Rezidivierende Harnwegsinfektion

Kasuistik:

 

Eine 42 Jahre alte Patientin berichtet über die vierte Harnwegsinfektion innerhalb der letzten sechs Monate, wobei jetzt wieder seit zwei Tagen eine deutliche Dysurie, Pollakisurie und unangenehmer Geruch des Urins bestünden. Die Patientin ist Mutter von drei Kindern und hat sich bemüht, reichliche tägliche Trinkmengen zu sich zu nehmen und auch Unterkühlungen des Unterleibes möglichst zu vermeiden. Erhöhte Temperaturen oder auch ein Flankenschmerz habe sie derzeit und auch bei den vorangegangenen Harnwegsinfektionen nicht bemerkt; eine urologische Untersuchung mit Ultraschalldiagnostik und Zystoskopie war vor zwei Monaten unauffällig.

Die körperliche Untersuchung ergibt einen normalen Befund, Körpertemperatur und Blutdruck liegen im Normbereich. Beide Nierenlager sind weder druck- noch klopfempfindlich.

 

 

Diagnose:

 

Die Anamnese mit häufigen Rezidiven und der typischen Symptomatik bei unauffälligem urologischen Untersuchungsbefund deuten auf eine Harnwegsinfektion hin. Die Urinsedimentuntersuchung ergibt eine Leukozyturie und auch Bakteriurie, hingegen keine Eiweißausscheidung. Aus der bakteriologischen Untersuchung des Urins resultiert eine signifikante Keimzahl von über 105 Keimen/ml, als Erreger wird Proteus mirabilis nachgewiesen. Die weiteren Untersuchungen mit Bestimmung von Blutbild, BSG und Kreatinin im Serum zeigen keine Auffälligkeiten.

 

 

Pathogenese:

 

Bei Frauen mit Zustand nach mehreren Geburten kann es durchaus im vermehrten Umfang zu Aszensionen von Bakterien durch die Urethra kommen. Darüber hinaus spielen genetische Faktoren, die eine erhöhte Adhäsion von Bakterien am Urogenitalepithel fördern, eine bedeutsame Rolle.

 

 

Therapie:

 

Auf der Basis der Resistenzbestimmung wird eine mindestens

zweiwöchige Therapie mit Cotrimoxazol forte (EUSAPRIM FORTE u.a.) durchgeführt. Weiterhin erhält die Patientin Verhaltenshinweise in Form von zwei Liter Trinkmenge täglich, unmittelbare Blasenentleerungen bei geringstem Harndrang sowie auch den Rat, nach dem Geschlechtsverkehr die Blase zu entleeren. Darüber hinaus kann mit recht guten Erfolgsaussichten - nach entsprechender Aufklärung der Patientin und deren Einverständnis - eine mehrmonatige Rezidivprophylaxe mit niedrigdosiertem Cotrimoxazol (z.B. eine Tablette abends) oder auch Trimethoprim (TMP-ratiopharm u.a., täglich 0,2 g) versucht werden. 

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
16. August 2017

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