Cefepim - ein Cephalosporin mit breitem Spektrum zur parenteralen Therapie

Unveränderter Text aus ZCT Heft 4, 1995


Tabelle: Einteilung der parenteralen Cephalosporine in fünf Gruppen (PEG)
 

Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes


Mit Cefepim (MAXIPIME) wird ein neues Cephalosporin zur parenteralen Therapie von bakteriellen Infektionen angeboten. Es besitzt eine ähnliche chemische Struktur und auch ähnliche Eigenschaften, wie das seit mehr als 10 Jahren angewandte Ceftazidim (FORTUM). Allerdings bestehen auch gewisse Unterschiede zu diesem und zu anderen Cephalosporinen, die das neue Antibiotikum zu einer interessanten Alternative im breiten Angebot der parenteralen Cephalosporine werden lassen.1,2

 

Antibakterielle Wirkung

 

Cefepim bindet - ebenso wie andere ß-Laktamantibiotika - an bestimmte PBPs (= Penicillin-bindende Proteine), die an der bakteriellen Zellmembran lokalisiert sind. Dadurch kommt es zu einer Hemmung des Keimwachstums bzw. einer Lyse der Bakterienzelle. Die physikochemischen Eigenschaften bedingen eine gute Penetrationsfähigkeit der Substanz durch die Zellwand der Erreger. Das antibakterielle Spektrum von Cefepim wird darüber hinaus ganz wesentlich durch seine ausgeprägte ß-Laktamasestabilität bestimmmt. Cefepim ist in vitro gut wirksam gegenüber S. aureus. Der MHK-Wert (= minimale Hemmkonzentration) beträgt mit 2,8 mg/l nur etwa ein Zehntel des Wertes von Ceftazidim. MRSA-Stämme (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) werden jedoch nicht erfaßt. Noch höhere Aktivität besteht gegenüber Streptokokken (einschließlich Pneumokokken). Enterokokken sind jedoch resistent. H. influenzae und die meisten Enterobacteriaceae werden durch Konzentrationen von 0,1 bis 1,0 mg Cefepim pro Liter gehemmt. Aufgrund der Stabilität der Substanz gegenüber ß-Laktamasen aus gramnegativen Bakterien weist Cefepim auch niedrige MHK-Werte gegenüber Enterobacter Species und Citrobacter freundii auf (ca. 0,5 bis 2,0 mg/l), die oftmals bis zu einer Größenordnung niedriger sind, als die von vergleichbaren Cephalosporinen. Cefepim wirkt in vitro gegen Pseudomonas aeruginosa etwa gleich gut wie Ceftazidim. Anaerobe Bakterien sind jedoch resistent.

 

Pharmakokinetische Eigenschaften

 

Nach intravenöser Gabe von 2,0 g Cefepim werden bei gesunden, jüngeren Probanden im Serum mittlere Spitzenspiegel von etwa 140 mg/l erreicht, acht Stunden später wurden noch Konzentrationen von 3,9 mg/l gemessen. Aus dem Kurvenverlauf läßt sich eine Eliminationshalbwertzeit von etwa zwei Stunden errechnen. Bei älteren Patienten war die Halbwertzeit mit drei bis vier Stunden deutlich länger. Bei Patienten mit zystischer Fibrose war die Ausscheidung dagegen nicht signifikant verändert. Die Bindung an Plasmaproteine ist unabhängig von der Konzentration und liegt bei < 20%.


Cefepim wird zu etwa 90% unverändert renal eliminiert, dementsprechend ist die Halbwertzeit bei eingeschränkter Nierenfunktion verlängert - sie beträgt bei Dialyse-Patienten 13 bis 17 Stunden. Die übliche Dosierung von 1,0 bis 2,0 g 2-mal täglich muß bei Niereninsuffizienz reduziert werden. Für Patienten mit einer Kreatinin-Clearence von 11 bis 30 ml/min wird zum Beispiel eine Dosierung von 1,0 g 1- bis 2-mal täglich oder 0,5 g 2-mal täglich empfohlen.

Therapeutische Wirksamkeit

 

In den meisten klinischen Studien wurde die 2-mal tägliche Gabe von Cefepim mit einer dreimal täglichen Ceftazidim-Behandlung verglichen. Bei der Behandlung nosokomialer oder ambulant erworbener Infektionen der unteren Atemwege waren beide Cephalosporine etwa gleich wirksam. S. aureus und P. aeruginosa waren unter beiden Antibiotika die am häufigsten persistierenden Erreger. Auch bei der Behandlung von Bakteriämien, Harnwegsinfektionen und Infektionen der Haut war die Wirksamkeit vergleichbar. In der Behandlung von gynäkologischen Infektionen erwiesen sich 2-mal täglich 2,0 g Cefepim als etwa gleich gut wirksam, wie 3-mal täglich 2,0 g Cefotaxim. Bei neutropenischen Patienten mit Fieber konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen der Wirksamkeit von Cefepim, Ceftazidim oder einer Kombination aus einem Penicillin plus Aminoglykosid festgestellt werden.

Verträglichkeit

 

Auch hinsichtlich der Verträglichkeit verhielt sich Cefepim in den klinischen Vergleichsstudien ähnlich wie andere Cephalosporine. Am häufigsten wurden gastrointestinale Störungen beobachtet. Die Häufigkeit von Diarrhöen wird mit 1,7% der Patienten angegeben. Kopfschmerzen traten während der Therapie bei 3,2% der Patienten auf und Hautausschläge bei 1,8%. Bei 1,4% bzw. 2,9% der Patienten wurde die Therapie mit Cefepim aufgrund von unerwünschten Reaktionen abgesetzt; je nachdem, ob mit Dosierungen von bis zu 2,0 g pro Tag oder mit höheren Dosierungen behandelt wurde.

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

Cefepim (MAXIPIME) besitzt ähnliche Eigenschaften wie Ceftazidim (FORTUM) - allerdings mit besserer Wirksamkeit bei grampositiven Erregern. Aufgrund einer ausgeprägten ß-Laktamasestabilität ist es bei einigen Erregern in vitro wirksamer. Es wird mit einer Halbwertzeit von etwa zwei Stunden ganz überwiegend unverändert renal eliminiert. In klinischen Vergleichsstudien erwies es sich als etwa ebenso wirksam und gut verträglich wie vergleichbare Cephalosporine der dritten Generation. Dabei wurde das neue Präparat nur 2-mal täglich verabreicht. Es eignet sich zur Therapie von schweren, vorwiegend nosokomialen Infektionen der unteren Atemwege und der Harnwege sowie von Infektionen der Haut und von Fieber bei Patienten mit Neutropenie. Ökonomische Aspekte werden sicherlich mit entscheidend sein, welchen Stellenwert dieses Antibiotikum zur Therapie von schweren Infektionen im Krankenhaus erhalten wird.


1. BARRADELL LB, BRYSON HM. Cefepime. A review of its antibacterial activity, pharmacokinetic properties and therapeutic use. Drugs. 1994 Mar;47(3):471-505.

2. OKAMOTO MP, NAKAHIRO RK et al. Cefepime: a new fourth-generation cephalosporin. Am J Hosp Pharm. 1994 Feb 15;51(4):463-77



Ergänzungen (September 2008)

 

Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 4, 1995) sind zahlreiche weitere Arbeiten über Cefepim publiziert worden. Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Arbeiten hingewiesen werden:


1.
BHAT SV, PELEG AY et al. Failure of current cefepime breakpoints to predict clinical outcomes of bacteremia caused by gram-negative organisms. Antimicrob Agents Chemother. 2007 Dec;51(12):4390-5.

2. PAUL M, YAHAV D et al. Empirical antibiotic monotherapy for febrile neutropenia: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Antimicrob Chemother. 2006 Feb;57(2):176-89.

3. YAHAV D, PAUL M et al. Efficacy and safety of cefepime: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infect Dis. 2007 May;7(5):338-48.

4. PLENSA E, GALLARDO E et al. Nonconvulsive status epilepticus associated with cefepime in a patient undergoing autologous stem cell transplantation. Bone Marrow Transplant. 2004 Jan;33(1):119-20.

 

 

Ergänzung (2020)

 

Leitlinie der PEG

Auf die ausführliche S2k Leitlinie (AWMF-Registernummer 082-006) der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.v.  (PEG) Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – update 2018 (2. aktualisierte Version; 25. Juli 2019) sei an dieser Stelle hingewiesen. Link zum download der PDF-Datei

 

 

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Die Zeitschrift für Infektionstherapie (bis 2015: "Zeitschrift für Chemo-therapie") erscheint im Jahr 2020 im 41. Jahrgang. Herausgeber und Redaktion sind bemüht, Sie kontinu-ierlich und aktuell über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie zu informieren.

Letzte Aktualisierung dieser Seiten:

23. Oktober 2020

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