Chronische Prostatitis

(aus: ZCT 2002, aktualisiert)

 

Kasuistik:

 

Ein 60 Jahre alter Patient erscheint in der Praxis und klagt über seit mehreren Tagen bestehende Schmerzen beim Wasserlassen, Rückenschmerzen, Druck im Dammbereich, gelegentlichen Harnverhalt und postejakulatorische Schmerzen. Diese Symptomatik sei in den letzten zwei Jahren häufiger aufgetreten und es seien wiederholt Bakterien im Urin nachgewiesen worden. 

 

 

Diagnostik:

 

Bei der körperlichen Untersuchung wird kein pathologischer Befund erhoben. Herzfrequenz und Körpertemperatur sind normal, und auch die Nierenlager sind nicht klopf- oder druckempfindlich. Bei der rektalen Untersuchung ist die Prostata mäßig vergrößert und druckdolent. Wegen des Verdachtes auf eine Prostatitis werden bei voller Blase zunächst die ersten 10 ml Urin, danach 10 ml eines Mittelstrahlurins sowie das Prostataexprimat gewonnen. In der mikroskopischen Untersuchung der ersten Urinprobe und auch des Prostatasekretes werden vermehrt Granulozyten und Bakterien nachgewiesen. Bakteriologisch wachsen in diesen beiden Urin- bzw. Sekretproben E. coli in einer Keimzahl von 107/ml. Die Resistenzbestimmung ergibt Unempfindlichkeit dieses Keimes gegenüber Cotrimoxazol (diverse Handelsnamen) sowie Amoxicillin (AMOXYPEN u.a.). 

 

 

Pathogenese:

 

Eine chronische bakterielle Infektion der Prostata ist eine relativ seltene Urogenitalinfektion. Nicht selten bestehen weitere chronische anatomische oder funktionelle Störungen in den ableitenden Harnwegen. Bei Männern mit häufig rezidivierenden Harnwegsinfektionen sollte allerdings ätiologisch unbedingt an das Vorliegen einer chronischen Prostatitis gedacht werden. 

 

 

Therapie:

 

Die häufig isolierten Erreger bei der chronischen Prostatitis sind Enterobakterien, Pseudomonas aeruginosa und Enterokokken. Die Bedeutung von Staphylococcus saprophyticus ist umstritten. In der Resistenzlage des bei diesem Patienten nachgewiesenen E. coli wird eine antibiotische Therapie mit Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) in einer täglichen Dosis von 2 x 500 mg/d eingeleitet. Die Dauer der Therapie einer chronischen Prostatitis sollte mindestens vier Wochen betragen, bei ausgeprägtem Krankheitsbild und häufigen Rezidiven muss bis zu 16 Wochen behandelt werden. Neigen die Patienten auch nach längerer antibiotischer Behandlung zu häufigen Rezidiven, sollte eine Suppressionsbehandlung, z.B. mit Cotrimoxazol (BACTOREDUCT u.a.) in einer Dosis von 1 Forte Tablette täglich oder Nitrofurantoin (FURADANTIN u.a.) 100 mg 1 - 2  Tabletten täglich vorgenommen werden. 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:

2. April 2020

 

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