Willkommen bei der Zeitschrift für Infektionstherapie!

 

 

INFEKTIO aktuell

Aktuelle Informationen zur Infektionstherapie

 

 

September 2017

 

18. September

Hypervirulente, multiresistente, leicht übertragbare Klebsiellen

 

Klebsiella pneumoniae gehört zu den Enterobacteriaceae. Der Erreger kann Harnwegsinfektionen, Pneumonien und andere Infektionen verursachen. Multiresistente, Carbapenemase-bildende Stämme stellen eine zunehmende Bedrohung dar. Neben diesen resistenten Klebsiellen sind hypervirulente CG23-Stämme bekannt, die als Verursacher von Leberabszessen in Erscheinung treten. Vor diesem Hintergrund findet eine aktuelle Publikation aus Hangzhou, China, große Beachtung. Hier wird über bisher nicht bekannte Stämme von K. pneumoniae berichtet, die gleichzeitig hypervirulent, multiresistent und leicht übertragbar sind. Sie sind durch Transfer der Resistenzplasmide in hypervirulente Stämme entstanden. Auf einer Intensivstation des Universitätsklinikums der ostchinesischen Stadt verstarben fünf Patienten an Pneumonien, die durch diese Erreger ausgelöst wurden. Ähnliche Berichte hatte es bereits zuvor aus China gegeben. Es bleibt nur die Hoffnung, dass eine globale Verbreitung dieser gefährlichen Stämme verhindert werden kann.

 

Gu D et al. A fatal outbreak of ST11 carbapenem-resistant hypervirulent Klebsiella pneumoniae in a Chinese hospital: a molecular epidemiological study.

Lancet Inf Dis (published online, August 29, 2017)

 

Chen L, Kreiswirth BN. Convergence of carbapenem-resistance and hypervirulence in Klebsiella pneumoniae.

Lancet Inf Dis (published online, August 29, 2017)

 

 

8. September 2017

VabomereTM – eine neue Kombination aus Meropenem plus ß-Laktamaseinhibitor

 

Zunehmend häufig werden weltweit resistente Bakterien isoliert, die Carbapeneme durch ß-Laktamasen inaktivieren können (siehe Beitrag Carbapenemresistenz, Heft 2, 2015). Innovative Therapeutika sind daher dringend notwendig.

In den USA wurde Ende August eine Kombination aus Meropenem plus Vaborbactam (Handelsname VabomereTM) zur Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen, inklusive Pyelonephritis, zugelassen. Es soll angewandt werden, wenn die Infektion durch Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae oder Enterobacter cloacae verursacht wird.1

Während Meropenem bereits seit mehr als 20 Jahren verwendet wird, wurde der ß-Laktamaseinhibitor neu entwickelt. Er besitzt keine ß-Laktamstruktur, sondern es handelt sich um ein Boronsäurederivat - eine zyklische bororganische Verbindung.

Die Hemmung von ß-Laktamasen durch Borverbindungen wurde bereits in den 1970er Jahren beschrieben.2 Vaborbactam ist das Resultat einer gezielten Suche nach Hemmstoffen der KPC-Enzyme (KPC = Klebsiella pneumoniae Carbapenemasen). Daten zur In-vitro-Aktivität von Vaborbactam wurden aktuell publiziert3..

 

1. FDA News Release, FDA approves new antibacterial drug.

 

2. Kiener PA, Waley SG. Reversible inhibitors of penicillinases. Biochem J. 1978;169:197-204 (FREE FULL TEXT)

 

3. Lomovskaya O et al. Vaborbactam: Spectrum of Beta-Lactamase Inhibition and Impact of Resistance Mechanisms on Activity in Enterobacteriaceae. Antimicrob Agents Chemother. 2017 Aug 28. [Epub ahead of print] (FREE FULL TEXT)

 

1. September 2017

Neurotoxizität von Antibiotika

 

Fast alle zur antiinfektiven Therapie angewandten Arzneimittel können neurotoxische Wirkungen haben, die sich am peripheren und / oder am zentralen Nervensystem, bzw. an den Sinnesorganen manifestieren. Dies gilt für die ältesten Antibiotika, die Penicilline, ebenso, wie für neue vollsynthetische Wirkstoffe.

Die Kenntnis dieser neurotoxischen Unverträglichkeits-reaktionen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive und sichere Therapie. Bei Beachtung bekannter Risikofaktoren und Aufklärung des Patienten ist es möglich, Häufigkeit und Ausmaß dieser teils irreversiblen, bedeutsamen Nebenwirkungen einer antiinfektiven Therapie zu vermeiden.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Heft 5, 2015, dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv verfügbar.

 

August 2017

 

30. August 2017

Knoblauch verursacht subtherapeutische Darunavir-Konzentrationen

 

Darunavir (PREZISTA u. a.) ist ein häufig verordneter Proteaseinhibitor zur Therapie der HIV-Infektion. Aus Marseille, Frankreich, wird über zwei Patienten berichtet, bei denen offenbar der recht hohe Gehalt von Knoblauch in ihrer Nahrung zu subtherapeutischen Spiegeln von Darunavir führte. Bei einem 27-jährigen Patienten, der etwa 15 Knoblauchzehen pro Woche verzehrte, wurden niedrige Wirkstoffspiegel und eine erhöhte Viruslast gemessen. Die Werte besserten sich nach „Absetzen“ des Knoblauchs.1 In einer früheren Arbeit aus der Schweiz wurde schon auf die Reduktion der Spiegel von Saquinavir (INVIRASE) durch Knoblauchextrakt hingewiesen. Die Interaktion wird offenbar durch eine Induktion von P-Glycoprotein in der Duodenalschleimhaut verursacht.2

 

1. Cloarec N et al. Sub-therapeutic darunavir concentration and garlic consumption; a «Mediterranean» drug-food interaction, about 2 cases. Eur J Clin Pharmacol. 2017 Jul 11. doi: 10.1007/s00228-017-2300-9. [Epub ahead of print]

 

2. Hajda J et al. Garlic extract induces intestinal P-glycoprotein, but exhibits no effect on intestinal and hepatic CYP3A4 in humans. Eur J Pharm Sci. 2010;41:729-35.

doi: 10.1016/j.ejps.2010.09.016

 

 

Juli 2017

 

27. Juli 2017

Neues von der EMA:

Proteaseinhibitor Darunavir in fixer Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen

 

Derzeit sind sechs verschiedene Kombinationspräparate zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie mit einer Tablette im Handel. Es handelt sich um Kombinationen aus zwei nukleosidischen  Hemmstoffen der reversen Transkriptase mit einem nicht-nukleosidischen Hemmstoff des Enzyms oder einem Integraseinhibitor.

Erstmals wurde jetzt eine Eintabletten-Kombination mit einem Proteaseinhibitor vom CHMP zur Zulassung empfohlen. In dem Präparat Symtuza® wird Darunavir mit Emtricitabin und Tenofovir-Alafenamid kombiniert. Der Zusatz von Cobicistat erhöht die systemische Exposition mit Darunavir (Tabelle).

 

EMA, Summary of opinion SYMTUZA

 

24. Juli 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie

 

Heft 4, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Archiv verfügbar (PDF mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt die „Prävention von chirurgischen Wundinfektionen“.

 

Die Kurzbeschreibung des Enzyminhibitors Cobicistat ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar. Das Ritonavir-Derivat ohne eigene antivirale Aktivität wird zunehmend als „booster“ zur „pharmakokinetischen Verstärkung“ in Kombination mit verschiedenen Virustatika angewandt.

 

In der Reihe „Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie“ finden Sie einen weiteren Beitrag zum Thema Blutkulturen (IV).

 

1. Juli 2017

Antibiotikatherapie bei geriatrischen Patienten

(Heft 4, 2015)

 

Die physiologischen Veränderungen des menschlichen Körpers im Alter disponieren zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Infektionen beim alten Menschen manifestieren sich häufig atypisch. Vermehrt werden Verwirrtheit und Störungen der Bewusstseinslage als erste Infektionssymptome beobachtet. Die Dosierung von Antibiotika beim alten Menschen sollte die veränderten exkretorischen und metabolischen Funktionen berücksichtigen, die erhebliche Einflüsse auf die Pharmakokinetik sowie Dosierung von Antibiotika und auch auf mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten haben.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Heft 4, 2015 dieser Zeitschrift. Die PDF-Datei ist jetzt ohne Kennwortschutz im Archiv verfügbar.

 

Juni 2017

 

30. Juni 2017

Neue S2k-Leitlinie: Tuberkulose im Erwachsenenalter

 

Eine umfassende Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Tuberkulose, einschließlich Chemoprävention und –prophylaxe, ist in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Pneumologie“ erschienen (PubMed Abstract).

 

 

27. Juni 2017

Neues von der EMA:

Zwei neue Kombinationspräparate zur Behandlung der Hepatitis C

 

In Europa sind etwa 15 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis C erkrankt. Vor einigen Tagen teilte die europäische Arzneimittelbehörde EMA mit, dass die Zulassung von zwei neuen Arzneimitteln zur Behandlung der Hepatitis C vom zuständigen Komitee CHMP empfohlen wird.

 

VOSEVI ist der Handelsname für eine Dreifachkombination aus dem bekannten Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir, sowie Voxilaprevir, einem Protease-Inhibitor, und dem NS5A-Inhibitor Velpatasvir. Es wirkt gegen alle Genotypen und kann bei Patienten angewandt werden, bei denen eine vorherige Behandlung mit anderen direkt wirkenden Virustatika erfolglos war. Über eine klinische Studie mit dem Medikament hatten wir bereits am 1. Juni berichtet (siehe unten).

EMA, Summary of Opinion VOSEVI

 

Das andere Arzneimittel wird unter dem Namen MAVIRET in den Handel kommen. Hier wurden die Wirkstoffe Glecaprevir (Protease-Inhibitor) und Pibrentasvir (NS5A-Inhibitor) kombiniert. Die Kombination wirkt gegen alle Genotypen von HCV und kann auch bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz und Dialyse verordnet werden.

EMA, Summary of Opinion MAVIRET

 

Tabelle

Eine aktuelle Tabelle über alle Virustatika zur Behandlung der chronischen Hepatitis C finden Sie hier als PDF-Datei.

Virustatika Hepatitis C
Tabelle Virustatika Hepatitis C Juni201[...]
PDF-Dokument [29.5 KB]

22. Juni 2017

Therapieergebnis bei Sepsis durch Gentamicin nicht verbessert

Niederländische Intensivmediziner konnten keinen Nutzen durch Gentamicin bei Patienten mit Sepsis feststellen. Das Aminoglykosid führte nicht zu einem besseren Therapieresultat, wenn es zusätzlich für zwei Tage als Ergänzung zu einer Therapie mit einem Cephalosporin oder einem anderen Antibiotikum gegeben wurde. Nierenversagen war bei den Gentamicin-Behandelten häufiger.

 

Ong DSY et al. Short-Course Adjunctive Gentamicin as Empirical Therapy in Patients With Severe Sepsis and Septic Shock: A Prospective Observational Cohort Study. Clin Infect Dis. 2017 Jun 15;64(12):1731-1736

 

1. Juni 2017

Behandlung der Hepatitis C nach Therapieversagen

 

Die Therapie der chronischen Hepatitis C mit antiviral wirksamen Stoffen führt bei mehr als 90% der Patienten zu einer dauerhaften Beseitigung des Virus. In einer Placebo-kontrollierten Studie bei Patienten, die mit einem NS5A-Inhibitor ohne Erfolg behandelt worden waren, erwies sich eine Dreierkombination aus Sofosbuvir, Velpatasvir und dem neu entwickelten Protease-Inhibitor Voxilaprevir bei 96% der Patienten mit Genotyp 1-Infektion als wirksam (Placebo: 0%). In einer weiteren Studie wurde bei 98% der Patienten mit Genotyp 1-, 2-, oder 3-Infektion, die zuvor keinen NS5-Inhibitor erhalten hatten, ein ähnlich guter Therapieerfolg erzielt, dies gelang mit einer Zweifach-kombination aus Sofosbuvir plus Velpatasvir bei 90%.

 

Bourlière M et al., Sofosbuvir, Velpatasvir, and Voxilaprevir for Previously Treated HCV Infection. N Engl J Med. 2017 Jun 1;376:2134-2146 (Abstract)

 

 

Mai 2017

 

29. Mai 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie 

 

Heft 3, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur mit Kennwort für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel beschreibt die Therapie von Helicobacter pylori-Infektionen unter Berücksichtigung der aktuellen Resistenzsituation. 

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparats ODEFSEY (Tenofovir-Alafenamid, Emtricitabin, Rilpivirin) zur Behandlung der HIV-Infektion ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie: Blutkulturen (III).

 

 

24. Mai 2017

Indikationseinschränkung für Vancomycin

 

Vancomycin wird seit mehr als 50 Jahren zur Therapie schwerwiegender Infektionen angewandt. Das zuständige Komitee CHMP bei der Europäischen Zulassungsbehörde EMA hat die Produktinformationen für das Antibiotikum nun überprüft. Dies ist Teil eines Programms, in dem lang bekannte Antibiotika aktuell evaluiert werden. Demnach sollte Vancomycin nicht mehr zur oralen Behandlung einer Staphylokokken-bedingten Enterokolitis angewandt werden. Die verfügbaren Daten sind nicht ausreichend, um diese Therapie zu rechtfertigen.

Die orale Verabreichung ist demnach nur indiziert bei einer Clostridium difficile-Infektion. Eine Übersicht zur Behandlung der C. difficile-Infektion finden Sie im Heft 2, 2011, dieser Zeitschrift.

 

EMA recommends changes to prescribing information for vancomycin antibiotics, 19. Mai 2017

 

6. Mai 2017

"Antibiotikatherapie von MRSA-Infektionen"

(Heft 3, 2015)

 

Das Heft 3, 2015 dieser Zeitschrift ist jetzt als PDF-Datei frei verfügbar (Archiv). Der Übersichtsartikel beschreibt die Antibiotikatherapie von MRSA-Infektionen.

In der Rubrik „Neueinführungen“ finden Sie kurze Beschreibungen des Cephalosporin-Antibiotikums ZEVTERA (Ceftobiprol) und des Kombinationspräparates VIEKIRAX (Ombitasvir / Paritaprevir) sowie EXVIERA (Dasabuvir) zur Behandlung der chronischen Hepatitis C-Infektion.

 

6. Mai 2017

Neues von der EMA:

Zulassungsantrag für Solithromycin zurückgezogen

 

Das fluorierte Ketolid Solithromycin zeichnet sich durch seine Aktivität gegen Erreger von Atemwegsinfektionen aus.1 Erste Daten zur antibakteriellen Wirkung auch gegen Makroid-resistente Erreger wurden bereits 2008 publiziert, inzwischen wurden drei klinische Studien mit mehr als 1.855 Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie abgeschlossen. Der Antrag auf Zulassung des neuen Antibiotikums in der EU wurde nun jedoch vom Hersteller zurückgezogen. Das zuständige Komitee (CHMP) bei der EMA hatte unter anderem Bedenken wegen möglicher Leberschäden durch den Wirkstoff. Die EMA wurde darüber informiert, dass die US-amerikanische FDA zusätzliche Daten zur Sicherheit des neuen Arzneimittels gefordert hatte. Nach einer Überarbeitung des Antrags soll die Zulassung demnächst erneut beantragt werden.2

 

1. Farrell DJ et al. Results from the Solithromycin International Surveillance Program (2014) Antimicrob Agents Chemother 2016; 60: 3662–3668

 

2. EMA, Withdrawal of the marketing authorisation application for Solithromycin Triskel EU Services (solithromycin). 21. April 2017

 

 

April 2017

 

15. April 2017

Helicobacter pylori – eine Osterüberraschung!

 

Vor 35 Jahren, im April 1982, machten die späteren Nobelpreisträger J. Robin Warren und Barry Marshall eine entscheidende Beobachtung, die zur Identifizierung von Helicobacter pylori führte. Üblicherweise wurden ihre Kulturplatten nach 48 Stunden entsorgt, wegen der Osterfeiertage standen sie diesmal jedoch fünf Tage lang im Inkubator. Am Dienstag nach Ostern waren überraschen-derweise kleine Kolonien gramnegativer Bakterien zu sehen. In der Folge kam es bekanntlich zu einem Paradigmen-wechsel in der Behandlung gastrointestinaler Ulcera.

 

Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift für Infektionstherapie wünschen allen Lesern Frohe Osterfeiertage!

 

Marshall B. Helicobacter connections.

ChemMedChem. 2006;1:783-802

 

Warren JR. Helicobacter: the ease and difficulty of a new discovery (Nobel lecture). ChemMedChem. 2006;1:672-85

 

 

12. April 2017

Abacavir fördert die Adhärenz von Thrombozyten am Endothel

 

Bei Behandlung mit dem Nukleosid-Analogon Abacavir (ZIAGEN, in: TRIUMEQ u.a.) wurde ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen beobachtet. Dieser Befund wird allerdings kontrovers diskutiert, da andere Arbeiten eine entsprechende Korrelation nicht nachweisen konnten. Aktuell publizierte in vitro-Experimente zeigen, dass der Arzneistoff über purinerge Rezeptoren (ATP-P2X7) die Adhärenz von Thrombozyten an Endothelzellen fördert. Dies könnte eine plausible Erklärung für das beobachtete erhöhte Herzinfarktrisiko sein.

 

Alvarez A et al. Abacavir induces platelet-endothelium interactions by interfering with purinergic signalling: A step from inflammation to thrombosis. Antiviral Res 2017 May;141:179-185

 

 

11. April 2017

Nephrotoxizität von Vancomycin in Kombination mit ß-Laktamantibiotika

 

Vancomycin muss gelegentlich mit einem Pseudomonas-wirksamen ß-Laktamantibiotikum kombiniert werden. In zwei retrospektiven Studien wurde in den USA untersucht, bei welcher Kombination eher nephrotoxische Reaktionen zu erwarten sind. Beide Studien kamen zum gleichen Ergebnis: nephrotoxische Reaktionen durch Vancomycin waren bei Patienten, die gleichzeitig Piperacillin / Tazobactam erhalten hatten deutlich häufiger als bei Patienten die gleichzeitig mit Cefepim behandelt worden waren.

 

Navalkele B et al. Risk of Acute Kidney Injury in Patients on Concomitant Vancomycin and Piperacillin-Tazobactam Compared to Those on Vancomycin and Cefepime. Clin Infect Dis. 2017 Jan 15;64(2):116-123

 

Rutter WC et al. Nephrotoxicity during Vancomycin Therapy in Combination with Piperacillin-Tazobactam or Cefepime. Antimicrob Agents Chemother. 2017 Jan 24;61(2). pii: e02089-16

 

 

März 2017

 

28. März 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie 

Heft 2, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur für Abonnenten).

 

Der Übersichtsartikel fasst aktuelle Erkenntnisse zur antiinfektiven Therapie der Sepsis zusammen.

 

Die Kurzbeschreibung des Nukleotid-Analogons Tenofovir-Alafenamid zur Behandlung der chronischen Hepatitis B ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie: Blutkulturen (II).

 

 

10. März 2017

 

Engpass in der Piperacillin-Versorgung (1):

Schließung europäischer Anlagen schafft Abhängigkeit von Herstellern aus Fernost

 

Nach der Explosion eines Ethanolkessels in Jinan, im Osten Chinas, fiel im Oktober 2016 eine der weltweit bedeutendsten Piperacillin-Produktionsstätten aus. Dieses Ereignis machte die Abhängigkeit unserer Antibiotikaversorgung von Produktionsstätten in Fernost wieder deutlich sichtbar. Etwa zur gleichen Zeit soll die Antibiotikaproduktion in Frankfurt-Höchst komplett abgewickelt werden. Unter rationalen Gesichtspunkten ist die Schließung der funktionsfähigen GMP-konformen Antibiotikaproduktion nicht nachvollziehbar. Die Entscheider aus Gesundheitspolitik, Krankenkassen und pharmazeutischer Industrie sollten bedenken, dass kurzfristige monetäre Entscheidungen sich rasch als Fehler herausstellen können. Auf den ersten Blick ökonomisch konsequent – aber ohne Berücksichtigung der daraus erwachsenen Abhängigkeiten.

 

Beck C. Ökonomisch geplanter Notstand. Dtsch Apo Ztg 2017; 157:24-28

 

 

10. März 2017

 

Engpass in der Piperacillin-Versorgung (2):

Welche Alternativen stehen für Piperacillin-Tazobactam zur Verfügung?

 

In einer Initiative der Fachgesellschaften DGI, DGPI und des RKI werden Alternativen zum kalkulierten Einsatz von Piperacillin-Tazobactam veröffentlicht. Für Erwachsene werden Therapieoptionen bei schweren Pneumonien, bei febriler Neutropenie sowie bei Uro- und Cholangiosepsis genannt. In einer weiteren Tabelle werden die therapeutischen Optionen bei schwerwiegenden Infektionen im Kindes- und Jugendalter gelistet.

 

Abele-Horn M, Kern W, Liese J. Alternativen für die 1. Wahl. DÄ 2017; 114:B360-B361

 

 

 

7. März 2017

 

Dringlichkeitsliste der WHO für die Entwicklung neuer Antibiotika mit Aktivität gegen resistente Bakterien

 

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die WHO Ende Februar 2017 eine Liste von bakteriellen Krankheits-erregern publiziert, die aufgrund ihrer Antibiotikaresistenz eine Bedrohung darstellen. Die Liste soll Forschungs-aktivitäten auf diesem Gebiet fördern und ist Teil der WHO-Aktivitäten, um auf die globale Resistenz-entwicklung gegen Antibiotika aufmerksam zu machen.

 

Besonders herausgestellt wird eine Gruppe von gramnegativen Erregern, einschließlich der resistenten Enterobacteriaceae, zu denen u.a. Klebsiella, E. coli, Serratia und Proteus zählen.

 

Mycobacterium tuberculosis wird hier nicht aufgezählt, da dieser Erreger in anderen Programmen der WHO adressiert wird.

 

Liste der problematischen Erreger

Die Namen der Erreger sind mit kurzen Beschreibungen verknüpft; eine Liste wichtiger Krankheitserreger finden Sie hier

 

 

Dringlichkeit: kritisch

 

1

Acinetobacter baumannii

Carbapenem-

resistent

2

Pseudomonas aeruginosa

Carbapenem-

resistent

3

Enterobacteriaceae
(z. B. Klebsiella, E. coli, Serratia, Proteus)

Carbapenem-resistent,

ESBL-produzierend

 

Dringlichkeit: hoch

 

4

Enterococcus faecium

Vancomycin-

resistent

5

Staphylococcus aureus

Methicillin-resistent,

Vancomycin-inter-mediär und -resistent

6

Helicobacter pylori

Clarithromycin-resistent

7

Campylobacter spp.

Fluorchinolon-

resistent

8

Salmonellae

Fluorchinolon-

resistent

9

Neisseria gonorrhoeae

Cephalosporin- /
Fluorchinolon-resistent

 

Dringlichkeit: mittelgradig

 

10

Streptococcus pneumoniae

Penicillin-

resistent

11

Haemophilus influenzae

Ampicillin-

resistent

12

Shigella spp.

Fluorchinolon-

resistent

 

WHO, 27. Februar 2017; www.who.int

 

 

1. März 2017

"Bakterizide versus bakteriostatische Antibiotika"

(Heft 2, 2015)

 

Das Heft 2, 2015 dieser Zeitschrift ist jetzt als PDF-Datei frei verfügbar (Archiv). Der Übersichtsartikel beleuchtet die klinische Relevanz der Wirkungsweise von Antibiotika: bakterizid oder bakteriostatisch?

In der Rubrik „Neueinführungen“ finden Sie kurze Beschreibungen des Antituberkulotikums Delamanid (DELTYBA), des HIV-Kombinationspräparates TRIUMEQ und der Posaconazol-Zubereitung zur intravenösen Infusion (NOXAFIL).

 

Februar 2017

 

27. Februar 2017

Verträglichkeit von Tedizolid bei längerer Behand-lungsdauer – ein Fallbericht aus Spanien

 

Tedizolid (SIVEXTRO) ist nur bei Hautinfektionen für eine maximale Therapiedauer von sechs Tagen  zugelassen. Bei einem Patienten mit einer Mykobakterien-Infektion wurde das Oxazolidinon deutlich länger verabreicht. Ein erniedrigter Hämoglobinwert zwang dann jedoch nach 58 Tagen zum Absetzen des Arzneimittels. Es ist bemerkenswert, dass Linezolid (ZYVOXID u.a.) zuvor bereits nach 38 Tagen abgesetzt worden war. Dazwischen lag eine Pause von knapp vier Wochen ohne Oxazolidinontherapie. Vergleichende Studien an ausreichend großen Patientengruppen sind notwendig, um das hämatotoxische Potenzial von Tedizolid unter therapeutischen Bedingungen besser abschätzen zu können.

 

Yuste J.R. et al.

J Antimicrob Chemother 2017; 72:625-628

 

 

10. Februar 2017

Fluorchinolone und Chinolone: BfArM stößt europäisches Risikobewertungsverfahren an

 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat ein europäisches Risikobewertungsverfahren für Fluorchinolone angestoßen. Ziel ist eine umfassende Bewertung von schwerwiegenden Nebenwirkungen, die zu starken Einschränkungen und unter Umständen dauerhaften Beeinträchtigungen führen können. Es soll überprüft werden, ob weitere Maßnahmen zur Risikominimierung erforderlich sind. Weiterhin soll die Frage beantwortet werden, ob das Risiko für die bekannten schwerwiegenden Nebenwirkungen Auswirkungen auf das Nutzen-Risiko-Verhältnis hat, insbesondere bei der Anwendung der Arzneimittel für die Behandlung von weniger schwerwiegenden Infektionen.

 

BfArM, Pressemitteilung Nr. 6/17, 10. Februar 2017

 

EMA, Quinolone- and fluoroquinolone-containing medicinal products
 

 

4. Februar 2017

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie 

 

Heft 1, 2017 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur mit Passwort für Abonnenten). In dem Übersichtsartikel werden aktuelle Publikationen zur Frage der optimalen Dauer der Antibiotikatherapie zusammenfassend beschrieben.

Eine verkürzte Therapiedauer ist stets anzustreben, wenn dies ohne Einbuße beim Therapieerfolg möglich ist. So kann bei reduziertem Selektionsdruck eine unnötige Resistenz-entwicklung verhindert werden.

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates ZEPATIER zur Therapie der chronischen Hepatitis C, mit den Inhaltsstoffen Grazoprevir und Elbasvir, ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag zum Stellenwert von "Blutkulturen" in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie.

 

Januar 2017

 

27. Januar 2017

Taenia solium

 

Ärzte aus Neu-Delhi, Indien, berichten in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine über die Entfernung eines Schweinebandwurms (Taenia solium) per Gastroduodenoskopie bei einem 48-jährigen Mann. Die Abbildung zeigt einen 188 cm langen Parasiten, der dem Patienten bereits seit zwei Monaten abdominelle Beschwerden verursacht hatte. Üblicherweise besteht die Therapie dieser in Europa eliminierten Wurminfektion aus der oralen Gabe von Praziquantel oder Albendazol.

 

Philips CA, Sahney A. Taenia solium. N Engl J Med. 2017 Jan 26;376(4):e4

 

 

25. Januar 2017

Verbreitung resistenter Enterobakterien durch Touristen

 

Der Erwerb und die Verbreitung von ESBL- produzierenden Enterobakterien während und nach einer internationalen touristischen Reise sind erheblich und besorgniserregend. Reisende in Regionen mit einem hohen Risiko für ESBL-produzierende Enterobakterien, sollten als potenziell kolonisiert betrachtet werden, wobei die Zeitdauer dieser Kolonisation bis zu 12 Monate betragen kann. In 12 % konnte die Übertragung von ESBL-produzierenden Bakterien auf andere Familien-mitglieder nachgewiesen werden. Dies sind die Resultate einer umfangreichen prospektiven Studie aus Holland in der mehr als 2000 Reisende und Familienangehörige untersucht wurden. Bedeutsame Risikofaktoren für den Erwerb der resistenten Erreger waren eine antibiotische Behandlung während der Reise, eine Diarrhö mit Persistenz nach der Rückkehr sowie eine präexistierende chronische Darmerkrankung.1,2

 

1. Arcilla MS et al. Import and spread of extended-spectrum β-lactamase-producing Enterobacteriaceae by international travellers (COMBAT study): a prospective, multicentre cohort study. Lancet Infect Dis 2017;17:78-85

 

2. Armand-Lefevre L, Ruppé E, Andremont A. ESBL-producing Enterobacteriaceae in travellers: doctors beware. Lancet Infect Dis. 2017;17:8-9
 

        

20. Januar 2017

Alternativ-Therapie der Syphilis mit Doxycyclin

 

In Deutschland ist es in den letzten Jahren zu einem erheblichen Anstieg der Syphilis-Erkrankungen gekommen. Im Jahr 2015 sind 6.834 Fälle gemeldet worden. Bei Patienten mit Penicillin-Allergie kommt als therapeutische Alternative unter anderem Doxycyclin in Betracht. Die Ergebnisse einer aktuellen, retrospektiven Studie aus Shanghai zeigen, dass nicht nur in den frühen Stadien der Lues, sondern auch im spät-latenten Stadium mit Doxycyclin in einer Dosis von zweimal 100 mg täglich über zwei bzw. vier Wochen sehr günstige Ergebnisse erreicht werden können.

 

Dai T et al. Efficacy of Doxycycline in the Treatment of Syphilis. Antimicrob Agents Chemother. 2017;61: e01092-16

 

 

20. Januar 2017

Antibiotika in der Tiermedizin

 

Der Gesamtverbrauch von Antibiotika in der Veterinärmedizin geht in Deutschland seit einigen Jahren zurück. Allerdings stagniert der tonnenweise Verbrauch der humanmedizinisch bedeutsamen Cephalosporine und Fluorchinolone. Einige Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass eine Restriktion der Antibiotika in der Tierhaltung mit günstigen Resistenz-Befunden in der Bevölkerung korreliert.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie (Heft 1, 2017; ab 1. Februar 2017; Passwort erforderlich).

 

 

5. Januar 2017

Nephrotoxizität von Vancomycin in Kombination mit ß-Laktamantibiotika

 

Die Nephrotoxizität von Vancomycin kann durch gleichzeitig gegebene Arzneimittel beeinflusst werden. Bei der Kombination mit einem Pseudomonas-wirksamen ß-Laktamantibiotikum kommen vor allem Piperacillin / Tazobactam oder Cefepim in Frage. Eine umfangreiche retrospektive Studie aus den USA zeigte einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden ß-Laktamantibiotika: 21,4% (Piperacillin / Tazobactam) bzw. 12,5% (Cefepim) der Patienten, die gleichzeitig mit Vancomycin behandelt wurden, zeigten eine Einschränkung der glomerulären Filtrationsrate.

 

Rutter WC et al. Nephrotoxicity during Vancomycin Therapy in Combination with Piperacillin-Tazobactam or Cefepime. Antimicrob Agents Chemother. [Epub ahead of print].

 

 

2. Januar 2017

Neue und alte Glykopeptide – eine vergleichende Übersicht

 

Mit den halbsynthetischen Glykopeptiden Telavancin (VIBATIV), Dalbavancin (XYDALBA) und Oritavancin (ORBACTIV) wurde die Gruppe der Glykopeptidantibiotika erheblich erweitert. Da sie alle einen lipophilen Substituenten besitzen, werden sie auch als Lipoglykopeptide bezeichnet. Vorteilhaft ist die erhöhte antibakterielle Aktivität, die sich zum Teil auch auf Erreger erstreckt, die gegen Vancomycin (diverse Handelsnamen) resistent sind. Aufgrund der langsamen Elimination von Dalbavancin und Oritavancin können Haut- und Weichgewebsinfektionen mit einer Infusion pro Woche bzw. mit einer Einmalgabe behandelt werden.

 

(aus: Heft 1, 2015; als PDF-Datei jetzt frei verfügbar, alle Ausgaben von 1980 bis 2016 finden Sie im Archiv).

 

 

 

2. Januar 2017

Einfluss von Oritavancin auf Gerinnungstests

 

Einige Glycopeptid-Antibiotika, wie zum Beispiel Telavancin (VIBATIV), können Einfluss auf bestimmte, zur Überwachung der Blutgerinnung verwendete Labortests haben. In einer aktuellen Untersuchung wurde der Einfluss von Oritavancin (ORBACTIV) sowohl in vitro als auch bei Probanden untersucht. Ein Anstieg der INR (international normalized ratio) sowie der aPTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) und anderer Tests konnte mit beiden Methoden nachgewiesen werden. Diese Effekte beruhen darauf, dass Oritavancin an Phospholipid-Reagenzien, die in den Tests die Koagulation aktivieren, bindet und damit deren Wirkung hemmt. Der Anti-Faktor-Xa-Test mit chromogenem Substrat, der Thrombinzeit- (TZ) Test und die zur Diagnose der heparininduzierten Thrombozytopenie (HIT) verwendeten Tests wurden nicht durch Oritavancin beeinflusst.

 

Belley A et al. Effects of Oritavancin on Coagulation Tests in the Clinical Laboratory. Antimicrob Agents Chemother 2017 (in press)

 

Dezember 2016

 

30. Dezember 2016

Guten Rutsch!

 

Wir wünschen den Lesern und Abonnenten der Zeitschrift für Infektionstherapie einen guten Start in ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Neues Jahr 2017! Wir werden Sie auch im kommenden Jahr aktuell und kontinuierlich über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie informieren.

Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift

 

29. Dezember 2016

Neue Studie zur Dauer der Antibiotikatherapie

bei Otitis media

 

Die verkürzte Dauer einer Antibiotikatherapie kann dazu beitragen, das Risiko der Resistenzentwicklung zu reduzieren. Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt jedoch, dass dies nicht generell sinnvoll ist und für jede spezielle Indikation überprüft werden muss. Im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie wurden insgesamt 520 Kinder mit einer Otitis media antibiotisch behandelt. Die sechs bis 23 Monate alten Kinder erhielten Amoxicillin / Clavulansäure (diverse Handelsnamen) entweder für 10 Tage oder 5 Tage plus 5 Tage Placebo. Die kürzere Behandlungsdauer war mit einer deutlich höheren Quote von Therapieversagen verbunden (34% vs. 16%). Eine Diarrhö war die häufigste unerwünschte Wirkung, sie trat in beiden Gruppen gleich häufig auf. Die Standardempfehlung einer zehntägigen Antibiotikatherapie bei Kindern dieser Altersgruppe wird durch diese Untersuchung nicht in Frage gestellt.

 

Hoberman A et al. Shortened antimicrobial treatment for acute otitis media in young children. N Engl J Med. 2016 Dec 22;375:2446-2456 FREE FULL TEXT

 

 

8. Dezember 2016

Warnung der EMA vor einer Hepatitis B – Aktivierung durch Hepatitis C-wirksame Virustatika

 

Die Reaktivierung einer chronischen Hepatitis B-Infektion ist bei Patienten beobachtet worden, die sowohl mit Hepatitis B- als auch mit Hepatitis C-Viren infiziert waren und mit Hepatitis-C-wirksamen Virustatika behandelt wurden. Dies scheint die Folge der raschen Wirkung der Hepatitis C-Therapie zu sein, denn die gebräuchlichen Virustatika sind gegen Hepatitis B-Viren nicht wirksam. Das PRAC (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee) der EMA warnt in einer aktuellen Stellungnahme vor diesem Risiko und empfiehlt eine Untersuchung aller Patienten auf Hepatitis B bevor eine Hepatitis C-Therapie begonnen wird. Die Analyse des PRAC begann im März 2016 und berücksichtigte die folgenden Präparate: Daklinza, Exviera, Harvoni, Olysio, Sovaldi und Viekirax. Inzwischen sind zwei weitere Arzneimittel aus dieser Gruppe in der EU zugelassen worden (Epclusa, Zepatier).

 

Pressemitteilung: PRAC warns of risk of hepatitis B re-activation with direct-acting antivirals for hepatitis C, EMA, December 2nd, 2016

 

 

6. Dezember 2016

Eine wenig bekannte Arzneimittel-Interaktion:

Flucloxacillin plus Paracetamol kann Azidose verursachen

 

Seltene unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln werden oft erst nach jahrzehntelangem Gebrauch erkannt. Umso wichtiger sind eine fortwährende Nutzen-Risiko-Bewertung lang bekannter Arzneistoffe und die Auswertung von Spontanmeldungen.

Vom Niederländischen Pharmakovigilanzzentrum wurden 12 Fälle von Frauen im Alter von über 65 Jahren publiziert, die nach einer Behandlung mit Paracetamol und Flucloxacillin eine metabolische Azidose entwickelten (high anion gap metabolic acidosis, HAGMA).1 Ein Fallbericht aus Belgien beschreibt ebenfalls eine ältere Patientin von 82 Jahren, die entsprechend erkrankte. Vor einer gleichzeitigen Gabe dieser Arzneimittel wird daher gewarnt.2

 

1. Jessurun N et al. Advanced Age and Female Sex As Risk Factors for High Anion Gap Metabolic Acidosis After a Drug Interaction Between Paracetamol and Flucloxacillin: A Case Series. J Am Geriatr Soc. 2016;64:e90-e93

 

2. Lanoy C, Bouckaert Y. Metabolic acidosis and 5-oxoprolinuria induced by flucloxacillin and acetaminophen: a case report. J Med Case Rep. 2016;10:184 FREE FULL TEXT

 

 

6. Dezember 2016

Flucloxacillin plus Amoxicillin - Obsolet und nutzlos

 

Die Kombination aus 250 mg Flucloxacillin und 250 mg Amoxicillin (FLANAMOX) entbehrt jeder Rationalität und ist völlig unterdosiert: als Standarddosierung wird eine Kapsel alle 8 Stunden empfohlen. In keiner relevanten Leitlinie wird eine derartige Therapie empfohlen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum solche Arzneimittel in Deutschland zugelassen sind und im Handel angeboten werden können. Umso erstaunlicher, dass die letzte Aktualisierung der Fachinformation erst im November 2015 erfolgte.

 

 

November 2016

 

28. November 2016

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie 

(bis 2015: Zeitschrift für Chemotherapie)

 

Heft 6, 2016 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur mit Passwort für Abonnenten).

 

In dem Übersichtsartikel wird die Therapie der nosokomialen und beatmungsassoziierten Pneumonien zusammenfassend beschrieben. Die neue US-amerikanische Leitlinie zum Management von HAP (hospital-acquired pneumonia) und VAP (ventilator-associated pneumonia) wird dabei berücksichtigt.

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparates EPCLUSA zur Therapie der chronischen Hepatitis C (Genotyp 1 bis 6), mit den Inhaltsstoffen Velpatasvir und Sofosbuvir ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neuein-führungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag "ESBL-bildende Bakterien bei Personen, die in Deutschland Asyl suchen" in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikro-biologie.

 

4. November 2016

Optimierung der Antibiotikatherapie - Behandlung mittels Dauerinfusion

 

Die derzeit verfügbaren Antibiotika müssen möglichst optimal eingesetzt werden. Ein sinnvoller Ansatz für Betalaktam-Antibiotika ist die Gabe als Dauerinfusion, womit die pharmakologischen Indizes dieser Substanzen optimiert und bessere klinische Ergebnisse erreicht werden können. Die bisherigen Studienergebnisse auf der Basis vorwiegend retrospektiver Analysen sind noch nicht zufriedenstellend. Jedoch sollte diese Behandlungsform besonders bei intensivmedizinisch betreuten Patienten mit septischen Infektionen, mit Infektionen durch Erreger mit erhöhten minimalen Hemmkonzentrationen und auch bei neutropenischen Patienten angewandt werden; eine Kontrolle der Dauerinfusionstherapie mittels therapeutischem Drug Monitoring (TDM) wird dabei empfohlen.

 

(aus: Heft 6, 2014; als PDF-Datei jetzt frei verfügbar, alle Ausgaben von 1980 bis 2016 finden Sie im Archiv).

 

Literaturhinweis:

 

Osthoff M, Siegemund M, Balestra G, Abdul-Aziz MH, Roberts JA. Prolonged administration of β-lactam antibiotics - a comprehensive review and critical appraisal. Swiss Med Wkly. 2016 Oct 10; PubMed PMID: 27731492.

 

Oktober 2016

 

29. Oktober 2016

Zikavirus-Infektion nach Rückkehr aus Vietnam

 

Infektionen mit dem Zikavirus kommen in Deutschland als importierte Erkrankungen nach einem Auslandsaufenthalt vor. In den vergangenen 12 Monaten wurden hierzulande mehr als 150 Infektionen durch das Flavivirus gemeldet. Ganz überwiegend lagen die Reiseländer in Süd- und Mittelamerika, doch kommt das Virus auch in afrikanischen Ländern und im asiatischen Raum vor.1 Über den ersten Fall einer in Vietnam erworbenen Zikavirus-Infektion in Deutschland wird im aktuellen Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts berichtet.2 Einige Tage nach der Rückkehr von einer Dienstreise nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt kam es bei einer 47-jährigen Frau zu Abgeschlagenheit, leichter Diarrhö, einem makulären Exanthem und einer transienten Schmerzsymptomatik an den Knöcheln und Handgelenken. Die Diagnose gelang durch den Nachweis des IgM und mittels PCR. Zehn Tage nach Beginn der Symptomatik war die Patientin wieder beschwerdefrei. Bei Reiserückkehrern aus Südostasien muss bei entsprechender Symptomatik auch eine Infektion mit dem Zikavirus differentialdiagnostisch erwogen werden.

 

1. Petersen LR et al. Zika Virus. N Engl J Med. 2016; 374:1552-63 FREE FULL TEXT

 

2. Epidem Bull 2016; Nr. 42 (24. Oktober), S. 467

 

 

4. Oktober 2016

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie 

(bis 2015: Zeitschrift für Chemotherapie)

 

Heft 5, 2016 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur mit Passwort für Abonnenten). In dem Übersichtsartikel werden Neue Antibiotika von 2010 bis 2015 kritisch bewertet. Handelt es sich bei den neun neuen Wirkstoffen um Fortschritte, Verbesserungen oder Pseudoinnovationen?

 

Die Kurzbeschreibung der neuen Zubereitungsform von Levofloxacin zur inhalativen Anwendung  (QUINSAIR) ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag "Lebensfähige, aber nicht kultivierbare Bakterien" in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie.

 

 

September 2016

 

29. September 2016

Azithromycin-Prophylaxe reduziert Infektionsrate nach Kaiserschnitt

 

Bei Kaiserschnittentbindungen wird meist eine Antibiotikaprophylaxe mit Cefazolin (CEFAZOLIN HEXAL u.a.) durchgeführt. Insbesondere bei einer nicht-elektiven Sectio caesaria ist die Rate an postoperativen Infektionen trotzdem hoch. In einer Placebo-kontrollierten Studie an rund 2.000 Frauen konnte in den USA gezeigt werden, dass die Häufigkeit von infektiösen Komplikationen (z. B. Wundinfektionen, Endometritis) durch eine zusätzliche Infusion von 500 mg Azithromycin (ZITHROMAX u.a.) halbiert werden kann. Die Komplikationsrate sank von 12% in der Placebogruppe auf 6,1% nach Verabreichung des Makrolids. Das Ergebnis ist eindeutig, es bleibt jedoch noch offen, ob eine erweiterte Prophylaxe generell empfohlen werden soll. Insbesondere sollten ergänzende mikrobiologische Untersuchungen zur besseren Abschätzung der Nutzen-Risiko-Relation durchgeführt werden.

 

Tita ATN et al.

Adjunctive Azithromycin Prophylaxis for Cesarean Delivery

N Engl J Med 2016; 375:1231-1241 FREE FULL TEXT

 

Weinstein RA, Boyer KM

Antibiotic Prophylaxis for Cesarean Delivery — When Broader Is Better (Editorial)

N Engl J Med 2016; 375:1284-1286 FREE FULL TEXT

 

 

24. September 2016

Pharmakokinetik von Meropenem bei Patienten mit Übergewicht

 

In zwei aktuellen Studien wurde die Pharmakokinetik von Meropenem (MERONEM u. a.) bei normalgewichtigen und stark übergewichtigen Patienten untersucht. Die Ergebnisse zeigten prinzipiell kein unterschiedliches pharmakokinetisches Verhalten des ß-Lakatam-antibiotikums in Abhängigkeit vom Körpergewicht.1,2 Um die Serumkonzentrationen möglichst für eine Zeitdauer von 40 % des Dosierungsintervalles oberhalb der minimalen Hemmkonzentration des Erregers zu halten, sind jedoch insbesondere bei kritisch Kranken mit erhöhter renaler Clearance Meropenem-Dosierungen von 3 x 2.000 mg und höher notwendig1.

 

1. Alobaid AS et al. Effect of Obesity on the Population Pharmacokinetics of Meropenem in Critically Ill Patients. Antimicrob Agents Chemother. 2016 Jul 22;60(8):4577-84

 

2. Chung EK et al. Population Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Meropenem in Nonobese, Obese, and Morbidly Obese Patients. J Clin Pharmacol. 2016  [Epub ahead of print]

 

 

17. September 2016

Weltweite Verbreitung der mcr-1-vermittelten Colistin-Resistenz

 

Die Plasmid-kodierte mcr-1 Resistenz wurde erst vor etwa einem Jahr entdeckt. Aktuelle Untersuchungen von bereits früher isolierten Enterobacteriaceae zeigen jedoch, dass diese Art der Resistenz bereits seit Jahrzehnten vorhanden und weit verbreitet ist.1

 

Im Mai 2016 wurde das Resistenzgen in einem E. coli-Isolat von einer Patientin aus Philadelphia erstmals in den USA nachgewiesen. Trotz intensiver Bemühungen durch die Centers for Disease Control (CDC) konnte nicht geklärt werden, wie es zu der Kolonisierung der Patientin gekommen war. Darüber wird aktuell im MMWR berichtet.2

 

Die Resistenz wurde in den vergangenen Monaten in zahlreichen Ländern aus allen fünf Kontinenten in der Mikroflora von Nutz- und Wildtieren nachgewiesen. Da sie oft auch mit anderen Formen der Resistenz gekoppelt ist, ergeben sich erhebliche Risiken für Patienten mit Infektionen durch gramnegative Erreger. Wirksame Antibiotika stehen in solchen Fällen dann nicht mehr zur Verfügung.

 

1. Schwarz S, Johnson AP. Transferable resistance to colistin: a new but old threat. J Antimicrob Chemother. 2016 Aug;71(8):2066-70   

FREE FULL TEXT

 

2. Kline KE et al. Investigation of First Identified mcr-1 Gene in an Isolate from a U.S. Patient - Pennsylvania, 2016. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2016 Sep 16;65(36):977-8 FREE FULL TEXT

 

August 2016

 

23. August 2016

Warnhinweis „Antibiotikaallergie“ oftmals falsch!

 

Viele Patienten haben einen Vermerk über eine Allergie gegen Penicilline oder andere Antibiotika in den Akten, der sich bei genauer Überprüfung als falsch erweist. Die Betroffenen erhalten als Folge der Warnhinweise meist relativ schlecht verträgliche, weniger wirksame Alternativen. Um die Situation zu verbessern, sollte ein Hinweis auf eine Antibiotikaallergie nur bei eindeutiger Diagnose in eine Krankenakte aufgenommen werden. Der Eintrag sollte detailliert erfolgen, damit die Art der allergischen Reaktion erkennbar ist. Im Zweifelsfall kann die Überprüfung der anamnestischen Angaben durch spezielle allergologische Untersuchungen erfolgen. So lässt sich sicherstellen, dass nach Möglichkeit das wirksamste Antibiotikum mit den geringsten Risiken verabreicht wird.

 

1. Knezevic B et al. The revolving door: antibiotic allergy labelling in a tertiary care centre. Intern Med J. 2016 Aug 17.  [Epub ahead of print] PMID: 27530619.

 

2. Bourke J et al. Improving the Effectiveness of Penicillin Allergy De-labeling. J Allergy Clin Immunol Pract. 2015;3:365-34.e1  PMID: 25609352.

 

23. August 2016

Allergien als unerwünschte Wirkungen einer Antibiotika-therapie

 

Das Heft 5, 2014 dieser Zeitschrift ist jetzt als PDF-Datei frei verfügbar. Der Übersichtsartikel beschreibt schwerwiegende allergische Reaktionen als unerwünschte Wirkungen einer Antibiotikatherapie (alle Ausgaben von 1980 bis 2016 finden Sie im Archiv).

 

4. August 2016

Borrelia recurrentis - Infektion

 

Ärzte aus München berichten in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine über einen 16-jährigen Flüchtling  aus Somalia, der mit Kopfschmerzen, abdominellen Beschwerden, sowie Fieber und Tachykardie in einem Krankenhaus aufgenommen  wurde. Im Blutausstrich  ließen sich Spirochäten nachweisen (Abbildung), mittels PCR-Unter-suchung konnte der Erreger als Borrelia recurrentis identifiziert werden. Die Diagnose Läuse-Rückfallfieber war damit gesichert, der Patient wurde erfolgreich mit Doxycyclin behandelt.

 

von Both, U., Alberer, M. Borrelia recurrentis infection. N Engl J Med 2016; 375;e5 (FREE FULL TEXT)

 

 

3. August 2016

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie 

(bis 2015: Zeitschrift für Chemotherapie)

 

Heft 4, 2016 der Zeitschrift für Infektionstherapie ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur mit Passwort für Abonnenten). In dem Übersichtsartikel werden Aktuelle Aspekte einer Therapie mit Vancomycin zusammenfassend dargestellt.

 

Die Kurzbeschreibung des Kombinationspräparats ZAVICEFTA mit dem neuen ß-Laktamase-Inhibitor Avibactam ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag Screening-Untersuchungen auf multiresistente Erreger in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie.

 

 

 

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Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie

Die Zeitschrift für Infektionstherapie (bis 2015: "Zeitschrift für Chemo-therapie") erscheint im Jahr 2017 im 38. Jahrgang. Herausgeber und Redaktion sind bemüht, Sie kontinu-ierlich und aktuell über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie zu informieren.

 

Die vollständigen, aktuellen Ausgaben der Zeitschrift sind nur im Abonnement erhältlich.

 

Nach 24 Monaten stehen die Hefte als PDF-Dateien  frei zur Verfügung (Frühere Ausgaben und Register).

 

Wir bieten Ihnen auf diesem Wege ebenfalls alle Artikel der Rubrik "Neueinführungen" und einige andere regelmäßige Beiträge aus der Zeitschrift an.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
18. September 2017

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