Exazerbation der chronischen Bronchitis

Text aus Heft 3, 1998 (aktualisiert)

 

Kasuistik

 

Eine 73 Jahre alte Patientin mit einer seit längerem bekannten Herzinsuffizienz bei abgelaufenem Myokardinfarkt vor einigen Jahren sowie einem langjährigen Gebrauch von Zigaretten mit über 40 Packungsjahren klagt über zunehmende Luftnot, vermehrten, insbesondere morgendlichen Auswurf und auch über eine deutliche gelbliche Verfärbung dieses Auswurfs. Es bestehen keine Temperaturen, jedoch hat die Luftnot ganz erheblich zugenommen. Begonnen hat die Symptomatik vor drei Tagen, nachdem die Patientin sich bei dem Enkel mit einem fieberhaften viralen Atemwegsinfekt angesteckt hatte. Die körperliche Untersuchung zeigt eine deutliche Zyanose, über der Lunge sind ubiquitär trockene bronchitische Geräusche mit verlängertem Exspirium hörbar, darüber hinaus ist perkutorisch das Zwerchfell tiefstehend, wenig beweglich und der Klopfschall hypersonor. Hinweise für eine Pneumonie ergeben sich bei der Auskultation nicht. Die arterielle Blutgasanalyse zeigt eine deutliche Hypoxie mit einem PaO2 von 55 Torr und der "Peak flow", den die Patientin regelmäßig selbst misst, ist auf unter 150 l/min abgefallen. Die peripheren Ödeme an den Unterschenkeln sind deutlicher ausgeprägt als bei der letzten Untersuchung.

 

Diagnose und Ätiologie

 

Diese Patientin leidet als Folge ihres kräftigen Nikotinabusus seit vielen Jahren an einer chronischen mukopurulenten und obstruktiven Bronchitis, die jetzt offensichtlich, beginnend mit einem Virusinfekt, bakteriell exazerbiert ist. Die Patientin erkrankt etwa drei- bis viermal jährlich, insbesondere in den Wintermonaten, an derartigen Exazerbationen und hat schon eine erheblich fortgeschrittene Verminderung ihrer Atmungsfunktion. Bei derartig häufigen Exazerbationen und dem Bild einer fortgeschrittenen chronischen obstruktiven Lungenerkrankung muß neben den üblichen Erregern der purulenten Bronchitis (Haemophilus influenzae, Pneumokokken) auch an Moraxella catarrhalis, Klebsiella Spezies, Proteus Spezies und Enterobacter Spezies gedacht werden. Prinzipiell ist bei diesen Patienten eine adäquate mikrobiologische Untersuchung des Sputums vorzunehmen; auf das Ergebnis dieser Analyse kann jedoch im akuten Fall, insbesondere um eine Krankenhauseinweisung zu vermeiden, nicht gewartet werden.

 

Therapie

 

Bei der mikrobiologischen Ätiologie muß unbedingt auch an die genannten gramnegativen Keime gedacht werden und eine entsprechende empirische Antibiotikatherapie gewählt werden. Empfohlen werden Aminobenzylpenicilline zusammen mit Betalaktamase-Inhibitoren [Ampicillin plus Sulbactam (UNACID), Amoxicillin plus Clavulansäure (AUGMENTAN)]. Weitere Alternativen sind orale Cephalosporinderivate [z.B. Cefuroxim (ELOBACT u.a.) und Loracarbef (LORAFEM)]. Auch Fluorchinolone wie Levofloxacin (TAVANIC) oder Moxifloxacin (AVALOX) und bei Pseudomonas aeruginosa auch Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) sind ebenfalls therapeutische Alternativen.

 

Zusätzlich sollte bei dieser Patientin eine antiobstruktive und sekretolytische Therapie erfolgen, darüber hinaus muß die Einleitung einer Sauerstofflangzeittherapie geprüft werden. Die antibiotische Behandlung wird bis drei Tage über die Entfärbung des Sputums hinaus durchgeführt, was in der Regel etwa acht bis 14 Tage als Zeitrahmen bedeutet.

 

 

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