Willkommen bei der Zeitschrift für Infektionstherapie!

 

 

INFEKTIO aktuell

Aktuelle Informationen zur Infektionstherapie

 

Februar 2016

 

6. Februar 2016

Akute Bilharziose bei einem Medizinstudenten

 

Auslandsaufenthalte sind bei Studierenden beliebt und werden gefördert. Famulaturen und Praktika in außereuropäischen Regionen können allerdings mit infektiologischen Risiken verbunden sein. Dies musste ein 24-jähriger Medizinstudent erfahren, der während einer Famulatur in Uganda ein Bad im Nil genommen hatte. Bald nach seiner Rückkehr in die Niederlande erkrankte er und suchte nach einigen Wochen mit andauerndem Husten, Diarrhöen und Exanthem eine Klinik auf. Die Diagnose lautete Katayama Fieber – also eine akute Schistosomiasis, auch bekannt als Bilharziose. Der Fallbericht mit Röntgenbild und dermatologischem Befund wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht (frei zugänglich). Durch eine Behandlung mit dem Anthelmintikum Praziquantel konnte der Patient geheilt werden.

 

Puylaert C.A.J. und van Thiel P.-P.

N Engl J Med 2016; 374:469

 

3. Februar 2016

Zika-Virus - Epidemiologie, klinische Symptomatik, Diagnose und Therapie

 

Aus medizinischer Sicht wurden die Fakten über den aktuellen Zika-Virus Ausbruch in Südamerika und anderen Regionen zusammengestellt und in der Zeitschrift Annals of Internal Medicine veröffentlicht. Die kurze Publikation geht auf die Epidemiologie und Diagnostik, sowie auf die sehr begrenzten Möglichkeiten der symptomatischen Therapie und Prävention ein. Die Veröffentlichung ist frei zugänglich.

 

Chen LH, Hamer DH. Zika Virus: Rapid Spread in the Western Hemisphere. Ann Intern Med. 2016 Feb 2. doi: 10.7326/M16-0150. [Epub ahead of print]

 

1. Februar 2016

Elbasvir / Grazoprevir – ein Kombinationspräparat zur Behandlung der chronischen Hepatitis C Infektion

 

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat am 28. Januar 2016 ein weiteres Kombinationspräparat zur Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen. Unter dem Namen Zepatier wird eine Kombination aus einem Proteaseinhibitor (Grazoprevir) und einem NS5A-Inhibitor (Elbasvir) angeboten.

 

1. Full Prescribing Information Zepatier

2. FDA-Mitteilung

 

Januar 2016

 

22. Januar 2016

Plasmid-kodierte, übertragbare Colistin-Resistenz

 

Colistin bzw. Colistin-Methansulfonat (COLISTIMETHAT u.a.) wird bei lebensbedrohlichen Infektionen durch gramnegative Erreger eingesetzt, wenn andere Antibiotika nicht infrage kommen. Bisher wurde eine Plasmid-gebundene Colistin-Resistenz, die zwischen verschiedenen Bakterienarten übertragen werden kann, nicht beschrieben. Vor einigen Wochen berichteten Wissenschaftler aus China erstmals über das übertragbare Gen mcr-1 in E. coli, welches eine Colistin-Resistenz vermittelt. Anschließende Untersuchungen zeigten, dass das in Fernost beschriebene Resistenzgen auch in Europa bereits seit einigen Jahren verbreitet ist. Die weltweite, massenhafte Verwendung von Colistin in der Nutztierhaltung ist offenbar ein wesentlicher Motor dieser katastrophalen Entwicklung.

 

1. Liu YY, Wang Y, Walsh TR, Yi LX, Zhang R, Spencer J et al.
Emergence of plasmid-mediated colistin resistance mechanism MCR-1 in animals and human beings in China: a microbiological and molecular biological study. Lancet Infect Dis. 2015 Nov 18. [Epub ahead of print]


2: Falgenhauer L, Waezsada SE, Yao Y, Imirzalioglu C, Käsbohrer A, Roesler U, Michael GB, Schwarz S, Werner G, Kreienbrock L, Chakraborty T; RESET consortium. Colistin resistance gene mcr-1 in extended-spectrum β-lactamase-producing and carbapenemase-producing Gram-negative bacteria in Germany. Lancet Infect Dis. 2016 Jan 7.  [Epub
ahead of print]

 

 

18. Januar 2016

Fluorchinolon-induzierte Tendopathien: zwei bemerkenswerte aktuelle Publikationen

 

Berechnungen der FDA zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Fluorchinolonen und Sehnenrupturen.1 Insgesamt wurden 2495 Fallberichte ausgewertet. Der EBGM-Wert zur Quantifizierung der Assoziation war für Levofloxacin (TAVANIC u.a.) deutlich höher als für andere Chinolone. Eine weitere Studie aus Spanien zeigt, dass der Einsatz von Levofloxacin zur Tuberkulose-Prophylaxe bei Transplantationspatienten nicht sinnvoll ist, weil bei längerfristiger Gabe von 500 mg täglich bei 18% der Patienten - und damit unerwartet häufig - eine schwerwiegende Tendosynovitis auftrat.2

 

1. Arabyat RM, Raisch DW, McKoy JM, Bennett CL. Fluoroquinolone-associated tendon-rupture: a summary of reports in the Food and Drug Administration's adverse event reporting system. Expert Opin Drug Saf. 2015 Nov;14(11):1653-60

 

2. Torre-Cisneros J, San-Juan R, Rosso-Fernández CM, Silva JT et al. Tuberculosis prophylaxis with levofloxacin in liver transplant patients is associated with a high incidence of tenosynovitis: safety analysis of a multicenter randomized trial. Clin Infect Dis. 2015 Jun 1;60(11):1642-9.

 

 

16. Januar 2016

Antimykotische Therapie – eine neue Internetseite informiert aktuell über Arzneimittelinteraktionen

 

In Nijmegen, Niederlande, wurde eine neue Internetseite entwickelt, auf der die Informationen über Interaktionen von Azolen, Echinocandinen und anderen Antimykotika mit Arzneimitteln aus anderen Wirkstoffgruppen zusammengestellt wurden. Nachdem man ein Antimykotikum und eine andere Substanz ausgewählt hat, erhält man eine abgestufte Empfehlung, um die Therapie gegebenenfalls anzupassen. Die Seite www.fungalpharmacology.org ist übersichtlich, einfach in der Handhabung und soll in Zukunft regelmäßig aktualisiert werden.

 

Lempers VJ, Brüggemann RJ. Antifungal therapy: drug-drug interactions at your fingertips. J Antimicrob Chemother. 2016; 71(2):285-9

 

5. Januar 2016

Rote Hand Brief Viekirax / Exviera und Leberfunktion

 

Der Hersteller AbbVie informiert in einem Rote-Hand-Brief über wichtige Sicherheitsinformationen bezüglich der Leberfunktion bei der Anwendung von Viekirax® mit oder ohne Exviera®. Wir hatten bereits am 23. Oktober 2015 an dieser Stelle auf die entsprechende Meldung der FDA hingewiesen.

 

Dezember 2015

 

31. Dezember 2015

Guten Rutsch!

Wir wünschen den Lesern und Abonnenten der Zeitschrift für Infektionstherapie einen guten Rutsch in ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Neues Jahr 2016! Wir werden Sie auch im kommenden Jahr aktuell und kontinuierlich über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie informieren.

Herausgeber und Redaktion der Zeitschrift

 

14. Dezember 2015

Mitteilung der Herausgeber: Namensänderung der Zeitschrift

 

Nach 36 Jahren wird die „Zeitschrift für Chemotherapie“ ab 2016 in „Zeitschrift für Infektionstherapie“ umbenannt.

 

Während das Wort „Chemotherapie“ ursprünglich von Paul Ehrlich auf die antiinfektive Therapie bezogen wurde, um diese Form der Behandlung von der „Serotherapie“ abzugrenzen, wird heute der Begriff meist onkologisch interpretiert. Eine Anpassung an diese Veränderungen ist daher sinnvoll. Darüber hinaus möchten wir mit der Namensänderung in der gegenwärtigen aktuellen infektiologischen Resistenzdiskussion unsere langjährige besondere Kompetenz auf dem Gebiet der rationalen, wissenschaftlich begründeten Infektionstherapie deutlicher dokumentieren.

 

Die Internetausgabe der Zeitschrift für Infektionstherapie ist unter der Adresse www.infektio.de erreichbar. Für eine Übergangszeit werden zunächst alle Inhalte der Internetversion weiter auch unter www.zct-berlin.de erreichbar sein. Wir bitten Sie, entsprechende Lesezeichen in Ihrem Internet-Browser zu ändern.

 

Für unsere Abonnenten und Leser werden sich durch den neuen Namen keine weiteren Veränderungen ergeben.

 

4. Dezember 2015

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Chemotherapie

 

Heft 6, 2015 der ZCT ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur für Abonnenten). Der Übersichtsartikel behandelt die Renaissance alter Antibiotika mit einem Fokus auf Nitrofurantoin.

 

Die Kurzbeschreibung des neuen Glykopeptid-Antibiotikums Oritavancin ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie, Bakterielle Biofilme: Diagnostik am Beispiel der Pneumonie

 

 

November 2015

 

21. November 2015

 

Trotz neuer Gesetze:

Verbrauch von Fluorchinolonen in der Tiermedizin nimmt deutlich zu!

 

Der massenhafte Gebrauch von Antibiotika in der Veterinärmedizin und Landwirtschaft ist erschreckend. Die neuen Gesetze scheinen auf den ersten Blick zwar den erwünschten Effekt zu haben, eine differenzierte Betrachtung zeigt allerdings, dass gerade bei den für die Humanmedizin wichtigen Fluorchinolonen kein Rückgang zu verzeichnen ist.

 

In der Zeitschrift für Chemotherapie ist in mehr als drei Jahrzehnten immer wieder auf diese Problematik hingewiesen worden, wie die folgenden Beispiele zeigen:

 

Heft 6, 1984 (Archiv):

Enteritiden durch resistente Salmonellen von Antibiotika-gefütterten Tieren.

 

Heft 2, 1986 (Archiv):

Irrationaler Gebrauch von Antibiotika – die wichtigsten Ursachen eines weit verbreiteten Phänomens.

 

Heft 4, 1990 (Archiv):

Chinolone bei Geflügel-Salmonellose?

 

Zitat aus Heft 4/1990: Die Ausbietung von Chinolonen für die Veterinärmedizin lässt eine alte Diskussion neu aufleben: Ist es sinnvoll antibakterielle Substanzen, die bei schwersten Infektionen indiziert sein können, im veterinärmedizinischen Bereich einzusetzen? Wenn wir die Vorteile der Chinolone noch eine möglichst lange Zeit nutzen wollen, kann nur vor einer allzu breiten, unkritischen und letztlich nicht indizierten Anwendung gewarnt werden!“

 

Die Bemühungen um eine rationale Antibiotikatherapie dürfen nicht nachlassen - nach wie vor sind Maßnahmen in vielen Bereichen notwendig, um eine Reduktion des Gebrauchs zu erreichen und um wenigstens die Geschwindigkeit der Resistenzausbreitung zu reduzieren.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 6 / 2015, Passwort erforderlich).

 

 

18. November 2015

Tuberkulosebakterien mit Resistenz gegen Bedaquilin und Delamanid

 

In einem Schweizer Krankenhaus wurde ein Patient aus Tibet mit einer extensiv resistenten Tuberkulose behandelt. Der Erreger war praktisch gegen alle Antituberkulotika resistent. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Mykobakterien auch gegen die beiden neueren Antituberkulotika Bedaquilin (SIRTURO) und Delamanid (DELTYBA) Resistenz entwickelten. Schließlich wurde bei dem Patienten nach mehr als zwei Jahren Arzneitherapie eine Lobektomie vorgenommen. Nach dem chirurgischen Eingriff waren keine Mykobakterien mehr nachweisbar.

 

Bloemberg GV et al. Acquired Resistance to Bedaquiline and Delamanid in Therapy for Tuberculosis. N Engl J Med. 2015;373:1986-8 (FREE FULL TEXT)

 

 

Oktober 2015

 

24. Oktober 2015

Indikationserweiterung für CUBICIN (Daptomycin)

 

Das Komitee CHMP der European Medicines Agency (EMA) hat am 22. Oktober eine Indikationserweiterung für CUBICIN (Daptomycin) empfohlen. Während das Antibiotikum bisher nur für Erwachsene zugelassen war, kann es nun auch bei Kindern und Jugendlichen zwischen 1 und 17 Jahren zur Behandlung komplizierter Haut- und Weichgewebeinfektionen angewandt werden.

CHMP Summary of Opinion CUBICIN

 

23. Oktober 2015

FDA-Warnung: Akute schwerwiegende Leberschäden im Zusammenhang mit der Einnahme von Hepatitis C- Kombinationspräparaten

 

Die FDA warnte am 22. Oktober 2015 vor möglichen Leberschäden durch die Arzneimittel VIEKIRA PAK (in Deutschland: EXVIERA plus VIEKIRAX) und TECHNIVIE (in Deutschland: VIEKIRAX), die zur Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen sind (FDA Drug Safety Communication). Weltweit sind mindestens 26 Fälle von akuten, schwerwiegenden hepatischen Reaktionen bekannt geworden, die innerhalb von ein bis vier Wochen nach Beginn der Therapie mit diesen Kombinationspräparaten auftraten und als „möglich“ oder „wahrscheinlich“ Arzneimittel-verursacht eingestuft wurden. Meist waren Patienten betroffen, bei denen bereits zu Therapiebeginn mit VIEKIRA PAK eine fortgeschrittene Leberzirrhose bestand. Eine engmaschige Überwachung der Leberfunktion wird bei diesen Patienten empfohlen. Beim Auftreten entsprechender Symptome, wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Ikterus etc. sollten sich Patienten an einen Arzt wenden. Von einem Absetzen der Therapie ohne ärztlichen Rat wird wegen des Risikos der Resistenzentwicklung abgeraten.

 

22. Oktober 2015

Neurotoxizität von Antibiotika

 

Fast alle zur antiinfektiven Therapie angewandten Arzneimittel können neurotoxische Wirkungen haben, die sich am peripheren und / oder am zentralen Nervensystem, bzw. an den Sinnesorganen manifestieren. Dies gilt für die ältesten Antibiotika, die Penicilline, ebenso, wie für neue vollsynthetische Wirkstoffe. Die Kenntnis dieser neurotoxischen Unverträglichkeitsreaktionen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive und sichere Therapie. Bei Beachtung bekannter Risikofaktoren und Aufklärung des Patienten ist es möglich, Häufigkeit und Ausmaß dieser teils irreversiblen, bedeutsamen Nebenwirkungen einer antiinfektiven Therapie zu vermeiden.

Eine Übersicht zu der Thematik erschien in Heft 5 der ZCT

(online verfügbar für Abonnenten mit Passwort)

Zeitschrift für Chemotherapie, 5 / 2015

 

 

 

13. Oktober 2015

Verursachen Fluorchinolone eine Aortendissektion?

 

Epidemiologen aus Taiwan beschreiben eine Assoziation zwischen der Einnahme eines Fluorchinolons und schweren Aortenerkrankungen (Dissektion, Aneurysma). Eine rate ratio (RR) von 2,43 (95%CI 1,83 – 3,22) wurde berechnet, wenn das Medikament innerhalb von 60 Tagen vor dem Ereignis genommen worden war; lag die Einnahme länger zurück, war die RR etwas geringer. Ein Einfluss unberücksichtigter Störfaktoren auf das Ergebnis ist möglich. Denkbar wäre zum Beispiel, dass die Befunde zufällig erhoben wurden, wenn vor der Verschreibung eines Antibiotikums eine CT-Untersuchung durchgeführt wurde.

 

ANMERKUNG DER REDAKTION:

Die Autoren diskutieren die Effekte auf die Aorta im Zusammenhang mit Wirkungen der Chinolone auf Sehnen, bei denen kein Zweifel an einem Kausalzusammenhang besteht. Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Kollagenanteil der Aorta. Ähnliche Argumentationen wurden vor einigen Jahren publiziert, um die Assoziationen zwischen Retinopathien und einer Chinolontherapie zu erklären. Diese konnten jedoch in nachfolgenden Studien nicht bestätigt werden. Retina und Aorta sind zwar kollagenhaltige Strukturen im menschlichen Körper, aber im Unterschied zur Sehne werden sie besser versorgt. Während Sehnen bradytrophe, nicht vaskularisierte Strukturen sind, erhalten die Kollagenschichten in anderen Organen rascher und unmittelbarer Nährstoffe aus dem Blut. Wahrscheinlich können die Chinolone Sehnen schädigen, weil sie mit Magnesium Chelate bilden und der Magnesiummangel nicht rasch ausgeglichen werden kann.2 Daher ist der Analogieschluss zwischen Sehne, Retina und Aorta problematisch und es ist fraglich, ob die Assoziation zwischen einer Chinolontherapie und Aortaschäden in Folgestudien bestätigt werden kann.

 

1. Lee CC, Lee MG, Chen YS, Lee SH, Chen YS, Chen SC, Chang SC. Risk of Aortic Dissection and Aortic Aneurysm in Patients Taking Oral Fluoroquinolone. JAMA Intern Med. 2015 Oct 5:1-9. doi: 10.1001/jamainternmed.2015.5389. [Epub ahead of print]

 

2. Sendzik J, Lode H, Stahlmann R. Quinolone-induced arthropathy: an update focusing on new mechanistic and clinical data. Int J Antimicrob Agents. 2009 Mar;33(3):194-200

 

5. Oktober 2015

Der Nobelpreis für Medizin geht an die Chinesin YouYou Tu für ihren Anteil bei der Entwicklung Artemisinin-haltiger Malariamittel. In Deutschland sind zwei Kombinationspräparate im Handel.

 

Bereits im Jahr 340 n.C. wurde im chinesischen „Handbuch für die Verschreibung von Arzneimitteln in Notfällen“ bei Fieber eine wässrige Zubereitung von Beifußkraut beschrieben. In den 1970er Jahren wurde Qinghaosu (= Artemisinin) als Wirkstoff dieser Pflanze (Artemisia annua) identifiziert. Nachteile der Substanz sind die kurze Wirkdauer und relativ häufig auftretende Rezidive. Artemisinin-Derivate werden daher mit länger wirksamen Stoffen kombiniert.

 

Mit RIAMET (Artemether plus Lumefantrin) steht seit mehr als 10 Jahren ein entsprechendes Arzneimittel zur Malariatherapie zur Verfügung (vgl. ZCT Heft 2, 2002). Die Kombination aus  Dihydroartemisinin und Piperaquin (EURARTESIM) ist eine ähnlich zusammengesetzte Alternative (vgl. ZCT Heft 1, 2013).

 

Hinweis: Aktuelle Informationen über geeignete Arzneimittel, Behandlungsrichtlinien, aktuelle klinische Studien und andere Aspekte der Malaria-Therapie finden Sie unter http://www.dtg.org/malaria.html

 

5. Oktober 2015

Aluminiumgehalt in Impfstoffen – eine aktuelle Sicherheitsbewertung

 

Immer wieder werden in der Öffentlichkeit die möglichen toxischen Wirkungen des Aluminiums diskutiert. Im „Bulletin zur Arzneimittelsicherheit“ erschien eine aktuelle Sicherheitsbewertung von Aluminium in Impfstoffen. Das Europäische Arzneibuch (Ph. Eur.) begrenzt den Aluminiumgehalt auf 1,25 mg pro Dosis. Die bei uns zugelassenen Impfstoffe liegen alle deutlich unter diesem Grenzwert (Bereich 0,125–0,82 mg Aluminium / Dosis). Die Exposition durch aluminiumhaltige Impfungen liegt in den ersten beiden Lebensjahren im Bereich der Aufnahme durch die Nahrung. Der Beitrag von Impfungen zur lebenslangen Aufnahme von Aluminium ist damit gering und angesichts des Nutzens der Impfungen vertretbar. Es sind keine Untersuchungen bekannt, die eine Gefährdung von Kindern oder Erwachsenen durch Impfungen mit aluminiumhaltigen Adjuvanzien zeigen.

 

WEISSER, K., HEYMANS, L., KELLER-STANISLAWSKI, B.

Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3, September 2015, Seite 7-11

 

 

2. Oktober 2015

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Chemotherapie

 

Heft 5, 2015 der ZCT ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur für Abonnenten). Der Übersichtsartikel beschreibt die Neurotoxizität von Antibiotika.

 

Die Kurzbeschreibung des neuen Glykopeptid-Antibiotikums Dalbavancin ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" frei verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag in der Reihe Aktuelle Epidemiologie und Diagnostik in der Mikrobiologie  Bakterielle Biofilme: Diagnostik und Therapie am Beispiel der bakteriellen Vaginose.

 

 

 

1. Oktober 2015

Kombinationspräparate zur einmal-täglichen antiretroviralen Therapie mit drei antiviralen Wirkstoffen in einer Tablette

 

Angesichts der Notwendigkeit zur lebenslangen Therapie und der raschen Resistenzentwicklung der Viren bei subinhibitorischen Konzentrationen der Wirkstoffe, ist eine möglichst optimale Compliance bzw. Adhärenz des Patienten von erheblicher Bedeutung. Daher ist die Entwicklung von Präparaten mit drei Wirkstoffen in einer Tablette oder Kapsel, die nur einmal täglich genommen werden muss, als ein wesentlicher Fortschritt zu bewerten. Bis heute wurden insgesamt fünf entsprechende Präparate entwickelt.

 

Die Tabelle gibt einen Überblick über die Zusammensetzung der Arzneimittel (anklicken zum Vergrößern, PDF zum download)

September 2015

 

29. September 2015

Genvoya – ein neues Kombinationspräparat zur einmal täglichen antiretroviralen Therapie

 

Nukleoside bzw. Nukleotide, die zur antiviralen Therapie eingesetzt werden, wirken erst nach intrazellulärer Phosphorylierung. Mit Tenofovir-Alafenamid, einem neuen Prodrug des häufig angewandten Nukleotid-Analogons Tenofovir, ist es gelungen, den intrazellulären Anteil des Arzneistoffs zu erhöhen. Im Vergleich zum Tenofovir-Disoproxil kann die Dosierung deshalb deutlich reduziert werden (von 245 mg auf 10 mg). Es resultiert ein geringer Verträglichkeitsvorteil, denn Tenofovir hat ein nephrotoxisches Potenzial. Der neue Wirkstoff wurde am 25. September vom CHMP der EMA als Bestandteil des Kombinationspräparates GENVOYA zur Zulassung empfohlen. Es enthält außerdem Emtricitabin und Elvitegravir, sowie Cobicistat zur Verbesserung der pharmakokinetischen Eigenschaften des Integrase-Inhibitors. Diese Zusammensetzung entspricht dem seit 2013 bekannten Präparat STRIBILD.

 

Genvoya,  Summary of Opinion (CHMP / EMA)

 

 

 

12. September 2015

Grippeimpfung bei Personen unter 65 Jahren schützt auch ältere Patienten

 

Verglichen mit jüngeren Patienten besteht bei älteren Menschen ein höheres Risiko für Erkrankungen und Todesfälle als Folge einer Influenza. In den USA wurde untersucht, ob die Impfrate bei Personen unter 65 Jahren einen Einfluss auf die Influenza-assoziierten Erkrankungen bei Personen jenseits dieser Altersgrenze hat. In einer Datenanalyse von etwa 500.000 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren und mehr als 3,3 Millionen älteren Patienten der Medicare-Versicherung konnte jetzt ein entsprechender Zusammenhang ermittelt werden. Im Vergleich zu Gebieten mit einer Impfrate von weniger als 15% unter den jüngeren Menschen, waren die Influenza-bezogenen Erkrankungen bei Personen im höheren Lebensalter in Gegenden mit einer Impfrate von 26 bis 30% bei den Jüngeren signifikant geringer (adjusted odds ratio 0,8).

 

TAKSLER, G.B. et al.

Clin Infect Dis 2015 (published online 9. September 2015)

 

 

August 2015

 

28. August 2015

Pest im Südwesten der USA

 

In den vergangenen fünf Monaten wurden den Centers for Disease Control (CDC) in den USA 11 Fälle von Pest gemeldet. Das ist eine ungewöhnlich hohe Zahl von Patienten. Zwischen 2001 und 2012 lag die Anzahl zwischen einem und 17 Fällen pro Jahr. Die Erkrankung trat überwiegend in Colorado, Arizona und New Mexico auf. Zwei Fälle standen im Zusammenhang mit einem Aufenthalt im Yosemite Nationalpark in Kalifornien. Die Ausbreitung der Erkrankung erfolgt meist über die Flöhe von infizierten Nagetieren.

 

Hinweise der CDC zu präventiven Maßnahmen:

http://www.cdc.gov/plague/prevention/index.html

 

Unbehandelt verläuft die Pest meist tödlich. Zur Behandlung stehen Streptomycin oder andere Aminoglykosid-Antibiotika zur Verfügung. Die Therapie kann auch mit Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.) oder Fluorchinolonen, wie z. B. Levofloxacin (TAVANIC u.a.) oder Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) erfolgen.

 

Hinweise der CDC zu Diagnostik und Therapie:

http://www.cdc.gov/plague/healthcare/clinicians.html

 

MMWR 2015;64:918-919

http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm6433a6.htm?s_cid=mm6433a6_w

 

 

21. August 2015

Therapie der Hepatitis C bei HIV-Patienten

 

Weltweit sind etwa 4 bis 5 Millionen Menschen koinfiziert mit HIV und Hepatitis C. In zwei aktuellen Publikationen wird die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der Kombination aus Sofosbuvir plus Ledipasvir (HARVONI) oder Sofosbuvir plus Daclatasvir (SOVALDI plus DAKLINZA) bei koinfizierten Patienten beschrieben, die gleichzeitig eine antiretrovirale Therapie erhielten. Nach zwölf Wochen Therapie lag die Ansprechrate („sustained virologic response“) bei 96% bzw. 97%.

 

WYLES, D.L. et al. Daclatasvir plus Sofosbuvir for HCV in Patients Coinfected with HIV-1. N Engl J Med. 2015 Aug 20;373(8):714-725. FREE FULL TEXT

 

NAGGIE, S. et al. Ledipasvir and Sofosbuvir for HCV in Patients Coinfected with HIV-1. N Engl J Med. 2015 Aug 20;373(8):705-713 FREE FULL TEXT

 

 

15. August 2015

Asymptomatische Bakteriurie bei jungen Frauen – Antibiotikatherapie erhöht das Erkrankungs- und Resistenzrisiko

 

Eine Bakteriurie bei jungen Frauen ohne Symptome einer Harnwegsinfektion soll nicht antibiotisch behandelt werden (Ausnahme: Schwangerschaft). Falls dennoch ein Antibiotikum gegeben wird, kommt es anschließend vermehrt zu Harnwegsinfektionen, die signifikant häufiger durch Erreger mit Resistenz gegen die gängigen Antibiotika verursacht werden.

 

Diese aktuell publizierten Daten beziehen sich auf eine Studie aus dem Jahr 2012, über die bereits in der ZCT berichtet wurde (vgl. Zeitschrift für Chemotherapie, Heft 6, 2012, PDF)

 

Neu hinzugekommen, sind jetzt die Daten über die Resistenz der Ereger in einer dreijährigen Nachbeobachtungszeit

 

Cai T et al. Asymptomatic Bacteriuria Treatment is Associated with A Higher Prevalence of Antibiotic Resistant Strains in Women with Urinary Tract Infections. Clin Infect Dis. 2015 Aug 12 [Epub ahead of print] PubMed PMID: 26270684.

 

 

11. August 2015

Isavuconazol – ein neues Azol zur Behandlung der Aspergillose und Mukormykose

 

Im März 2015 wurde das Azol-Antimykotikum Isavuconazol (CRESEMBA) von der US-amerikanischen FDA zugelassen. Ende Juli 2015 hat das Präparat auch vom Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA eine Zulassungsempfehlung erhalten. Das neue Azol kann zur Behandlung von Erwachsenen mit invasiver Aspergillose und invasiver Mukormykose angewandt werden.

 

Juli 2015

 

31. Juli 2015

Ceftolozan – ein neues Cephalosporin mit hoher Aktivität gegen Pseudomonas aeruginosa

 

Vom Komitee für Humanarzneimittel, CHMP, wurde im Juli 2015 die Zulassung von Ceftolozan in Kombination mit Tazobactam befürwortet. Das Cephalosporin weist eine hohe Aktivität gegen P. aeruginosa und andere gramnegative Erreger auf, der Kombinationspartner Tazobactam inhibiert bakterielle ß-Laktamasen. Das Präparat mit dem Handelsnamen ZERBAXA wird intravenös verabreicht. Es kann bei intraabdominellen Infektionen und bei komplizierten Harnwegsinfektionen angewandt werden.

 

30. Juli 2015

EMA: Erstmals Zulassung eines Malaria-Impfstoffs empfohlen

 

Das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der EMA hat Ende Juli 2015 die Zulassung eines Impfstoffes gegen Malaria (P. falciparum) zur Anwendung außerhalb der Europäischen Union empfohlen (Summary of Opinion). Das Präparat mit dem Handelsnamen MOSQUIRIX kann zur Malaria-Impfung bei Kindern im Alter von 6 Wochen bis 17 Monaten angewandt werden. Es wurde unter der Bezeichnung RTS,S/AS01 klinisch geprüft. In den ersten 12 Monaten nach der Vakzination verhindert der Impfstoff eine Malaria-Infektion bei 56% der Kinder, die in einem Alter von fünf bis 17 Monaten geimpft wurden. Bei jüngeren Kindern war der Schutz geringer (31%), innerhalb von vier Jahren nach der Vakzination sinkt die Wirksamkeit auf 16,8%, wie bereits 2013 publiziert wurde (Oluto et al., 2013, free full text).

 

28. Juli 2015

Welthepatitistag, Hepatitis C

 

Im Hinblick auf den Welthepatitistag am 28. Juli wurde im „Epidemiologischen Bulletin“ des Robert-Koch-Instituts, Ausgabe 30/2015, die Situation bei Hepatitis C dargestellt. Infektionen mit Hepatitis-C-Viren gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Obwohl die Infektion durch Medikamente geheilt werden kann, sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jährlich etwa 350.000 bis 500.000 Menschen an den Folgen einer Lebererkrankung durch Hepatitis C.

 

Eine Übersichtstabelle der aktuellen Virustatika zur Behandlung der Hepatitis C und Kurzbeschreibungen der einzelnen Arzneistoffe finden Sie auf unserer Internetseite.

 

 

27. Juli 2015

Neue Ausgabe der Zeitschrift für Chemotherapie

 

Heft 4, 2015 der ZCT ist jetzt im Internet verfügbar (PDF nur für Abonnenten). Der Übersichtsartikel beschreibt die Infektionstherapie bei geriatrischen Patienten.

 

Die Kurzbeschreibung des neuen Oxazolidinons Tedizolid ist in der Rubrik "Antiinfektiva > Neueinführungen" allgemein verfügbar, ebenso wie der aktuelle mikrobiologische Beitrag zu Problemen in der Diagnostik und Epidemiologie von Infektionen durch Clostridium difficile.

 

 

 

16. Juli 2015

Tedizolid - ein Oxazolidinon zur Behandlung von Haut- und Weichgewebeinfektionen

 

Tedizolid (SIVEXTRO) ist ein neues Oxazolidinon, das in einer Dosierung von einmal täglich 200 mg oral oder intravenös bei Haut- und Weichgewebeinfektionen durch grampositive Erreger angewandt werden kann. Im Vergleich zu Linezolid (ZYVOXID) zeigt es eine höhere antibakterielle Aktivität und es wird langsamer eliminiert. In den klinischen Studien war Tedizolid gleich gut wirksam und eindeutig besser verträglich als Linezolid.

(ausführliche Beschreibung unter "Antiinfektiva > Neueinführungen").

Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie

Die Zeitschrift für Infektionstherapie (bis 2015: "Zeitschrift für Chemo-therapie") erscheint im Jahr 2016 im 37. Jahrgang. Herausgeber und Redaktion sind bemüht, Sie kontinu-ierlich und aktuell über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie zu informieren.

 

Die vollständigen, aktuellen Ausgaben der Zeitschrift sind nur im Abonnement erhältlich.

 

Nach 24 Monaten stehen die Hefte als PDF-Dateien  frei zur Verfügung (Frühere Ausgaben und Register).

 

Wir bieten Ihnen auf diesem Wege ebenfalls alle Artikel der Rubrik "Neueinführungen" und einige andere regelmäßige Beiträge aus der ZCT an.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
6. Februar 2016

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