Willkommen bei der Zeitschrift für Infektionstherapie!

 

 

INFEKTIO aktuell

Aktuelle Informationen zur Infektionstherapie

 

 

Juli 2018

 

4. Juli 2018

Therapie mit Vancomycin

 

Vancomycin (VANCOMYCIN CP u. a.) ist ein bewährtes Antibiotikum zur Therapie von Infektionen durch grampositive Erreger, insbesondere durch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Wegen des nephrotoxischen Potenzials dieses Antibiotikums sollte die Dosierung unter Berücksichtigung der pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Eigenschaften optimiert werden. Die kontinuierliche Infusionstherapie mit Talspiegeln zwischen 15 bis 20 mg/l hat sich bewährt. Bei septischen lebensbedrohlichen Infektionen wird empfohlen, eine hochdosierte Anfangsdosis zu verabreichen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in Heft 4, 2016 (Archiv). Die PDF-Datei ist jetzt im Archiv dieser Zeitschrift frei verfügbar.

 

Álvarez R et al. Optimizing the Clinical Use of Vancomycin. Antimicrob Agents Chemother. 2016;60:2601-9

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2. Juli 2018

Globaler Antibiotikaverbrauch:

deutlicher Anstieg in den vegangenen Jahren!

 

In einer aktuell publizierten Studie der WHO wird der Antibiotikaverbrauch in 76 Ländern in den Jahren 2000 bis 2015 analysiert. In diesem Zeitraum nahm der Verbrauch um zwei Drittel zu. Während es in den Ländern mit hohem Einkommensniveau eher zu einem geringen Rückgang des Verbrauchs kam, stieg er in den Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommensniveau um mehr als 100 % an. Damit besteht eine zunehmende Gefahr der Resistenzentwicklung sowie eines Verlustes der antibiotischen Wirksamkeit. Radikale Maßnahmen sind notwendig, um einen weiteren Anstieg des Antibiotikaverbrauchs zu begrenzen.

 

Klein EY et al. Global increase and geographic convergence in antibiotic consumption between 2000and 2015. Proc Natl Acad Sci U S A. 2018 Apr 10;115(15):E3463-E3470

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Juni 2018

 

28. Juni 2018

Antibiotika in der Entwicklung:

neue Internetseite gibt Einblick in die Pipeline!

 

Die Entwicklung neuer Antibiotika steckt in einem Dilemma: angesichts der Resistenzentwicklung sind Innovationen dringend erforderlich, andererseits wurde die Forschung auf diesem Gebiet in vielen pharmazeutischen Unternehmen eingestellt. Eine neue Internetseite richtet sich an alle, die im Bereich der Antibiotikaforschung und -entwicklung tätig sind. Unter www.AntibioticDB.com findet man eine umfangreiche Datenbasis über antimikrobiell wirksame Stoffe, die derzeit in der präklinischen oder klinischen Entwicklung sind oder deren Entwicklung eingestellt wurde. Es handelt sich um eine interaktive website: Wissenschaftler in der Industrie oder in Universitäten sind aufgerufen, die Datenbasis zu ergänzen.

 

Farrell LJ et al. Revitalizing the drug pipeline: AntibioticDB, an open access database to aid antibacterial research and development. J Antimicrob Chemother 2018 (online, 11. Juni)

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27. Juni 2018 Rote Hand Brief

Darunavir / Cobicistat: geringe Plasmaspiegel im 2. und 3. Trimenon der Schwangerschaft

 

Während der Schwangerschaft finden zahlreiche physiologische Veränderungen statt, die erheblichen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Arzneistoffen haben (Plasmavolumen, renale Clearance, Aktivität der Fremdstoff-metabolisierenden Enzyme etc.). Obwohl die Zusammenhänge seit Jahrzehnten bekannt sind, bestehen immer noch große Wissenslücken, um die Veränderungen exakt vorauszusagen.1

 

In einem Rote-Hand-Brief wird auf deutlich erniedrigte Darunavir- und Cobicistat-Plasmaspiegel hingewiesen, die bei sechs schwangeren Patientinnen in einer Pharmakokinetikstudie gemessen wurden. Verminderte Darunavir-Konzentrationen können mit einem erhöhten Risiko für Therapieversagen sowie einem erhöhten Risiko einer Mutter-Kind-Übertragung einer HIV-1-Infektion einhergehen. Daher soll eine Therapie mit Darunavir/Cobicistat während der Schwangerschaft nicht begonnen werden und Frauen, die während der Therapie mit Darunavir/Cobicistat schwanger werden, sollten auf eine alternative Therapie umgestellt werden.2

 

Darunavir ist in Deutschland als Monopräparat (PREZISTA) und in Kombination mit Cobicistat und anderen Wirkstoffen (SYMTUZA) im Handel, die Zweifach-Kombination aus Darunavir und Cobicistat (REZOLSTA) wird hier nicht vermarktet.

 

1. Pariente G et al. Pregnancy-Associated Changes in Pharmacokinetics: A Systematic Review. PLoS Med. 2016 Nov 1;13(11):e1002160. FREE FULL TEXT

 

2. Rote-Hand-Brief Darunavir / Cobicistat, 24. Juni 2018

 

 

20. Juni 2018 Rote Hand Brief

Cefepim: erhöhtes Risiko für neurotoxische Wirkungen nach zu hoher Dosierung bei Patienten mit Nieren-insuffizienz

 

Fast alle verfügbaren Antibiotika können zu Schäden des peripheren oder zentralen Nervensystems führen. Bei den ß-Laktamantibiotika stellt vor allem die nicht berücksichtigte Nierenfunktionsstörung einen bedeutsamen Risikofaktor für neurologische Nebenwirkungen dar.1 (siehe Übersicht in Heft 5, 2015 dieser Zeitschrift, PDF-Datei). Auf die Notwendigkeit der Dosisanpassung von Cefepim (MAXIPIME) bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von weniger als 50 ml/min wird aktuell in einem Rote Hand Brief hingewiesen. Die Vorgaben der Fachinformation zur Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion müssen beachtet werden.2

 

1. Payne LE et al. Cefepime-induced neurotoxicity: a systematic review. Crit Care. 2017;21:276 (FREE FULL TEXT)

 

2. Rote Hand Brief Cefepim (Maxipime®)

 

3. Juni 2018 Rote Hand Brief

Dolutegravir in der Schwangerschaft – vorläufige Daten zeigen Assoziation mit Fehlbildungen

 

Unter 426 Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft mit Dolutegravir behandelt wurden, gab es vier Neugeborene mit einem Neuralrohrdefekt (0,9%). Unter mehr als 11.000 Schwangeren, die andere antiretrovirale Regime erhielten, lag die Häufigkeit bei 0,1%. Dies ist das vorläufige Ergebnis einer Beobachtungsstudie an schwangeren Frauen in Botswana. Eine endgültige Beurteilung der Daten wird erst in ca. einem Jahr erwartet. Tierexperimentelle Studien haben keinen Hinweis auf ein teratogenes Potenzial von Dolutegravir oder anderen Integrase-Inhibitoren gegeben. Die EMA und andere Behörden empfehlen aus Vorsichtsgründen einen Wechsel zu einem anderen Arzneimittel bei Frauen mit Kinderwunsch.

 

Rote Hand Brief Dolutegravir (1. Juni 2018)

 

EMA, Pressemitteilung 18. Mai 2018, New study suggests risk of birth defects in babies born to women on HIV medicine dolutegravir.

 

1. Juni 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 3, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel wird der Stand der Forschung zum Thema „Proteinbindung von Antibiotika“ zusammengefasst.

 

Neueinführungen: Die Kurzbeschreibung einer Zweifach-kombination zur Behandlung der HIV-Infektion ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Präparat JULUCA enthält die bereits länger bekannten Wirkstoffe Dolutegravir und Rilpivirin. Es ist die erste Zweierkombination, die sich im direkten Vergleich mit der Standardtherapie - also Dreierkombinationen - als gleich wirksam erwies.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel Empfindlichkeitstestung von Pilzen.

 

 

Mai 2018

 

19. Mai 2018

Antibiotikum oder Analgetikum bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen?

 

Die Therapie einer unkomplizierten Harnwegsinfektion mit Pivmecillinam (X-SYSTO) war nach drei Tagen bei 73,6% der teilnehmenden Frauen erfolgreich. Das zum Vergleich angewandte Analgetikum Ibuprofen (Generika) beseitigte nur bei 38,7% der Patientinnen die Beschwerden.1 Damit wurden die Ergebnisse einer früheren Doppelblindstudie mit Norfloxacin (Generika) im Vergleich zu Diclofenac (Generika) bestätigt.2 Der Verzicht auf einen antibakteriell wirksamen Arzneistoff war in beiden Studien bei 4% bzw. 5% der Frauen mit einer Pyelonephritis assoziiert. Da bisher eine Voraussage über das individuelle Risiko für diese Komplikation nicht möglich ist, kann die symptomatische Therapie einer unkomplizierten Harnwegsinfektion mit Analgetika nicht empfohlen werden.1

 

1) Vik I et al. Ibuprofen versus pivmecillinam for uncomplicated urinary tract infection in women - a double-blind, randomized non-inferiority trial. PLoS Med. 2018 May 15;15(5):e1002569 FREE FULL TEXT

 

2) Kronenberg A et al. Symptomatic treatment of uncomplicated lower urinary tract infections in the ambulatory setting: randomised, double blind trial. BMJ. 2017 Nov 7;359:j4784 FREE FULL TEXT

 

 

2. Mai 2018

Neues von der EMA:

Biktarvy – ein weiterer Integraseinhibitor in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie

 

Das Kombinationspräparat BIKTARVY wurde am 26. April 2018 vom Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) zur Zulassung empfohlen. Es enthält Emtricitabin (200 mg), Tenofoviralafenamid (25 mg) und den neuen Integraseinhibitor Bictegravir (50 mg). Damit stehen insgesamt neun Kombinationspräparate zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie zur Verfügung. Sie enthalten zwei bzw. drei antiretroviral wirksame Stoffe, in drei Präparaten ist zusätzlich Cobicistat zur Beeinflussung der Pharmakokinetik der Virustatika enthalten (siehe Tabelle).

 

1. Biktarvy (Bictegravir / Emtricitabin / Tenofoviralafenamid), Summary of opinion, 26. April 2018

http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Summary_of_opinion_-_Initial_authorisation/human/004449/WC500248082.pdf

 

ÜBERSICHT: Präparate zur einmal-täglichen antiretroviralen Therapie mit zwei oder drei Wirkstoffen in einer Tablette
In sieben der neun Präparate ist als Basis eine Kombination der Nukleosidderivate Emtricitabin und Tenofovir enthalten.
Tabelle HIV Eintabletten Präparate Mai20[...]
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2. Mai 2018

Harnwegsinfektionen

 

Aktuelle Publikationen lassen eine „alte“ Diskussion neu aufleben: sind für eine erfolgreiche Therapie von Harnwegsinfektionen eher die Urin- oder die Serumkonzentrationen eines Antibiotikums entscheidend? Mit sogenannten „Harnwegstherapeutika“ wie Nitrofurantoin werden hohe Urinkonzentrationen erreicht, die Serumkonzentrationen sind zu niedrig für eine Therapie systemischer Infektionen.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in Heft 3, 2016. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv dieser Zeitschrift verfügbar.

 

April 2018

 

30. April 2018

Fosfomycin oder Nitrofurantoin bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen?

 

Fosfomycin-Trometamol (MONURIL u.a.) und Nitrofurantoin (FURADANTIN u.a.) gehören zu den empfohlenen Therapeutika bei einer unkomplizierten Harnwegsinfektion. In einer prospektiven Studie an insgesamt mehr als 500 Patientinnen war die fünftägige Behandlung mit Nitrofurantoin (3 x tgl. 100 mg) wirksamer als die Einmalbehandlung mit Fosfomycin (1 x 3,0 g). Bei 70% der Patientinnen war die Behandlung mit Nitrofurantoin erfolgreich, mit Fosfomycin lag die Heilungsrate nur bei 58%, eine Beseitigung der Erreger gelang bei 74% bzw. 63%. Beide Substanzen wurden gut vertragen, nur selten kam es zu gastrointestinalen Nebenwirkungen, wie Übelkeit und Diarrhö.

 

1. Huttner A et al. Effect of 5-day nitrofurantoin vs single-dose fosfomycin on clinical resolution of uncomplicated lower urinary tract infection in women. A randomized clinical trial. JAMA 2018 (published online, 22. April 2018)

 

2. Datta R et al. Nitrofurantoin vs fosfomycin. Rendering a verdict in a trial of acute uncomplicated cystitis. JAMA 2018 (published online, 22. April 2018)

 

 

26. April 2018

Bläuliche Verfärbungen der Skleren durch Minocyclin

 

Dunkle Verfärbungen der Haut und anderer Organe sind nach längerfristiger Behandlung mit Minocyclin schon mehrfach berichtet worden.1 Auch in den Fachinformationen für Minocyclin-haltige Präparate wird darauf hingewiesen („Schwärzliche Verfärbung der Nägel nach längerer hochdosierter Therapie“). In mehrerer Hinsicht ungewöhnlich ist jedoch der Fall eines 70-jährigen Patienten über den Augenärzte aus Cleveland (Ohio) berichten.2 Wie die Abbildung im NEJM vom 19. April 2018 zeigt, waren die Skleren in beiden Augen des Patienten bläulich verfärbt. Er hatte für mehr als 15 Jahre (!) täglich 100 mg Minocyclin wegen einer Arthritis erhalten. Das Antibiotikum wurde abgesetzt, trotzdem war die Verfärbung innerhalb eines Jahres nur minimal rückläufig.

 

1. Nenoff P, Müller H, Schulze I, Laumanns A, Handrick W. Diffus grauschwarze Hyperpigmentierung der Gesichtshaut bei einer 59-jährigen Patientin. Hautarzt 2015;66:214-7 (PDF)

 

2. Arshad J, Sayegh R. Scleral Discoloration from Minocycline Treatment. N Engl J Med. 2018;378:1537  (PDF)

 

 

13. April 2018

Drei Deutsche in Brasilien an Gelbfieber erkrankt

 

Bis zum 13. März 2018 wurden in Brasilien innerhalb von etwa acht Monaten mehr als 900 Fälle von Gelbfieber registriert, die meisten in den ersten zwei Monaten dieses Jahres. Ein Drittel der Patienten verstarben.1 Seit fast 20 Jahren waren erstmals auch drei deutsche Staatsbürger unter den Erkrankten. Zwei Reisende hatten sich auf der bei Touristen beliebten Insel Ilha Grande infiziert. Sie waren nicht geimpft.2 Da eine spezifische Therapie der Infektion nicht verfügbar ist, sollten die bereits seit 2017 durch das Auswärtige Amt intensivierten Gelbfieber-Impfhinweise unbedingt beachtet werden.

 

1. Gossner CM et al. Increased risk of yellow fever infections among unvaccinated European travellers due to ongoing outbreak in Brazil, July 2017 to March 2018. Euro Surveill. 2018 Mar;23(11):1-6. FREE FULL TEXT

 

2. Boecken G. Drei Deutsche nach Aufenthalt in Brasilien an Gelbfieber erkrankt. Epid Bull 2018; 15:147 FREE FULL TEXT

 

3. April 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 2, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel wird der aktuelle Stand der Empfehlungen zur Therapie der nosokomialen Pneumonie zusammengefasst. Die Diagnosestellung sollte die umfangreichen, nicht infektiösen Differentialdiagnosen berücksichtigen, um unnötige Antibiotika zu vermeiden. Die Auswahl der Antibiotika sollte sich an individuellen Risikofaktoren, Schwere der Infektion und der lokalen Erregerepidemiologie und Resistenzsituation orientieren. Eine Reevaluation nach zwei bis drei Tagen wird nachdrücklich empfohlen, um den Therapieverlauf zu beurteilen und eine mögliche Deeskalation einzuleiten.

 

Neueinführungen: Die Kurzbeschreibung einer Dreifach-kombination zur Behandlung der chronischen Hepatitis C ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Präparat VOSEVI enthält die bereits länger bekannten Wirkstoffe Sofosbuvir und Velpatasvir, die mit dem neuen Proteasehemmer Voxilaprevir kombiniert werden.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel Bakterientypisierung – mehr Fragen als Antworten.

 

 

März 2018

 

31. März 2018

Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift für Infektionstherapie wünschen allen Lesern Frohe Osterfeiertage!

 

 

29. März 2018

Neues von der EMA:

Juluca – zwei Wirkstoffe können ausreichend sein zur HIV-Therapie

 

Die Standardtherapie der antiretroviralen Therapie besteht aus der Verabreichung von drei Wirkstoffen. Mit einer Kombination des Integraseinhibitors Dolutegravir und Rilpivirin, einem Hemmstoff der reversen Transkriptase, ist auch eine Zweifachtherapie möglich.

 

Das Kombinationspräparat JULUCA wurde am 22. März 2018 vom Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) zur Zulassung empfohlen. Die Zweierkombination ist geeignet zur Behandlung der HIV-1-Infektion bei Erwachsenen, die seit mindestens sechs Monaten stabil virologisch supprimiert sind. Das Arzneimittel wurde bereits im November 2017 von der US-amerikanischen FDA zugelassen.

 

EMA, Juluca (Dolutegravir / Rilpivirin), Summary of opinion (initial authorisation), 22 March 2018

 

 

19. März 2018

Proteinbindung von Antibiotika

 

Bereits vor 75 Jahren wurde über die Auswirkungen der Proteinbindung auf die antibakterielle Aktivität der Antibiotika berichtet. Seit langem steht fest, dass nur der freie, nicht gebundene Anteil antibakteriell wirksam ist. Der Einfluss der Proteinbindung ist jedoch komplex und wird durch die Angabe des Prozentwertes der Bindung allein nicht ausreichend beschrieben. Unabhängig von der Bindung können körpereigene Proteine und Antibiotika synergistische Wirkungen entfalten. So machen Immunglobulin G und Albumin die bakteriellen Hüllen durchlässiger und erleichtern die Aufnahme einiger Antibiotika. Die Methoden, mit denen solche Phänomene untersucht werden, müssen jedoch noch weiter standardisiert werden, da sonst eventuell widersprüchliche Daten generiert werden und in vitro Effekte beobachtet werden, die für den lebenden Organismus nicht relevant sind.

 

Dalhoff A. Seventy-Five Years of Research on Protein Binding. Antimicrob Agents Chemother. 2018 Jan 25;62(2). pii: e01663-17. Review

 

 

13. März 2018

Leserbrief von Professor Naber, Straubing

 

Zu unserem Artikel Nitroxolin – eine alte Substanz, neu empfohlen (Heft 1, 2018) erreichte uns ein Leserbrief von Herrn Professor Naber, Straubing, den wir hier gekürzt veröffentlichen (den vollständigen Leserbrief mit vier Literaturzitaten finden Sie hier).

 

Herr Professor Naber bemängelt die unvollständige Darstellung einer Publikation zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Nitroxolin (Naber KG et al. BMC Infect Dis. 2014 Nov 27;14:628) und weist auf folgendes hin:

 

„Es wurde zurecht festgestellt, dass in (dem ersten Teil) der Publikation, der eine Übersicht der bis damals publizierten Daten enthält, insgesamt 26 unkontrollierte, zwei kontrollierte und eine Postmarketinganalyse zusammengefasst wurden. Mit keinem Wort wird aber auf den zweiten Teil der Publikation eingegangen, der sich mit der Metaanalyse der individuellen Patientendaten (IPD) von insgesamt bis dato noch nicht veröffentlichten Daten von vier prospektiv, randomisierten, Patienten-verblindeten Studien mit insgesamt 466 Patienten befasst. Das Ziel dieser vier Studien war der Therapievergleich von Nitroxolin mit Cotrimoxazol (drei Studien) bzw. Norfloxacin (eine Studie) bei Patientinnen mit unkomplizierter Zystitis. Diese vier Studien wurden nach den in den 90er Jahren geltenden Richtlinien durchgeführt. Das damals akzeptierte primäre Zielkriterium war die Beseitigung der Erreger, damals allgemein definiert als Reduktion einer Bakteriurie <104 KBE/ml. Als Vergleichsantibiotika wurden Cotrimoxazol und Norfloxacin gewählt, die damals allgemein als Antibiotika der ersten Wahl anerkannt waren. Die Qualität der vier Studien erreichten nach dem Jaded Score eine gute Qualität (4 von maximal 5 Punkten). Das Ergebnis der IPD Metaanalyse ergab eine Nichtunterlegenheit von Nitroxolin gegenüber den Vergleichsantibiotika (Differenz <10%; 95% Konfidenz-intervall). Aus diesem Grunde wurde in der aktualisierten AWMF-S3-Leitlinie, die in dem Artikel ebenfalls zitiert wurde, Nitroxolin mit einem Empfehlungsgrad A für die Therapie der unkomplizierten Zystitis empfohlen. Dies erfolgte vor allem aufgrund dieser IPD Metaanalyse, dessen Evidenzgrad nach einem Klassifikationsschema in Anlehnung an das Oxford Centre of Evidence Based Medicine (1999) mit Ia [Systematische Übersichtsarbeit (mit hohem Homogenitätsgrad) mit randomisierten klinischen Studien] bewertet wurde.

 

Zusammenfassend kann klar festgestellt werden, dass die in der aktualisierten AWMF S3-Leitlinie „Harnwegsinfektionen“ ausgesprochene Empfehlung für Nitroxolin als ein Antibiotikum der ersten Wahl zur Behandlung der akuten unkomplizierten Zystitis wohl begründet ist. Für darüberhinausgehende Indikationen sind in der Tat prospektive Vergleichsuntersuchungen wünschenswert.“

 

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Kurt G. Naber, Straubing

 

5. März 2018

Antimykotika zur systemischen Therapie

 

Die Sterblichkeit bei systemischen Pilzinfektionen ist nach wie vor hoch. Während jahrzehntelang nur das schlecht verträgliche Amphotericin B (AMPHOTERICIN B INFUSION u.a.) zur Verfügung stand, sind heute insgesamt fünf Azole und drei Echinocandine im Handel, die bei Candidosen bzw. Aspergillosen als Alternativen in Frage kommen.

 

Dabei müssen Unterschiede im Spektrum, bei den pharmakokinetischen Eigenschaften und hinsichtlich der Indikationen beachtet werden.

 

Alle sind bei Candidosen anwendbar. Unter den Azolen sind Itraconazol (SEMPERA u.a.), Voriconazol (VFEND), Posaconazol (NOXAFIL) und Isavuconazol (CRESEMBA) auch bei Aspergillosen einsetzbar, bei den Echinocandinen ist nur Caspofungin (CANCIDAS) zur Therapie von Aspergillus-Infektionen zugelassen.

 

Die Bedeutung des Flucytosins (ANCOTIL) ist gering, es ist nur in Kombination mit Amphotericin B bei Kryptokokken-meningoenzephalitis indiziert.

 

Den Übersichtsartikel zu diesem Thema lesen Sie im Heft 2, 2016 dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt frei im Archiv verfügbar.

 

 

2. März 2018

Neues von der EMA:

Peramivir zur intravenösen Therapie der Influenza

 

Die Zulassung eines neuen Arzneimittels zur Behandlung der unkomplizierten Influenza wird vom zuständigen Komitee CHMP der EMA empfohlen. Mit der Zulassung wird in ca. zwei Monaten gerechnet.1

Peramivir (ALPIVAP) ist ein Neuraminidase-Inhibitor mit einer ähnlichen antiviralen Aktivität wie Zanamivir oder Oseltamivir. Der neue Wirkstoff bindet fest an das Enzym, die Ablösung erfolgt deutlich langsamer als bei den anderen Substanzen dieser Gruppe. Wegen der sehr geringen Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe muss es intravenös verabreicht werden.2

 

1. EMA/CHMP/97060/2018, Summary of Opinion Peramivir (ALPIVAP) www.ema.europa.eu

 

2. Alame MM et al. Peramivir: A Novel Intravenous Neuraminidase Inhibitor for Treatment of Acute Influenza Infections. Front Microbiol. 2016;7:450, 1-14 FREE FULL TEXT

 

 

Febuar 2018

 

25. Februar

Falsche Schlussfolgerungen im Cochrane Review zu den Hepatitis C-Therapeutika

 

Ein methodisch problematischer Cochrane Review stellt den Nutzen der direkt wirksamen antiviralen Stoffe zur Behandlung der chronischen Hepatitis C in Frage.1 Im Kern geht es um die Akzeptanz des Surrogatmarkers SVR (sustained virological response). Die Veröffentlichung hat massive Kritik von kompetenten Infektiologen und Gastroenterologen ausgelöst.2,3 Die Wissenschaftler aus Dänemark publizierten inzwischen eine modifizierte Übersichtsarbeit, die aber weiterhin im Ansatz fragwürdig erscheint. Eine Behandlung von Hepatitis C-Patienten mit den heute verfügbaren sehr wirksamen und gut verträglichen Kombinationspräparaten sollte nicht in Frage gestellt werden.

 

1: Jakobsen JC et al. Direct-acting antivirals for chronic hepatitis C. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Jun 6;6:CD012143. Review.

Update in: Cochrane Database Syst Rev.2017 Sep 18;9:CD012143

 

2: Kwo PY, Shiffman ML, Bernstein DE. The Cochrane Review Conclusion for Hepatitis C DAA Therapies is Wrong. Am J Gastroenterol. 2018 Jan;113(1):2-4.

 

3: Powderly WG, Naggie S, Kim AY, Vargas HE, Chung RT, Lok AS. IDSA/AASLD Response to Cochrane Review on Direct-Acting Antivirals for Hepatitis C. Clin Infect Dis. 2017 Nov 13;65(11):1773-1775

 

 

Januar 2018

 

31. Januar 2018

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 1, 2018 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel wird die Frage gestellt:

Neue Antibiotika – wo geht die Reise hin?

 

Die Neuentwicklungen bei ß-Laktamaseinhibitoren werden beschrieben; außerdem steht der aktuelle Entwicklungsstand bei Pleuromutilinen und FabI-Inhibitoren im Fokus. Schließlich werden die neuartigen Mechanismen beschrieben, mit denen die Siderophor-Cephalosporine die Hürde der äußeren Zellmembran bei gramnegativen Erreger überwinden.

 

Die Kurzbeschreibung von Nitroxolin® - eine alte Substanz, neu empfohlen - ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel Empfindlichkeitstestung – Kategorie „intermediär“.

 

 

25. Januar 2018

Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt bei Influenza

 

Infektionen fördern thrombogene Ereignisse durch Aktivierung von Thrombozyten und Störung der Endothelfunktion. In einer aktuellen Studie konnten Wissenschaftler aus Kanada zeigen, dass eine Influenza das Risiko für einen Herzinfarkt etwa sechsfach erhöht. Durch eine Grippeimpfung könnten solche kardiovaskulären Erkrankungen und Todesfälle verhindert werden.
 

Kwong JC et al. Acute Myocardial Infarction after Laboratory-Confirmed Influenza Infection. N Engl J Med. 2018 Jan 25;378(4):345-353 PubMed abstract

 

24. Januar 2018

Therapie mit Bakteriophagen –

Zukunft bei Polyresistenz?

 

Bakteriophagen sind bakterienpathogene Viren, die aus Nukleinsäure und einer Proteinhülle bestehen. Als „etwas, das Bakterien zerstört“ wurden sie bereits 1915 beschrieben. Die Phagentherapie als eine bakterienabtötende Intervention ist heute, angesichts der zunehmenden Resistenz der bakteriellen Erreger, sicherlich ein interessanter therapeutischer Ansatz. Sie ist allerdings immens aufwendig und viele wissenschaftliche Fragen und praktische Anwendungsprobleme sind noch zu lösen.1,2 Über eine erfolgreiche Phagentherapie bei einem Patienten mit einer Pankreatitis durch Acinetobacter baumannii berichteten vor einigen Monaten Ärzte aus San Diego, USA.3 Die Phagentherapie wurde über acht Wochen durchgeführt, schließlich konnte der Patient am Tag 245 seines Krankenhausaufenthalts nach Hause entlassen werden.

 

1. Forde A, Hill C. Phages of life - the path to pharma. Br J Pharmacol. 2018;175:412-418. PubMed abstract

 

2. Watts G. Phage therapy: revival of the bygone antimicrobial. Lancet 2017 Dec 9;390:2539-2540. Epub 2017 Dec 8. PubMed

 

3. Schooley RT et al. Development and Use of Personalized Bacteriophage-Based Therapeutic Cocktails To Treat a Patient with a Disseminated Resistant Acinetobacter baumannii Infection. Antimicrob Agents Chemother. 2017 Sep 22;61(10). pii: e00954-17  FREE FULL TEXT

 

19. Januar 2018

Rippenbruch bei Keuchhusten

 

Mehr als zwei Drittel der Pertussisfälle treten bei Erwachsenen auf. Im Jahr 2017 wurden dem RKI mehr als 16.000 Erkrankungen gemeldet. Zu den möglichen Komplikationen bei einem Keuchhusten gehören Rippenfrakturen. Das Bild einer 66-jährigen Patientin mit Rippenfraktur und einer ausgedehnten subkutanen Blutung wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Im Nasopharyngealabstrich konnte Bordetella pertussis nachgewiesen werden.

 

Zambrano JA, Herman TN Rib fracture associated with Bordetella pertussis infection. N Engl J Med 2018; 378:e4 (PDF)

 

12. Januar 2018

Nitroxolin: bei geriatrischen Patienten nicht wirksam!

 

Die Anwendung von Nitroxolin ist laut Fachinformation nicht auf unkomplizierte Harnwegsinfektionen bei Frauen beschränkt. Eine aktuelle klinische Studie aus Jena zeigte jedoch keine überzeugende Wirksamkeit bei insgesamt 30 weiblichen und männlichen geriatrischen Patienten mit Harnwegsinfektionen. Die meisten waren aufgrund diverser Faktoren als „komplizierte Harnwegsinfektionen“ anzusehen. Die Therapie wurde bei zwei Patienten vorzeitig beendet wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen. Bei drei Patienten wurde eine deutliche Abnahme der Empfindlichkeit der Erreger während der Behandlung registriert: die MHK-Werte nahmen um mindestens das Vierfache zu. Da ein mikrobiologisch abgesicherter Therapieerfolg nur bei einem Patienten erreicht werden konnte, wurde die Studie vorzeitig beendet. Zur Behandlung von Harnwegsinfektionen bei hospitalisierten, geriatrischen Patienten wird Nitroxolin daher nicht empfohlen.

 

Forstner C et al. Nitroxoline in geriatric patients with lower urinary tract infection fails to achieve microbiologic eradication: a noncomparative, prospective observational study. Clin Microbiol Infect. 2017 Nov 10. pii: S1198-743X(17)30637-7 [Epub ahead of print]

 

 

8. Januar 2018

Ceftazidim-Avibactam versus Meropenem zur Therapie nosokomialer Pneumonien

 

Die nosokomiale Pneumonie ist eine der häufigsten im Krankenhaus erworbenen Infektionen. In einer aktuell publizierten Doppelblindstudie wurde die Kombination aus Ceftazidim und Avibactam (ZAVICEFTA) mit Meropenem (MERONEM u.a.) bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie verglichen. Das Pseudomonas-wirksame Cephalosporin plus ß-Laktamase-Inhibitor war dem Carbapenem nicht unterlegen und stellt damit eine Alternative bei dieser Indikation dar. Allerdings sollte die etwas höhere Rate von schweren Nebenwirkungen beachtet und in weiteren Studien überprüft werden.

 

Torres A et al. Ceftazidime-avibactam versus meropenem in nosocomial pneumonia, including ventilator-associated pneumonia (REPROVE): a randomised, double-blind, phase 3 non-inferiority trial. Lancet Infect Dis. 2017 Dec 15. [Epub ahead of print]  PubMed Abstract

 

 

3. Januar 2018

Höhen und Tiefen in der Infektiologie der letzten 25 Jahre

Die Infektiologie ist mit ihren zahlreichen Aspekten ein enorm vielfältiger und herausfordernder Teil der Medizin im 21. Jahrhundert. Infektionen stellen unverändert eine große Herausforderung weltweit für die Gesundheitssysteme dar. Die Verbesserung der diagnostischen Methoden zum schnellen Nachweis der Erreger beim Patienten, das bessere Verständnis des Mikrobioms des Menschen und die Entwicklung neuer wirksamer Arzneistoffe gegen Infektionen durch polyresistente gramnegative Erreger sind die dringendsten Aufgaben der infektiologischen Forschung.

 

Den Übersichtsartikel zu diesem Thema lesen Sie im Heft 1, 2016 dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt frei im Archiv verfügbar.

 

2. Januar 2018

Wir wünschen den Lesern und Abonnenten der Zeitschrift für Infektionstherapie ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Neues Jahr 2018!

Wir werden Sie auch im kommenden Jahr aktuell und kontinuierlich über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie informieren.

Ihre Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift

 

Dezember 2017

 

22. Dezember 2017

Wir wünschen unseren Lesern und Abonnenten der Zeitschrift für Infektionstherapie frohe und erholsame Weihnachtstage!

Ihre Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift

1. Dezember 2017

Dolutegravir – ist eine Monotherapie mit dem Integraseinhibitor möglich?

 

Die Standardtherapie der HIV-Infektion besteht aus der kontinuierlichen Verabreichung von drei Wirkstoffen. Durch die Kombination lässt sich eine rasche Resistenzentwicklung der Viren verhindern. Der Integraseinhibitor Dolutegravir besitzt eine relativ hohe genetische Barriere – d. h. die Resistenzentwicklung erfolgt langsamer als nach anderen Virustatika (vgl. Heft 4, 2014). In den Niederlanden wurden daher Patienten von einer Standardtherapie auf eine Monotherapie mit 50 mg Dolutegravir täglich umgestellt. Etwa ein halbes Jahr lang war diese Behandlung der Kombinationstherapie nicht unterlegen, dann wurde jedoch bei 8% der Patienten ein virologisches Versagen festgestellt, bei drei Patienten konnten Viren mit einer Mutation im Gen der Integrase nachgewiesen werden. Die DOMONO-Studie wurde daher vorzeitig abgebrochen. Dolutegravir ist demnach – ebenso wie andere antiretrovirale Wirkstoffe - nicht zur Monotherapie einer HIV-Infektion geeignet.

 

Wijting I et al. Dolutegravir as maintenance monotherapy for HIV (DOMONO): a phase 2, randomized non-inferiority trial. Lancet HIV. 2017 Oct 26. pii: S2352-3018(17)30152-2. [Epub ahead of print] Abstract PubMed

 

 

 

November 2017

 

24. November 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 6, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Im Übersichtsartikel werden die aktuellen Studien zur Bedeutung der inhalativen Therapie mit Antibiotika bei Infektionen der tiefen Atemwege zusammengefasst und bewertet. Welchen Stellenwert hat die inhalative Verabreichung bei Patienten mit einer Beatmungspneumonie durch gramnegative Erreger? Ist diese Form der Therapie sinnvoll bei Patienten mit Bronchiektasen, die nicht an einer zystischen Fibrose erkrankt sind? Antworten auf diese Fragen gibt die Übersicht.

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates Maviret® in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. Maviret® ist ein weiteres Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C. Durch Kombination der Wirkstoffe Glecaprevir und Pibrentasvir wird ein virologisches Ansprechen (SVR12) bei Infektionen mit allen Genotypen erreicht. Auch bei fortgeschrittener Nierenfunktionsstörung kann das Präparat verordnet werden.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Genotypisierung von Bakterien“.

 

4. November 2017

HIV-Infektion manifestiert sich als proximale Onycho-mykose

 

Die weißliche Verfärbung am Nagel des großen Zehs war innerhalb eines Monats rasch von proximal nach distal fortgeschritten (Abbildung). Der 48-jährige Patient stellte sich daher in einer dermatologischen Klinik in Malaga, Spanien, vor. Mikroskopisch ließ sich die Diagnose einer Onychomykose durch Trichophyton rubrum stellen. Da sich solche Veränderungen typischerweise zunächst im distalen Bereich manifestieren, bestand der Verdacht auf eine Immunsuppression. Eine HIV-Infektion konnte nachgewiesen werden, eine antiretrovirale und antimykotische Therapie wurde eingeleitet und zeigte gute Wirksamkeit.

 

Gómez-Moyano E, Crespo-Erchiga V. HIV Infection Manifesting as Proximal White Onychomycosis. N Engl J Med. 2017 Nov 2;377(18):e26

 

1. November 2017

Renaissance alter Antibiotika

 

Die zunehmende Resistenzentwicklung, insbesondere von gramnegativen Enterobakterien, macht es notwendig, auch ältere, primär schlecht untersuchte Antibiotika mit Aktivität gegen ESBL- und Carbapenemase-bildende Erreger erneut zu verwenden.

Gefordert wird hierfür eine exakte Bestimmung von präklinischen und klinischen Daten dieser Substanzen, die den heutigen Standards bei der Einführung neuer Antibiotika entspricht. Dieses kann nur mit öffentlich geförderten wissenschaftlichen Projekten erfolgen, da die pharmazeutischen Hersteller für diese alten Substanzen als Sponsoren nicht in Betracht kommen.

Am Beispiel des schon 1953 eingeführten Nitrofurantoins wird dargestellt, welche präklinischen und klinischen Daten nur unzureichend bekannt sind und deshalb in einem wissenschaftlichen Projekt zur Zeit erarbeitet werden.

 

Den Übersichtsartikel zu diesem Thema lesen Sie im Heft 6, 2015 dieser Zeitschrift.

Die PDF-Datei ist jetzt frei im Archiv verfügbar.

 

Oktober 2017

 

24. Oktober 2017

Neue Daten zur bakteriziden Wirkung von Fosfomycin

 

Fosfomycin (INFECTOFOS u.a.) wird seit einigen Jahren vermehrt zur intravenösen Therapie von Infektionen mit resistenten Erregern eingesetzt. Neuere detaillierte Untersuchungen zur Pharmakodynamik des Antibiotikums zeigen kein einheitliches Bild. Bei einigen Stämmen entspricht die Kinetik der Bakterizidie eher einem zeitabhängigen und bei anderen eher einem konzentrationsabhängigen Verhalten. Der pharmakologische Index AUC / MHK beschreibt wohl am ehesten die Situation. Insbesondere bei einer Monotherapie mit dem Antibiotikum muss mit rascher Resistenzentwicklung gerechnet werden. Zumindest im Experiment lassen sich innerhalb weniger Stunden resistente Subpopulationen aus primär empfindlichen Stämmen generieren.

 

Fransen F, Hermans K, Melchers MJB, Lagarde CCM, Meletiadis J, Mouton JW. Pharmacodynamics of fosfomycin against ESBL- and/or carbapenemase-producing Enterobacteriaceae. J Antimicrob Chemother. 2017 Oct 4. [Epub ahead of print]

 

21. Oktober 2017

Antibiotika bei stationär behandelten Patienten:
häufig nicht indiziert und mit Nebenwirkungen assoziiert

 

Unerwünschte Wirkungen einer stationären Antibiotika-therapie sind häufig. In einer Studie aus dem Johns Hopkins Hospital in Baltimore, USA, wurde bei 20% der Behandelten eine potenzielle Nebenwirkung festgestellt. Ein großer Teil der Therapien war offenbar nicht indiziert. Nicht nur unter dem Aspekt der Resistenzvermeidung, sondern auch mit Blick auf die potenziellen Nebenwirkungen der Antibiotika, sollte eine Therapie mit diesen Arzneimitteln nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und bei eindeutiger Indikationsstellung erfolgen.

 

Tamma PD et al. Association of Adverse Events With Antibiotic Use in Hospitalized Patients. JAMA Intern Med. 2017;177(9):1308-1315 [PubMed abstract]

 

 

2. Oktober 2017

Influenza-Vakzination 2017/2018

 

Die Wirksamkeit der Influenza-Vakzination ist umstritten; insbesondere werden die Fragen diskutiert, (1) wie weit ein Lebendimpfstoff die gleiche Wirksamkeit aufweist wie die inaktivierte Influenza-Vakzine und (2) ob eine regelmäßige Vakzination sinnvoll ist. Auf diese Fragen gibt es fundierte Antworten:

 

(1) In den USA konnte mit dem inaktivierten Influenza-Impfstoff eine mindestens 50-prozentige Effektivität festgestellt werden. Hierbei erwies sich der inaktivierte Vierfachimpfstoff als signifikant wirksamer als die trivalente Vakzine. Der intranasal anwendbare Lebendimpfstoff wurde bei Personen zwischen zwei und 49 Jahren angewandt - er erwies sich erneut als unwirksam.1

 

(2) Daten aus einer aktuellen Studie zeigen eine signifikant höhere Effektivität bei kontinuierlich geimpften Patienten. Es gab keine Hinweise darauf, dass kontinuierliche jährliche Influenza-Impfungen den Effekt der Vakzination vermindern könnten.2

 

FAZIT: Möglichst viele Menschen sollten im November 2017 mit den verfügbaren inaktivierten Influenza-Impfstoffen geimpft werden.

 

1. Jackson ML et al. Influenza Vaccine Effectiveness in the United States during the 2015-2016 Season. N Engl J Med. 2017;377:534-543

 

2. Cheng AC et al. Repeated Vaccination Does Not Appear to Impact Upon Influenza Vaccine Effectiveness Against Hospitalization With Confirmed Influenza. Clin Infect Dis. 2017;64:1564-1572

 

Ausführliche Beiträge zur Influenza-Vakzination lesen Sie im aktuellen Heft 5 der Zeitschrift für Infektionstherapie (PDF-Datei mit Passwort, für Abonnenten).

 

Bereits im Heft 5, 2005, hatten wir in einem Übersichtsartikel Nutzen und Risiken der Influenza-Vakzination ausführlich beschrieben (PDF-Datei frei verfügbar).

 

 

September 2017

 

28. September 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 5, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt aktuelle Aspekte der Tuberkulosetherapie unter Berücksichtigung der neuen S2k-Leitlinie.

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates Symtuza® in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" ist frei verfügbar. Symtuza® ist das erste Eintablettenpräparat zur antiretroviralen Therapie, in dem ein Proteaseinhibitor mit anderen Wirkstoffen kombiniert wird. Neben Darunavir enthalten die Tabletten Emtricitabin und Tenofovir sowie Cobicistat. (vgl. Meldung vom 27. Juli 2017)

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen Beitrag mit dem Titel „Phänotypisierung von Bakterien“.

 

18. September

Hypervirulente, multiresistente, leicht übertragbare Klebsiellen

 

Klebsiella pneumoniae gehört zu den Enterobacteriaceae. Der Erreger kann Harnwegsinfektionen, Pneumonien und andere Infektionen verursachen. Multiresistente, Carbapenemase-bildende Stämme stellen eine zunehmende Bedrohung dar. Neben diesen resistenten Klebsiellen sind hypervirulente CG23-Stämme bekannt, die als Verursacher von Leberabszessen in Erscheinung treten. Vor diesem Hintergrund findet eine aktuelle Publikation aus Hangzhou, China, große Beachtung. Hier wird über bisher nicht bekannte Stämme von K. pneumoniae berichtet, die gleichzeitig hypervirulent, multiresistent und leicht übertragbar sind. Sie sind durch Transfer der Resistenzplasmide in hypervirulente Stämme entstanden. Auf einer Intensivstation des Universitätsklinikums der ostchinesischen Stadt verstarben fünf Patienten an Pneumonien, die durch diese Erreger ausgelöst wurden. Ähnliche Berichte hatte es bereits zuvor aus China gegeben. Es bleibt nur die Hoffnung, dass eine globale Verbreitung dieser gefährlichen Stämme verhindert werden kann.

 

Gu D et al. A fatal outbreak of ST11 carbapenem-resistant hypervirulent Klebsiella pneumoniae in a Chinese hospital: a molecular epidemiological study.

Lancet Inf Dis (published online, August 29, 2017)

 

Chen L, Kreiswirth BN. Convergence of carbapenem-resistance and hypervirulence in Klebsiella pneumoniae.

Lancet Inf Dis (published online, August 29, 2017)

 

 

8. September 2017

VabomereTM – eine neue Kombination aus Meropenem plus ß-Laktamaseinhibitor

 

Zunehmend häufig werden weltweit resistente Bakterien isoliert, die Carbapeneme durch ß-Laktamasen inaktivieren können (siehe Beitrag Carbapenemresistenz, Heft 2, 2015). Innovative Therapeutika sind daher dringend notwendig.

In den USA wurde Ende August eine Kombination aus Meropenem plus Vaborbactam (Handelsname VabomereTM) zur Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen, inklusive Pyelonephritis, zugelassen. Es soll angewandt werden, wenn die Infektion durch Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae oder Enterobacter cloacae verursacht wird.1

Während Meropenem bereits seit mehr als 20 Jahren verwendet wird, wurde der ß-Laktamaseinhibitor neu entwickelt. Er besitzt keine ß-Laktamstruktur, sondern es handelt sich um ein Boronsäurederivat - eine zyklische bororganische Verbindung.

Die Hemmung von ß-Laktamasen durch Borverbindungen wurde bereits in den 1970er Jahren beschrieben.2 Vaborbactam ist das Resultat einer gezielten Suche nach Hemmstoffen der KPC-Enzyme (KPC = Klebsiella pneumoniae Carbapenemasen). Daten zur In-vitro-Aktivität von Vaborbactam wurden aktuell publiziert3..

 

1. FDA News Release, FDA approves new antibacterial drug.

 

2. Kiener PA, Waley SG. Reversible inhibitors of penicillinases. Biochem J. 1978;169:197-204 (FREE FULL TEXT)

 

3. Lomovskaya O et al. Vaborbactam: Spectrum of Beta-Lactamase Inhibition and Impact of Resistance Mechanisms on Activity in Enterobacteriaceae. Antimicrob Agents Chemother. 2017 Aug 28. [Epub ahead of print] (FREE FULL TEXT)

 

1. September 2017

Neurotoxizität von Antibiotika

 

Fast alle zur antiinfektiven Therapie angewandten Arzneimittel können neurotoxische Wirkungen haben, die sich am peripheren und / oder am zentralen Nervensystem, bzw. an den Sinnesorganen manifestieren. Dies gilt für die ältesten Antibiotika, die Penicilline, ebenso, wie für neue vollsynthetische Wirkstoffe.

Die Kenntnis dieser neurotoxischen Unverträglichkeits-reaktionen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive und sichere Therapie. Bei Beachtung bekannter Risikofaktoren und Aufklärung des Patienten ist es möglich, Häufigkeit und Ausmaß dieser teils irreversiblen, bedeutsamen Nebenwirkungen einer antiinfektiven Therapie zu vermeiden.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Heft 5, 2015, dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv verfügbar.

 

August 2017

 

30. August 2017

Knoblauch verursacht subtherapeutische Darunavir-Konzentrationen

 

Darunavir (PREZISTA u. a.) ist ein häufig verordneter Proteaseinhibitor zur Therapie der HIV-Infektion. Aus Marseille, Frankreich, wird über zwei Patienten berichtet, bei denen offenbar der recht hohe Gehalt von Knoblauch in ihrer Nahrung zu subtherapeutischen Spiegeln von Darunavir führte. Bei einem 27-jährigen Patienten, der etwa 15 Knoblauchzehen pro Woche verzehrte, wurden niedrige Wirkstoffspiegel und eine erhöhte Viruslast gemessen. Die Werte besserten sich nach „Absetzen“ des Knoblauchs.1 In einer früheren Arbeit aus der Schweiz wurde schon auf die Reduktion der Spiegel von Saquinavir (INVIRASE) durch Knoblauchextrakt hingewiesen. Die Interaktion wird offenbar durch eine Induktion von P-Glycoprotein in der Duodenalschleimhaut verursacht.2

 

1. Cloarec N et al. Sub-therapeutic darunavir concentration and garlic consumption; a «Mediterranean» drug-food interaction, about 2 cases. Eur J Clin Pharmacol. 2017 Jul 11. doi: 10.1007/s00228-017-2300-9. [Epub ahead of print]

 

2. Hajda J et al. Garlic extract induces intestinal P-glycoprotein, but exhibits no effect on intestinal and hepatic CYP3A4 in humans. Eur J Pharm Sci. 2010;41:729-35.

doi: 10.1016/j.ejps.2010.09.016

 

 

Juli 2017

 

27. Juli 2017

Neues von der EMA:

Proteaseinhibitor Darunavir in fixer Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen

 

Derzeit sind sechs verschiedene Kombinationspräparate zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie mit einer Tablette im Handel. Es handelt sich um Kombinationen aus zwei nukleosidischen  Hemmstoffen der reversen Transkriptase mit einem nicht-nukleosidischen Hemmstoff des Enzyms oder einem Integraseinhibitor.

Erstmals wurde jetzt eine Eintabletten-Kombination mit einem Proteaseinhibitor vom CHMP zur Zulassung empfohlen. In dem Präparat Symtuza® wird Darunavir mit Emtricitabin und Tenofovir-Alafenamid kombiniert. Der Zusatz von Cobicistat erhöht die systemische Exposition mit Darunavir (Tabelle).

 

EMA, Summary of opinion SYMTUZA

 

24. Juli 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 4, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt die „Prävention von chirurgischen Wundinfektionen“.

 

Die Kurzbeschreibung des Enzyminhibitors Cobicistat ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Ritonavir-Derivat ohne eigene antivirale Aktivität wird zunehmend als „booster“ zur „pharmakokinetischen Verstärkung“ in Kombination mit verschiedenen Virustatika angewandt.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen weiteren Beitrag zum Thema Blutkulturen (IV).

 

1. Juli 2017

Antibiotikatherapie bei geriatrischen Patienten

(Heft 4, 2015)

 

Die physiologischen Veränderungen des menschlichen Körpers im Alter disponieren zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Infektionen beim alten Menschen manifestieren sich häufig atypisch. Vermehrt werden Verwirrtheit und Störungen der Bewusstseinslage als erste Infektionssymptome beobachtet. Die Dosierung von Antibiotika beim alten Menschen sollte die veränderten exkretorischen und metabolischen Funktionen berücksichtigen, die erhebliche Einflüsse auf die Pharmakokinetik sowie Dosierung von Antibiotika und auch auf mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten haben.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Heft 4, 2015 dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv verfügbar.

 

Juni 2017

 

30. Juni 2017

Neue S2k-Leitlinie: Tuberkulose im Erwachsenenalter

 

Eine umfassende Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Tuberkulose, einschließlich Chemoprävention und –prophylaxe, ist in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Pneumologie“ erschienen (PubMed Abstract).

 

 

27. Juni 2017

Neues von der EMA:

Zwei neue Kombinationspräparate zur Behandlung der Hepatitis C

 

In Europa sind etwa 15 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis C erkrankt. Vor einigen Tagen teilte die europäische Arzneimittelbehörde EMA mit, dass die Zulassung von zwei neuen Arzneimitteln zur Behandlung der Hepatitis C vom zuständigen Komitee CHMP empfohlen wird.

 

VOSEVI ist der Handelsname für eine Dreifachkombination aus dem bekannten Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir, sowie Voxilaprevir, einem Protease-Inhibitor, und dem NS5A-Inhibitor Velpatasvir. Es wirkt gegen alle Genotypen und kann bei Patienten angewandt werden, bei denen eine vorherige Behandlung mit anderen direkt wirkenden Virustatika erfolglos war. Über eine klinische Studie mit dem Medikament hatten wir bereits am 1. Juni berichtet (siehe unten).

EMA, Summary of Opinion VOSEVI

 

Das andere Arzneimittel wird unter dem Namen MAVIRET in den Handel kommen. Hier wurden die Wirkstoffe Glecaprevir (Protease-Inhibitor) und Pibrentasvir (NS5A-Inhibitor) kombiniert. Die Kombination wirkt gegen alle Genotypen von HCV und kann auch bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz und Dialyse verordnet werden.

EMA, Summary of Opinion MAVIRET

 

Tabelle

Eine aktuelle Tabelle über alle Virustatika zur Behandlung der chronischen Hepatitis C finden Sie hier als PDF-Datei.

Virustatika Hepatitis C
Tabelle Virustatika Hepatitis C 2017.pd[...]
PDF-Dokument [29.8 KB]

22. Juni 2017

Therapieergebnis bei Sepsis durch Gentamicin nicht verbessert

Niederländische Intensivmediziner konnten keinen Nutzen durch Gentamicin bei Patienten mit Sepsis feststellen. Das Aminoglykosid führte nicht zu einem besseren Therapieresultat, wenn es zusätzlich für zwei Tage als Ergänzung zu einer Therapie mit einem Cephalosporin oder einem anderen Antibiotikum gegeben wurde. Nierenversagen war bei den Gentamicin-Behandelten häufiger.

 

Ong DSY et al. Short-Course Adjunctive Gentamicin as Empirical Therapy in Patients With Severe Sepsis and Septic Shock: A Prospective Observational Cohort Study. Clin Infect Dis. 2017 Jun 15;64(12):1731-1736

 

1. Juni 2017

Behandlung der Hepatitis C nach Therapieversagen

 

Die Therapie der chronischen Hepatitis C mit antiviral wirksamen Stoffen führt bei mehr als 90% der Patienten zu einer dauerhaften Beseitigung des Virus. In einer Placebo-kontrollierten Studie bei Patienten, die mit einem NS5A-Inhibitor ohne Erfolg behandelt worden waren, erwies sich eine Dreierkombination aus Sofosbuvir, Velpatasvir und dem neu entwickelten Protease-Inhibitor Voxilaprevir bei 96% der Patienten mit Genotyp 1-Infektion als wirksam (Placebo: 0%). In einer weiteren Studie wurde bei 98% der Patienten mit Genotyp 1-, 2-, oder 3-Infektion, die zuvor keinen NS5-Inhibitor erhalten hatten, ein ähnlich guter Therapieerfolg erzielt, dies gelang mit einer Zweifach-kombination aus Sofosbuvir plus Velpatasvir bei 90%.

 

Bourlière M et al., Sofosbuvir, Velpatasvir, and Voxilaprevir for Previously Treated HCV Infection. N Engl J Med. 2017 Jun 1;376:2134-2146 (Abstract)

 

 

Mai 2017

 

29. Mai 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie 

 

Heft 3, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt die Therapie von Helicobacter pylori-Infektionen unter Berücksichtigung der aktuellen Resistenzsituation. 

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparats ODEFSEY (Tenofovir-Alafenamid, Emtricitabin, Rilpivirin) zur Behandlung der HIV-Infektion ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie: Blutkulturen (III).

 

 

24. Mai 2017

Indikationseinschränkung für Vancomycin

 

Vancomycin wird seit mehr als 50 Jahren zur Therapie schwerwiegender Infektionen angewandt. Das zuständige Komitee CHMP bei der Europäischen Zulassungsbehörde EMA hat die Produktinformationen für das Antibiotikum nun überprüft. Dies ist Teil eines Programms, in dem lang bekannte Antibiotika aktuell evaluiert werden. Demnach sollte Vancomycin nicht mehr zur oralen Behandlung einer Staphylokokken-bedingten Enterokolitis angewandt werden. Die verfügbaren Daten sind nicht ausreichend, um diese Therapie zu rechtfertigen.

Die orale Verabreichung ist demnach nur indiziert bei einer Clostridium difficile-Infektion. Eine Übersicht zur Behandlung der C. difficile-Infektion finden Sie im Heft 2, 2011, dieser Zeitschrift.

 

EMA recommends changes to prescribing information for vancomycin antibiotics, 19. Mai 2017

 

6. Mai 2017

"Antibiotikatherapie von MRSA-Infektionen"

(Heft 3, 2015)

 

Das Heft 3, 2015 dieser Zeitschrift ist jetzt als PDF-Datei frei verfügbar (Archiv). Der Übersichtsartikel beschreibt die Antibiotikatherapie von MRSA-Infektionen.

In der Rubrik „Neueinführungen“ finden Sie kurze Beschreibungen des Cephalosporin-Antibiotikums ZEVTERA (Ceftobiprol) und des Kombinationspräparates VIEKIRAX (Ombitasvir / Paritaprevir) sowie EXVIERA (Dasabuvir) zur Behandlung der chronischen Hepatitis C-Infektion.

 

6. Mai 2017

Neues von der EMA:

Zulassungsantrag für Solithromycin zurückgezogen

 

Das fluorierte Ketolid Solithromycin zeichnet sich durch seine Aktivität gegen Erreger von Atemwegsinfektionen aus.1 Erste Daten zur antibakteriellen Wirkung auch gegen Makroid-resistente Erreger wurden bereits 2008 publiziert, inzwischen wurden drei klinische Studien mit mehr als 1.855 Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie abgeschlossen. Der Antrag auf Zulassung des neuen Antibiotikums in der EU wurde nun jedoch vom Hersteller zurückgezogen. Das zuständige Komitee (CHMP) bei der EMA hatte unter anderem Bedenken wegen möglicher Leberschäden durch den Wirkstoff. Die EMA wurde darüber informiert, dass die US-amerikanische FDA zusätzliche Daten zur Sicherheit des neuen Arzneimittels gefordert hatte. Nach einer Überarbeitung des Antrags soll die Zulassung demnächst erneut beantragt werden.2

 

1. Farrell DJ et al. Results from the Solithromycin International Surveillance Program (2014) Antimicrob Agents Chemother 2016; 60: 3662–3668

 

2. EMA, Withdrawal of the marketing authorisation application for Solithromycin Triskel EU Services (solithromycin). 21. April 2017

 

 

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