acting Antivirals for Hepatitis C. Clin Infect Dis. 2017 Nov 13;65(11):1773-1775

 

 

Januar 2018

 

31. Januar 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 1, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel wird die Frage gestellt:

Neue Antibiotika – wo geht die Reise hin?

 

Die Neuentwicklungen bei ß-Laktamaseinhibitoren werden beschrieben; außerdem steht der aktuelle Entwicklungsstand bei Pleuromutilinen und FabI-Inhibitoren im Fokus. Schließlich werden die neuartigen Mechanismen beschrieben, mit denen die Siderophor-Cephalosporine die Hürde der äußeren Zellmembran bei gramnegativen Erreger überwinden.

 

Die Kurzbeschreibung von Nitroxolin® - eine alte Substanz, neu empfohlen - ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel Empfindlichkeitstestung – Kategorie „intermediär“.

 

 

25. Januar 2018

Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt bei Influenza

 

Infektionen fördern thrombogene Ereignisse durch Aktivierung von Thrombozyten und Störung der Endothelfunktion. In einer aktuellen Studie konnten Wissenschaftler aus Kanada zeigen, dass eine Influenza das Risiko für einen Herzinfarkt etwa sechsfach erhöht. Durch eine Grippeimpfung könnten solche kardiovaskulären Erkrankungen und Todesfälle verhindert werden.
 

Kwong JC et al. Acute Myocardial Infarction after Laboratory-Confirmed Influenza Infection. N Engl J Med. 2018 Jan 25;378(4):345-353 PubMed abstract

 

24. Januar 2018

Therapie mit Bakteriophagen –

Zukunft bei Polyresistenz?

 

Bakteriophagen sind bakterienpathogene Viren, die aus Nukleinsäure und einer Proteinhülle bestehen. Als „etwas, das Bakterien zerstört“ wurden sie bereits 1915 beschrieben. Die Phagentherapie als eine bakterienabtötende Intervention ist heute, angesichts der zunehmenden Resistenz der bakteriellen Erreger, sicherlich ein interessanter therapeutischer Ansatz. Sie ist allerdings immens aufwendig und viele wissenschaftliche Fragen und praktische Anwendungsprobleme sind noch zu lösen.1,2 Über eine erfolgreiche Phagentherapie bei einem Patienten mit einer Pankreatitis durch Acinetobacter baumannii berichteten vor einigen Monaten Ärzte aus San Diego, USA.3 Die Phagentherapie wurde über acht Wochen durchgeführt, schließlich konnte der Patient am Tag 245 seines Krankenhausaufenthalts nach Hause entlassen werden.

 

1. Forde A, Hill C. Phages of life - the path to pharma. Br J Pharmacol. 2018;175:412-418. PubMed abstract

 

2. Watts G. Phage therapy: revival of the bygone antimicrobial. Lancet 2017 Dec 9;390:2539-2540. Epub 2017 Dec 8. PubMed

 

3. Schooley RT et al. Development and Use of Personalized Bacteriophage-Based Therapeutic Cocktails To Treat a Patient with a Disseminated Resistant Acinetobacter baumannii Infection. Antimicrob Agents Chemother. 2017 Sep 22;61(10). pii: e00954-17  FREE FULL TEXT

 

19. Januar 2018

Rippenbruch bei Keuchhusten

 

Mehr als zwei Drittel der Pertussisfälle treten bei Erwachsenen auf. Im Jahr 2017 wurden dem RKI mehr als 16.000 Erkrankungen gemeldet. Zu den möglichen Komplikationen bei einem Keuchhusten gehören Rippenfrakturen. Das Bild einer 66-jährigen Patientin mit Rippenfraktur und einer ausgedehnten subkutanen Blutung wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Im Nasopharyngealabstrich konnte Bordetella pertussis nachgewiesen werden.

 

Zambrano JA, Herman TN Rib fracture associated with Bordetella pertussis infection. N Engl J Med 2018; 378:e4 (PDF)

 

12. Januar 2018

Nitroxolin: bei geriatrischen Patienten nicht wirksam!

 

Die Anwendung von Nitroxolin ist laut Fachinformation nicht auf unkomplizierte Harnwegsinfektionen bei Frauen beschränkt. Eine aktuelle klinische Studie aus Jena zeigte jedoch keine überzeugende Wirksamkeit bei insgesamt 30 weiblichen und männlichen geriatrischen Patienten mit Harnwegsinfektionen. Die meisten waren aufgrund diverser Faktoren als „komplizierte Harnwegsinfektionen“ anzusehen. Die Therapie wurde bei zwei Patienten vorzeitig beendet wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen. Bei drei Patienten wurde eine deutliche Abnahme der Empfindlichkeit der Erreger während der Behandlung registriert: die MHK-Werte nahmen um mindestens das Vierfache zu. Da ein mikrobiologisch abgesicherter Therapieerfolg nur bei einem Patienten erreicht werden konnte, wurde die Studie vorzeitig beendet. Zur Behandlung von Harnwegsinfektionen bei hospitalisierten, geriatrischen Patienten wird Nitroxolin daher nicht empfohlen.

 

Forstner C et al. Nitroxoline in geriatric patients with lower urinary tract infection fails to achieve microbiologic eradication: a noncomparative, prospective observational study. Clin Microbiol Infect. 2017 Nov 10. pii: S1198-743X(17)30637-7 [Epub ahead of print]

 

 

8. Januar 2018

Ceftazidim-Avibactam versus Meropenem zur Therapie nosokomialer Pneumonien

 

Die nosokomiale Pneumonie ist eine der häufigsten im Krankenhaus erworbenen Infektionen. In einer aktuell publizierten Doppelblindstudie wurde die Kombination aus Ceftazidim und Avibactam (ZAVICEFTA) mit Meropenem (MERONEM u.a.) bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie verglichen. Das Pseudomonas-wirksame Cephalosporin plus ß-Laktamase-Inhibitor war dem Carbapenem nicht unterlegen und stellt damit eine Alternative bei dieser Indikation dar. Allerdings sollte die etwas höhere Rate von schweren Nebenwirkungen beachtet und in weiteren Studien überprüft werden.

 

Torres A et al. Ceftazidime-avibactam versus meropenem in nosocomial pneumonia, including ventilator-associated pneumonia (REPROVE): a randomised, double-blind, phase 3 non-inferiority trial. Lancet Infect Dis. 2017 Dec 15. [Epub ahead of print]  PubMed Abstract

 

 

3. Januar 2018

Höhen und Tiefen in der Infektiologie der letzten 25 Jahre

Die Infektiologie ist mit ihren zahlreichen Aspekten ein enorm vielfältiger und herausfordernder Teil der Medizin im 21. Jahrhundert. Infektionen stellen unverändert eine große Herausforderung weltweit für die Gesundheitssysteme dar. Die Verbesserung der diagnostischen Methoden zum schnellen Nachweis der Erreger beim Patienten, das bessere Verständnis des Mikrobioms des Menschen und die Entwicklung neuer wirksamer Arzneistoffe gegen Infektionen durch polyresistente gramnegative Erreger sind die dringendsten Aufgaben der infektiologischen Forschung.

 

Den Übersichtsartikel zu diesem Thema lesen Sie im Heft 1, 2016 dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt frei im Archiv verfügbar.

 

2. Januar 2018

Wir wünschen den Lesern und Abonnenten der Zeitschrift für Infektionstherapie ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Neues Jahr 2018!

Wir werden Sie auch im kommenden Jahr aktuell und kontinuierlich über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie informieren.

Ihre Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift

 

Dezember 2017

 

22. Dezember 2017

Wir wünschen unseren Lesern und Abonnenten der Zeitschrift für Infektionstherapie frohe und erholsame Weihnachtstage!

Ihre Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift

1. Dezember 2017

Dolutegravir – ist eine Monotherapie mit dem Integraseinhibitor möglich?

 

Die Standardtherapie der HIV-Infektion besteht aus der kontinuierlichen Verabreichung von drei Wirkstoffen. Durch die Kombination lässt sich eine rasche Resistenzentwicklung der Viren verhindern. Der Integraseinhibitor Dolutegravir besitzt eine relativ hohe genetische Barriere – d. h. die Resistenzentwicklung erfolgt langsamer als nach anderen Virustatika (vgl. Heft 4, 2014). In den Niederlanden wurden daher Patienten von einer Standardtherapie auf eine Monotherapie mit 50 mg Dolutegravir täglich umgestellt. Etwa ein halbes Jahr lang war diese Behandlung der Kombinationstherapie nicht unterlegen, dann wurde jedoch bei 8% der Patienten ein virologisches Versagen festgestellt, bei drei Patienten konnten Viren mit einer Mutation im Gen der Integrase nachgewiesen werden. Die DOMONO-Studie wurde daher vorzeitig abgebrochen. Dolutegravir ist demnach – ebenso wie andere antiretrovirale Wirkstoffe - nicht zur Monotherapie einer HIV-Infektion geeignet.

 

Wijting I et al. Dolutegravir as maintenance monotherapy for HIV (DOMONO): a phase 2, randomized non-inferiority trial. Lancet HIV. 2017 Oct 26. pii: S2352-3018(17)30152-2. [Epub ahead of print] Abstract PubMed

 

 

 

November 2017

 

24. November 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 6, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel werden die aktuellen Studien zur Bedeutung der inhalativen Therapie mit Antibiotika bei Infektionen der tiefen Atemwege zusammengefasst und bewertet. Welchen Stellenwert hat die inhalative Verabreichung bei Patienten mit einer Beatmungspneumonie durch gramnegative Erreger? Ist diese Form der Therapie sinnvoll bei Patienten mit Bronchiektasen, die nicht an einer zystischen Fibrose erkrankt sind? Antworten auf diese Fragen gibt die Übersicht.

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates Maviret® in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. Maviret® ist ein weiteres Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C. Durch Kombination der Wirkstoffe Glecaprevir und Pibrentasvir wird ein virologisches Ansprechen (SVR12) bei Infektionen mit allen Genotypen erreicht. Auch bei fortgeschrittener Nierenfunktionsstörung kann das Präparat verordnet werden.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Genotypisierung von Bakterien“.

 

4. November 2017

HIV-Infektion manifestiert sich als proximale Onycho-mykose

 

Die weißliche Verfärbung am Nagel des großen Zehs war innerhalb eines Monats rasch von proximal nach distal fortgeschritten (Abbildung). Der 48-jährige Patient stellte sich daher in einer dermatologischen Klinik in Malaga, Spanien, vor. Mikroskopisch ließ sich die Diagnose einer Onychomykose durch Trichophyton rubrum stellen. Da sich solche Veränderungen typischerweise zunächst im distalen Bereich manifestieren, bestand der Verdacht auf eine Immunsuppression. Eine HIV-Infektion konnte nachgewiesen werden, eine antiretrovirale und antimykotische Therapie wurde eingeleitet und zeigte gute Wirksamkeit.

 

Gómez-Moyano E, Crespo-Erchiga V. HIV Infection Manifesting as Proximal White Onychomycosis. N Engl J Med. 2017 Nov 2;377(18):e26

 

1. November 2017

Renaissance alter Antibiotika

 

Die zunehmende Resistenzentwicklung, insbesondere von gramnegativen Enterobakterien, macht es notwendig, auch ältere, primär schlecht untersuchte Antibiotika mit Aktivität gegen ESBL- und Carbapenemase-bildende Erreger erneut zu verwenden.

Gefordert wird hierfür eine exakte Bestimmung von präklinischen und klinischen Daten dieser Substanzen, die den heutigen Standards bei der Einführung neuer Antibiotika entspricht. Dieses kann nur mit öffentlich geförderten wissenschaftlichen Projekten erfolgen, da die pharmazeutischen Hersteller für diese alten Substanzen als Sponsoren nicht in Betracht kommen.

Am Beispiel des schon 1953 eingeführten Nitrofurantoins wird dargestellt, welche präklinischen und klinischen Daten nur unzureichend bekannt sind und deshalb in einem wissenschaftlichen Projekt zur Zeit erarbeitet werden.

 

Den Übersichtsartikel zu diesem Thema lesen Sie im Heft 6, 2015 dieser Zeitschrift.

Die PDF-Datei ist jetzt frei im Archiv verfügbar.

 

Oktober 2017

 

24. Oktober 2017

Neue Daten zur bakteriziden Wirkung von Fosfomycin

 

Fosfomycin (INFECTOFOS u.a.) wird seit einigen Jahren vermehrt zur intravenösen Therapie von Infektionen mit resistenten Erregern eingesetzt. Neuere detaillierte Untersuchungen zur Pharmakodynamik des Antibiotikums zeigen kein einheitliches Bild. Bei einigen Stämmen entspricht die Kinetik der Bakterizidie eher einem zeitabhängigen und bei anderen eher einem konzentrationsabhängigen Verhalten. Der pharmakologische Index AUC / MHK beschreibt wohl am ehesten die Situation. Insbesondere bei einer Monotherapie mit dem Antibiotikum muss mit rascher Resistenzentwicklung gerechnet werden. Zumindest im Experiment lassen sich innerhalb weniger Stunden resistente Subpopulationen aus primär empfindlichen Stämmen generieren.

 

Fransen F, Hermans K, Melchers MJB, Lagarde CCM, Meletiadis J, Mouton JW. Pharmacodynamics of fosfomycin against ESBL- and/or carbapenemase-producing Enterobacteriaceae. J Antimicrob Chemother. 2017 Oct 4. [Epub ahead of print]

 

21. Oktober 2017

Antibiotika bei stationär behandelten Patienten:
häufig nicht indiziert und mit Nebenwirkungen assoziiert

 

Unerwünschte Wirkungen einer stationären Antibiotika-therapie sind häufig. In einer Studie aus dem Johns Hopkins Hospital in Baltimore, USA, wurde bei 20% der Behandelten eine potenzielle Nebenwirkung festgestellt. Ein großer Teil der Therapien war offenbar nicht indiziert. Nicht nur unter dem Aspekt der Resistenzvermeidung, sondern auch mit Blick auf die potenziellen Nebenwirkungen der Antibiotika, sollte eine Therapie mit diesen Arzneimitteln nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und bei eindeutiger Indikationsstellung erfolgen.

 

Tamma PD et al. Association of Adverse Events With Antibiotic Use in Hospitalized Patients. JAMA Intern Med. 2017;177(9):1308-1315 [PubMed abstract]

 

 

2. Oktober 2017

Influenza-Vakzination 2017/2018

 

Die Wirksamkeit der Influenza-Vakzination ist umstritten; insbesondere werden die Fragen diskutiert, (1) wie weit ein Lebendimpfstoff die gleiche Wirksamkeit aufweist wie die inaktivierte Influenza-Vakzine und (2) ob eine regelmäßige Vakzination sinnvoll ist. Auf diese Fragen gibt es fundierte Antworten:

 

(1) In den USA konnte mit dem inaktivierten Influenza-Impfstoff eine mindestens 50-prozentige Effektivität festgestellt werden. Hierbei erwies sich der inaktivierte Vierfachimpfstoff als signifikant wirksamer als die trivalente Vakzine. Der intranasal anwendbare Lebendimpfstoff wurde bei Personen zwischen zwei und 49 Jahren angewandt - er erwies sich erneut als unwirksam.1

 

(2) Daten aus einer aktuellen Studie zeigen eine signifikant höhere Effektivität bei kontinuierlich geimpften Patienten. Es gab keine Hinweise darauf, dass kontinuierliche jährliche Influenza-Impfungen den Effekt der Vakzination vermindern könnten.2

 

FAZIT: Möglichst viele Menschen sollten im November 2017 mit den verfügbaren inaktivierten Influenza-Impfstoffen geimpft werden.

 

1. Jackson ML et al. Influenza Vaccine Effectiveness in the United States during the 2015-2016 Season. N Engl J Med. 2017;377:534-543

 

2. Cheng AC et al. Repeated Vaccination Does Not Appear to Impact Upon Influenza Vaccine Effectiveness Against Hospitalization With Confirmed Influenza. Clin Infect Dis. 2017;64:1564-1572

 

Ausführliche Beiträge zur Influenza-Vakzination lesen Sie im aktuellen Heft 5 der Zeitschrift für Infektionstherapie (PDF-Datei mit Passwort, für Abonnenten).

 

Bereits im Heft 5, 2005, hatten wir in einem Übersichtsartikel Nutzen und Risiken der Influenza-Vakzination ausführlich beschrieben (PDF-Datei frei verfügbar).

 

 

September 2017

 

28. September 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 5, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt aktuelle Aspekte der Tuberkulosetherapie unter Berücksichtigung der neuen S2k-Leitlinie.

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates Symtuza® in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. Symtuza® ist das erste Eintablettenpräparat zur antiretroviralen Therapie, in dem ein Proteaseinhibitor mit anderen Wirkstoffen kombiniert wird. Neben Darunavir enthalten die Tabletten Emtricitabin und Tenofovir sowie Cobicistat. (vgl. Meldung vom 27. Juli 2017)

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Phänotypisierung von Bakterien“.

 

18. September

Hypervirulente, multiresistente, leicht übertragbare Klebsiellen

 

Klebsiella pneumoniae gehört zu den Enterobacteriaceae. Der Erreger kann Harnwegsinfektionen, Pneumonien und andere Infektionen verursachen. Multiresistente, Carbapenemase-bildende Stämme stellen eine zunehmende Bedrohung dar. Neben diesen resistenten Klebsiellen sind hypervirulente CG23-Stämme bekannt, die als Verursacher von Leberabszessen in Erscheinung treten. Vor diesem Hintergrund findet eine aktuelle Publikation aus Hangzhou, China, große Beachtung. Hier wird über bisher nicht bekannte Stämme von K. pneumoniae berichtet, die gleichzeitig hypervirulent, multiresistent und leicht übertragbar sind. Sie sind durch Transfer der Resistenzplasmide in hypervirulente Stämme entstanden. Auf einer Intensivstation des Universitätsklinikums der ostchinesischen Stadt verstarben fünf Patienten an Pneumonien, die durch diese Erreger ausgelöst wurden. Ähnliche Berichte hatte es bereits zuvor aus China gegeben. Es bleibt nur die Hoffnung, dass eine globale Verbreitung dieser gefährlichen Stämme verhindert werden kann.

 

Gu D et al. A fatal outbreak of ST11 carbapenem-resistant hypervirulent Klebsiella pneumoniae in a Chinese hospital: a molecular epidemiological study.

Lancet Inf Dis (published online, August 29, 2017)

 

Chen L, Kreiswirth BN. Convergence of carbapenem-resistance and hypervirulence in Klebsiella pneumoniae.

Lancet Inf Dis (published online, August 29, 2017)

 

 

8. September 2017

VabomereTM – eine neue Kombination aus Meropenem plus ß-Laktamaseinhibitor

 

Zunehmend häufig werden weltweit resistente Bakterien isoliert, die Carbapeneme durch ß-Laktamasen inaktivieren können (siehe Beitrag Carbapenemresistenz, Heft 2, 2015). Innovative Therapeutika sind daher dringend notwendig.

In den USA wurde Ende August eine Kombination aus Meropenem plus Vaborbactam (Handelsname VabomereTM) zur Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen, inklusive Pyelonephritis, zugelassen. Es soll angewandt werden, wenn die Infektion durch Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae oder Enterobacter cloacae verursacht wird.1

Während Meropenem bereits seit mehr als 20 Jahren verwendet wird, wurde der ß-Laktamaseinhibitor neu entwickelt. Er besitzt keine ß-Laktamstruktur, sondern es handelt sich um ein Boronsäurederivat - eine zyklische bororganische Verbindung.

Die Hemmung von ß-Laktamasen durch Borverbindungen wurde bereits in den 1970er Jahren beschrieben.2 Vaborbactam ist das Resultat einer gezielten Suche nach Hemmstoffen der KPC-Enzyme (KPC = Klebsiella pneumoniae Carbapenemasen). Daten zur In-vitro-Aktivität von Vaborbactam wurden aktuell publiziert3..

 

1. FDA News Release, FDA approves new antibacterial drug.

 

2. Kiener PA, Waley SG. Reversible inhibitors of penicillinases. Biochem J. 1978;169:197-204 (FREE FULL TEXT)

 

3. Lomovskaya O et al. Vaborbactam: Spectrum of Beta-Lactamase Inhibition and Impact of Resistance Mechanisms on Activity in Enterobacteriaceae. Antimicrob Agents Chemother. 2017 Aug 28. [Epub ahead of print] (FREE FULL TEXT)

 

1. September 2017

Neurotoxizität von Antibiotika

 

Fast alle zur antiinfektiven Therapie angewandten Arzneimittel können neurotoxische Wirkungen haben, die sich am peripheren und / oder am zentralen Nervensystem, bzw. an den Sinnesorganen manifestieren. Dies gilt für die ältesten Antibiotika, die Penicilline, ebenso, wie für neue vollsynthetische Wirkstoffe.

Die Kenntnis dieser neurotoxischen Unverträglichkeits-reaktionen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive und sichere Therapie. Bei Beachtung bekannter Risikofaktoren und Aufklärung des Patienten ist es möglich, Häufigkeit und Ausmaß dieser teils irreversiblen, bedeutsamen Nebenwirkungen einer antiinfektiven Therapie zu vermeiden.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Heft 5, 2015, dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv verfügbar.

 

August 2017

 

30. August 2017

Knoblauch verursacht subtherapeutische Darunavir-Konzentrationen

 

Darunavir (PREZISTA u. a.) ist ein häufig verordneter Proteaseinhibitor zur Therapie der HIV-Infektion. Aus Marseille, Frankreich, wird über zwei Patienten berichtet, bei denen offenbar der recht hohe Gehalt von Knoblauch in ihrer Nahrung zu subtherapeutischen Spiegeln von Darunavir führte. Bei einem 27-jährigen Patienten, der etwa 15 Knoblauchzehen pro Woche verzehrte, wurden niedrige Wirkstoffspiegel und eine erhöhte Viruslast gemessen. Die Werte besserten sich nach „Absetzen“ des Knoblauchs.1 In einer früheren Arbeit aus der Schweiz wurde schon auf die Reduktion der Spiegel von Saquinavir (INVIRASE) durch Knoblauchextrakt hingewiesen. Die Interaktion wird offenbar durch eine Induktion von P-Glycoprotein in der Duodenalschleimhaut verursacht.2

 

1. Cloarec N et al. Sub-therapeutic darunavir concentration and garlic consumption; a «Mediterranean» drug-food interaction, about 2 cases. Eur J Clin Pharmacol. 2017 Jul 11. doi: 10.1007/s00228-017-2300-9. [Epub ahead of print]

 

2. Hajda J et al. Garlic extract induces intestinal P-glycoprotein, but exhibits no effect on intestinal and hepatic CYP3A4 in humans. Eur J Pharm Sci. 2010;41:729-35.

doi: 10.1016/j.ejps.2010.09.016

 

 

Juli 2017

 

27. Juli 2017

Neues von der EMA:

Proteaseinhibitor Darunavir in fixer Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen

 

Derzeit sind sechs verschiedene Kombinationspräparate zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie mit einer Tablette im Handel. Es handelt sich um Kombinationen aus zwei nukleosidischen  Hemmstoffen der reversen Transkriptase mit einem nicht-nukleosidischen Hemmstoff des Enzyms oder einem Integraseinhibitor.

Erstmals wurde jetzt eine Eintabletten-Kombination mit einem Proteaseinhibitor vom CHMP zur Zulassung empfohlen. In dem Präparat Symtuza® wird Darunavir mit Emtricitabin und Tenofovir-Alafenamid kombiniert. Der Zusatz von Cobicistat erhöht die systemische Exposition mit Darunavir (Tabelle).

 

EMA, Summary of opinion SYMTUZA

 

24. Juli 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 4, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt die „Prävention von chirurgischen Wundinfektionen“.

 

Die Kurzbeschreibung des Enzyminhibitors Cobicistat ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Ritonavir-Derivat ohne eigene antivirale Aktivität wird zunehmend als „booster“ zur „pharmakokinetischen Verstärkung“ in Kombination mit verschiedenen Virustatika angewandt.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen weiteren Beitrag zum Thema Blutkulturen (IV).

 

1. Juli 2017

Antibiotikatherapie bei geriatrischen Patienten

(Heft 4, 2015)

 

Die physiologischen Veränderungen des menschlichen Körpers im Alter disponieren zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Infektionen beim alten Menschen manifestieren sich häufig atypisch. Vermehrt werden Verwirrtheit und Störungen der Bewusstseinslage als erste Infektionssymptome beobachtet. Die Dosierung von Antibiotika beim alten Menschen sollte die veränderten exkretorischen und metabolischen Funktionen berücksichtigen, die erhebliche Einflüsse auf die Pharmakokinetik sowie Dosierung von Antibiotika und auch auf mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten haben.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Heft 4, 2015 dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv verfügbar.

 

 

 

INFEKTIO AKTUELL - frühere Beiträge

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Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie

Die Zeitschrift für Infektionstherapie (bis 2015: "Zeitschrift für Chemo-therapie") erscheint im Jahr 2019 im 40. Jahrgang. Herausgeber und Redaktion sind bemüht, Sie kontinu-ierlich und aktuell über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie zu informieren.

Die vollständigen, aktuellen Ausgaben der Zeitschrift sind nur im Abonnement erhältlich.

 

Nach 24 Monaten stehen die Hefte als PDF-Dateien  frei zur Verfügung (Frühere Ausgaben und Register).

Letzte Aktualisierung dieser Seiten:

6. Dezember 2019

 

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