Divertikulitis

Text aus Heft 3, 2000

Ergänzungen am Ende des Textes

 

Kasuistik

 

Ein 76 Jahre alter Patient erscheint in der Praxis und klagt über allmählich entstandene Schmerzen im linken Unterbauch, Wechsel von Obstipation mit dünnflüssigen Stuhlentleerungen und Temperaturen bis 38°C axillär.

 

Diese Symptomatik besteht seit zwei Tagen und ist zum ersten Mal aufgetreten. Die körperliche Untersuchung ergibt einen deutlichen Druckschmerz im linken Unterbauch ohne Zeichen einer Peritonitis und etwas schwachen, insgesamt aber ausreichenden Darmgeräuschen. Die rektale Untersuchung erbringt keine Auffälligkeiten.

 

Diagnose

 

Die geschilderten Symptome und der umschriebene Druckschmerz im linken Unterbauch sowie die febrilen Temperaturen mit Stuhlunregelmäßigkeiten deuten auf eine Divertikulitis hin. Da kein schweres Krankheitsbild vorliegt und auch kein Verdacht auf eine Abszedierung oder Peritonitis besteht, kann eine ambulante Überwachung und Behandlung erfolgen. Das Blutbild zeigt eine geringfügige Leukozytose mit 11.000 Leukozyten/µl Blut und einer Hypersegmentation mit 85 % Granulozyten ohne wesentliche Linksverschiebung; das C-reaktive Protein ist mit 20 mg/l mittelgradig erhöht.

 

Pathogenese

 

Die Divertikulose des Dickdarms im höheren Lebensalter ist die Grundlage für die hier bestehende Divertikulitis. In der akuten Phase muss von einer aeroben-anaeroben Mischinfektion ausgegangen werden, wobei E. coli, Proteus Spezies, Enterokokken sowie Bacteriodes Spezies und Clostridien als Erreger zu bedenken sind.

 

Therapie

 

Eine orale Behandlung mit Antibiotika, zum Beispiel mit Ciprofloxacin  (CIPROBAY) plus Metronidazol (CLONT u.a.), aber auch Ampicillin plus Sulbactam (UNACID) oder Amoxicillin plus Clavulansäure (AUGMENTAN) ist möglich. Zusätzlich sollte eine breiig-flüssige Kost verabreicht werden und zur Reduktion der Motilität sollten Spasmolytika vom Typ des Butylscopolamins (BUSCOPAN u.a.) gegeben werden. Nach Beendigung des akuten Krankheitsbildes  sollte der Patient eine faserreiche Kost erhalten und sich einer Kolonoskopie unterziehen, um die Diagnose zu sichern bzw. andere Ursachen der Symptomatik auszuschließen. Die Rezidivhäufigkeit einer Divertikulitis liegt zwischen 5 und 30 %. Nur bei schweren Schüben mit Abszedierungen oder Perforationen ist eine chirurgische Intervention angezeigt.

 

Ergänzung

 

Antibiotika offenbar nicht notwendig bei unkomplizierter Divertikulitis (s. Beitrag in Heft 4, 2012, Archiv Jahrgang 2012)

 

In einer randomisierten klinischen Studie bei mehr als 600 Patienten mit unkomplizierter Divertikulitis wurde in Schweden gezeigt, dass offenbar in den meisten Fällen eine Antibiotikatherapie nicht erforderlich ist. Der Rückgang der Symptome, wie Fieber und Bauchschmerzen, erfolgte bei den antibiotisch behandelten Patienten ebenso rasch, wie bei denen, die zum Vergleich keine Antibiotika bekommen hatten. Nur bei einigen Patienten musste – trotz anderer Zuordnung – eine antibiotische Therapie begonnen werden, weil sich die Symptome ohne spezifische Therapie verschlechterten. Eine Antibiotikatherapie sollte Patienten mit komplizierter Divertikulitis vorbehalten sein.

 

de Korte N et al. Use of antibiotics in uncomplicated diverticulitis. Br J Surg. 2011;98:761-7

 

Chabok A, Påhlman L, Hjern F, Haapaniemi S, Smedh K; AVOD Study Group. Randomized clinical trial of antibiotics in acute uncomplicated diverticulitis. Br J Surg. 2012; 99:532-9

 

Ergänzung, Literaturhinweis

 

Young-Fadok TM Diverticulitis. N Engl J Med. 2018;379:1635-1642 (PubMed) REVIEW

 

 

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