Zanamivir – jetzt auch zur Infusion

Unveränderter Text aus Heft 1, 2020

 

Zanamivir war der erste Neuraminidase-Inhibitor zur Therapie der Influenza. Der Wirkstoff wird seit 1999 unter dem Handelsnamen RELENZA zur Inhalation mit einem Diskhaler angeboten. Die pharmakologischen Eigenschaften des Arzneistoffs wurden bereits früher in dieser Zeitschrift beschrieben (siehe Zanamivir zur Inhalation). Seit Dezember 2019 ist das Virustatikum als DECTOVA auch zur intravenösen Anwendung verfügbar. Es ist indiziert zur Behandlung der komplizierten und potenziell lebensbedrohlichen Infektion mit Influenza A- oder B-Virus bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen (ab einem Alter von sechs Monaten), wenn andere Mittel zur Behandlung der Influenza für den individuellen Patienten nicht geeignet sind. Damit unterscheidet sich die Zulassung in einigen Punkten von der Zulassung für Peramivir (ALPIVAB). Die Unterschiede werden in der Tabelle 1 zusammengefasst.

 

Tabelle 1: Neuraminidase-Inhibitoren zur intravenösen Verabreichung

 

 

Freiname

 

Zanamivir

 

Peramivir

 

Handelsname

DECTOVA

ALPIVAB

EU Zulassung

April 2019

April 2018

Vertrieb in Deutschland

seit Dezember 2019

zurzeit nicht verfügbar

Indikation (s. Text)

komplizierte

Influenza A und B, wenn andere Medikamente nicht in Frage kommen

unkomplizierte

Influenza A

Dosis

Erwachsene

2 x tgl. 600 mg für

5 bis 10 Tage

Einmalgabe von 600 mg

Dosis

Kinder

nach Körpergewicht, ab 6 Monaten

nach Körpergewicht,

ab 2 Jahren

Klinische Wirksamkeit

entspricht der Therapie mit Oseltamivir

entspricht der Therapie mit Oseltamivir

 

 

Klinische Studie

 

Eine Placebo-kontrollierte Studie wurde nicht durchgeführt. In einer Doppelblindstudie an mehr als 600 Patienten, die stationär behandelt wurden, zeigte die intravenöse Behandlung eine ähnliche Wirksamkeit, wie die orale Therapie mit Oseltamivir. Die Patienten kamen am 3. Tag nach Beginn der Symptome ins Krankenhaus, etwa jeder zweite wurde bereits mit Oseltamivir behandelt und etwa 10 % waren gegen Influenza geimpft. Ein klinischer Erfolg war definiert als Entlassung aus der Klinik oder Fieberfreiheit. Dieser Endpunkt wurde im Median nach 5,1 Tagen mit 2 x täglich 600 mg Zanamivir erreicht und nach 5,6 Tagen mit 2 x täglich 75 mg Oseltamivir. Eine weitere Gruppe hatte eine niedrigere Dosis Zanamivir (300 mg) erhalten. Hier war ein Therapieerfolg nach 5,9 Tagen festzustellen. Die intravenöse Behandlung war unter Berücksichtigung der statistischen Analyse der oralen Therapie nicht überlegen. Die Verträglichkeit war ebenfalls in allen Gruppen ähnlich. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen zählten Diarrhö oder Obstipation.

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

Der lange bekannte Neuraminidase-Inhibitor Zanamivir steht nun auch zur intravenösen Therapie (DECTOVA) zur Verfügung. Es kann zur Behandlung der komplizierten und potenziell lebensbedrohlichen Infektion mit Influenza A- oder B-Virus angewandt werden.

 

 

1. EMA/CHMP Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels Zanamivir i. v. (DECTOVA) PDF-Datei

 

2. Marty FM et al. Intravenous zanamivir or oral oseltamivir for hospitalised patients with influenza: an international, randomised, double-blind, double-dummy, phase 3 trial. Lancet Respir Med. 2017 Feb;5(2):135-146 PubMed

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:

31. März 2020

 

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