Pseudomembranöse Enterokolitis

Unveränderter Text aus Heft 1, 2001

Ergänzungen am Ende des Textes

 

Kasuistik

 

Ein 72 Jahre alter Patient kommt in die Praxis und klagt über seit zwei Tagen bestehende heftige Durchfälle, die mit Schleim und vereinzelt Blutbeimengungen einhergehen. Der Patient war vor drei Tagen aus der Klinik entlassen worden, wo er über drei Wochen wegen einer schweren purulenten Bronchitis sowohl parenterale wie auch orale Antibiotika in hoher Dosierung erhalten hatte. Das Allgemeinbefinden sei nach dem Einsetzen der Durchfälle erheblich schlechter geworden, es bestünden Temperaturen bis 38,5° C und ein ganz erhebliches Durstgefühl. 

 

Die körperliche Untersuchung ergibt eine Tachykardie um 110/min, einen Blutdruck von 110/70 mm Hg im Liegen am rechten Arm und eine normale Atemfrequenz von 15/min. Im Bereich des Abdomens eine hochgestellte Peristaltik sowie einen diffusen Druckschmerz ohne lokalisierte Resistenz im gesamten Mittel- und Unterbauch. 

 

Diagnose

 

Die Anamnese mit langdauernder Antibiotikaeinnahme und die geschilderten klinischen Befunde bei sonst leerer Krankengeschichte hinsichtlich eines chronischen Darmleidens deuten auf eine pseudomembranöse Enterokolitis hin. Die sofort vorgenommene Blutentnahme erbringt eine Leukozytose von 15 G/l bei 85% Granulozyten und 6 Stabkernigen. Das CRP ist mit 50 mg/l ebenfalls deutlich erhöht, die weiteren Laborwerte sind noch im Normbereich. Der Patient wird aufgefordert, eine Stuhlprobe abzugeben; diese wird zur Untersuchung auf Clostridium difficile und entsprechende Toxine in ein Speziallabor versandt.

 

Pathogenese

 

Während einer Antibiotikabehandlung kann es zu Veränderungen der normalen Darmflora und zu einer starken Vermehrung von Clostridium difficile im Colon kommen. Die gefährliche pseudomembranöse Enterokolitis durch Clostridium difficile kann nach zahlreichen Antibiotika auftreten, vermehrt allerdings nach oraler Gabe von Clindamycin (SOBELIN u.a.), Ampicillin (BINOTAL u.a.) und Tetrazyklinen. Gelegentlich sind auch Zytostatika für eine derartige Enterokolitis verantwortlich. Bei der Colonoskopie, die in der akuten Phase nur mit äußerster Vorsicht vorgenommen werden sollte, finden sich die typischen pseudomembranösen Beläge auf der Colonschleimhaut. Verantwortlich für das Krankheitsbild sind Enterotoxine und Zytotoxine, die von Clostridium difficile gebildet werden können. 

 

Therapie

 

Schwere Formen einer pseudomembranösen Enterokolitis mit starken Durchfällen, hohem Fieber und ausgeprägten Allgemeinsymptomen haben unbehandelt eine schlechte Prognose. Neben der Substitution des Wasser- und Elektrolytverlustes sollte eine antibiotische Therapie mit Metronidazol (CLONT u.a.) in einer Dosierung von 4 x täglich 0,25 g sofort begonnen werden. Früher war Vancomycin (VANCOMYCIN LILLY ENTEROCAPS u.a.) in einer Dosis von 125 mg alle sechs Stunden Mittel der Wahl, jedoch sollten Glykopeptidantibiotika wegen der weltweit vermehrten Resistenzentwicklung von Enterokokken nur möglichst zurückhaltend eingesetzt werden.

 

Rezidive nach Beendigung der Therapie können in 10 - 20% auftreten und sprechen dann allerdings erneut auf Metronidazol oder Vancomycin an. 

 

Ergänzung 2007

 

Beachten Sie auch den Beitrag in der Reihe "Wichtige Erreger in Klinik und Praxis":

Clostridium difficile Heft 6, 2007

 

Ergänzung 2011

 

Einen Übersichtsartikel zur Therapie der Clostridium difficile-Infektion finden Sie in Heft 2, 2011 der Zeitschrift (PDF-Datei im Archiv, Jahrgang 2011).

 

Ergänzung 2012

 

Fidaxomicin – eine neue Option bei C. difficile-Infektionen

Fidaxomicin (DIFICLIR) stellt bei Patienten mit C. difficile-Infektion eine zuverlässig wirksame Alternative zur Behandlung mit Vancomycin oder Metronidazol dar. Es wird in einer Dosierung von 2 x tgl. 200 mg p.o. zur Therapie der C. difficile-Infektion eingesetzt. In zwei umfangreichen kontrollierten Studien erwies es sich als gleichgut wirksam wie Vancomycin (VANCOMYCIN ENTEROCAPS) in einer Dosierung von 4 x tgl. 125 mg oral. Die Häufigkeit von Rezidiven war nach Behandlung mit Fidaxomicin signifikant niedriger als nach Gabe von Vancomycin.

 

Eine ausführliche Beschreibung des Antibiotikums finden Sie in unserer Rubrik Neueinführungen / Kurzbeschreibungen (Heft 5, 2012).

 

Ergänzungen 2019

 

Therapie der C. difficile-Infektion

Nach den aktuellen Empfehlungen der US-amerikanischen infektiologischen Fachgesellschaft IDSA soll bei allen Patienten mit C. difficile-Infektion Vancomycin eingesetzt werden – unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Noch vor einigen Jahren war Metronidazol als bevorzugtes Mittel bei leichten bis mittelschweren C. difficile-Infektionen empfohlen worden.

 

McDonald LC et al.. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA). Clin Infect Dis. 2018 Mar 19;66(7):e1-e48. FREE FULL TEXT

 

 

Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)

In einer umfangreichen retrospektiven Studie wurde das Risiko einer Ausbreitung Vancomycin-resistenter Enterokokken (VRE) als Folge der Therapie einer C. difficile-Infektion untersucht. Es ist demnach unwahrscheinlich, dass die Verwendung von Vancomycin im Vergleich zu Metronidazol zu einem höheren Risiko für eine Infektion durch Vancomycin-resistente Enterokokken führt.

 

Stevens VW, Khader K, Echevarria K, Nelson RE, Zhang Y, Jones M, Timbrook TT, Samore MH, Rubin MA. Use of oral vancomycin for Clostridioides difficile Infection (CDI) and the risk of vancomycin-resistant Enterococci (VRE). Clin Infect Dis. 2019 Sep 3. pii: ciz871. [Epub ahead of print]

 

 

Weitere Ergänzungen

 

Siehe auch

RKI-Ratgeber Clostridioides (Clostridium) difficile

Informationen des Robert Koch-Instituts

 

Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie

Die Zeitschrift für Infektionstherapie (bis 2015: "Zeitschrift für Chemo-therapie") erscheint im Jahr 2019 im 40. Jahrgang. Herausgeber und Redaktion sind bemüht, Sie kontinu-ierlich und aktuell über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie zu informieren.

 

Die vollständigen, aktuellen Ausgaben der Zeitschrift sind nur im Abonnement erhältlich.

 

Nach 24 Monaten stehen die Hefte als PDF-Dateien  frei zur Verfügung (Frühere Ausgaben und Register).

 

Wir bieten Ihnen auf diesem Wege ebenfalls alle Artikel der Rubrik "Neueinführungen" und einige andere regelmäßige Beiträge aus der Zeitschrift an.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seiten:

14. Oktober 2019

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Zeitschrift für Infektionstherapie