Epiglottitis 2

aus  Heft 1, 1998, aktualisiert

 

Kasuistik

 

Der Hausarzt wird akut zu einem dringenden Hausbesuch bei einem vierjährigen Jungen gerufen, der nach kurzzeitigen Symptomen einer Rhinitis plötzlich heftige Halsschmerzen, Heiserkeit und hohes Fieber von über 39,5°C entwickelt hat. Zusätzlich sind Schluckstörungen und Atemnot aufgetreten sowie ein vermehrter Speichelfluß und ganz bedrohlich ein inspiratorischer Stridor. Die körperliche Untersuchung zeigt eine hohe Atemfrequenz mit Zyanose, es sind tiefe suprasternale, supraklavikuläre, interkostale und subkostale Inspirationseinziehungen bei der Atmung zu beobachten sowie inspiratorischer Stridor und tracheobronchitische Geräusche. Bei der Inspektion des Rachens zeigt sich ein deutlich entzündeter Pharynx und die Laryngoskopie ergibt eine hoch-rote geschwollene Epiglottis, die mit dickrahmigem, purulentem Sekret bedeckt ist.

 

Diagnose und Ätiologie

 

Die akute Epiglottitis wird fast ausschließlich durch Haemophilus influenzae Typ B verursacht, sehr selten können auch Streptokokken beteiligt sein. Die Häufigkeit einer derartigen Epiglottitis ist bei Kindern im Alter von zwei bis fünf Jahren am größten, sie kann aber in jedem Alter auch bei Erwachsenen auftreten. Zumeist beginnt sie mit einer Nasopharyngitis, der deszendierend dann die Entzündung der Epiglottis und des unteren Tracheobronchialbaumes folgen kann. Häufig besteht eine Bakteriämie. Die entzündete Epiglottis verlegt zusammen mit den häufig umfangreichen entzündlichen Sekreten mechanisch die Luftwege, so dass eine Ateminsuffizienz resultieren kann.

 

Therapie

 

Der Patient sollte sofort in Begleitung eines Arztes stationär eingewiesen werden, wenn die klinische Untersuchung eine Epiglottitis vermuten läßt. Je nach klinischem Befund kann in schwersten Fällen eine Intubation bzw. Tracheotomie notwendig sein. Eine antibiotische Therapie sollte mit einem betalaktamasefesten Antibiotikum erfolgen, da die zumeist nachzuweisenden Haemophilus influenzae-Bakterien häufig Ampicillin-resistent sind. Empfohlen werden Ampicillin plus Sulbactam (UNACID) oder Amoxicillin plus Clavulansäure (AUGMENTAN) bzw. Cephalosporine wie Cefuroxim (CEFUROXIM), Cefotaxim (CLAFORAN) oder Ceftriaxon (ROCEPHIN). Bei Nachweis eines sensiblen Haemophilus influenzae-Stammes kann auch Ampicillin (BINOTAL u.a.) oder Amoxicillin (CLAMOXYL u.a.) erfolgreich gegeben werden. Eine Prävention der durch H. influenzae verursachten Epiglottitis ist heute möglich mit dem hoch-wirksamen Haemophilus B Konjugatimpfstoff (PedvaxHIB), der für Kinder ab zwei Monaten zur Verfügung steht.

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21. September 2020

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