Salpingitis

(aus ZCT 1-2003, aktualisiert)

 

Kasuistik:

 

Eine 28 Jahre alte Patientin erscheint in der Praxis und klagt über akute Schmerzen im linken Unterbauch seit 24 Stunden.  Dabei bestehen keine Beschwerden beim Wasserlassen und keine Stuhlauffälligkeiten; die letzte Menstruation war vor einer Woche.  Zusammen mit dem abrupt auftretenden Schmerz sei auch Fieber bis 39°C gemessen worden.

 

 

Diagnostik.

 

  Die körperliche Untersuchung bestätigt zunächst die erhöhte Körpertemperatur mit 38,5°C.  Darüber hinaus besteht ein deutlicher Druckschmerz im linken Unterbauch mit einer schmerzhaften, wenig verschieblichen Resistenz in dem spontan angegebenen Schmerzbereich.  Die rektale Untersuchung ist unauffällig, gleichfalls auch die Sedimentanalyse des Urins.  Die gynäkologische Untersuchung ergibt den gleichen Tastbefund mit einer druckschmerzhaften Resistenz im Bereich der linken Eierstöcke und ein mäßig eitriges zervikales Sekret.  Dieses Sekret wird zur mikrobiologischen Untersuchung auf Chlamydien und Gonokokken gewonnen.  Die mikroskopische Untersuchung auf Gonokokken verlief negativ, ebenfalls auch die PCR, bzw. die LCR auf Chlamydien.  Differentialdiagnostisch muss eine ektope Schwangerschaft ausgeschlossen werden, weshalb ein Schwangerschaftstest unbedingt durchgeführt werden sollte.

 

 

Pathogenese:

 

Die Salpingitis entsteht üblicherweise durch eine aszendierende bakterielle Infektion, welche zumeist aus dem unteren Genitaltrakt über die Zervix und das Endometrium die Adnexe erreicht.  Die Menstruation wird als potentieller Risikofaktor für eine Salpingitis angesehen, da die zervikalen Abwehrmechanismen während der Menstruation nicht effektiv sind.  Die exakten Mechanismen dieser Abwehrfaktoren sind zwar nicht bekannt, jedoch produzieren die zervikalen Gewebe sekretorische Immunglobuline, und der zervikale Schleim enthält eine Vielzahl von antimikrobiell wirksamen Faktoren wie Laktoferrin, Peroxydasen und Komplementbestandteile.

 

 

Therapie:

 

Bei dem eher mäßig schweren Krankheitsbild der Patientin wird auf eine Krankenhausbehandlung mit dann auch möglicher laparoskopischer und sonographischer Diagnosesicherung verzichtet. Die orale Therapie sollte mit Ofloxacin (TARIVID u.a.) 400 mg alle 12 Stunden oder Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) zweimal 500 mg täglich plus Clindamycin (SOBELIN u.a.) dreimal 600 mg täglich oder Metronidazol (CLONT u.a.) zweimal 500 mg täglich über 14 Tage erfolgen; Alternativen sind bei schweren Verläufen Ceftriaxon (ROCEPHIN) 250 mg i.m. oder i.v. plus Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.) zweimal 100 mg täglich ebenfalls über 14 Tage.  Trotz frühzeitiger Antibiotikatherapie muss mit einer postinfektiösen Infertilitätsrate von 10-30% gerechnet werden.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
21. Oktober 2017

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