Reisediarrhö

(aus ZCT Heft 4, 2000, aktualisiert)

 

Kasuistik:

 

Eine 32 Jahre alte Patientin kommt in die Praxis ihres Hausarztes und klagt über seit drei Tagen bestehende Durchfälle mit bis zu sieben dünnflüssigen Stuhlentleerungen täglich. Die Patientin berichtet, dass sie vor zwei Tagen von einem Urlaub in Ägypten zurückgekommen sei und während ihres Aufenthaltes mit einer Reisegruppe schon mehrere andere Reisende über derartige Symptome geklagt hätten. Es sei keine Temperatursteigerung oder Fieber beobachtet worden und auch bei den Stuhlentleerungen wurden keine Schleim- oder Blutbeimengungen bemerkt. Allerdings bestehe ein deutliches Krankheitsgefühl und auch eine nicht unbeträchtliche Gewichtsabnahme, Übelkeit und vermehrtes Durstgefühl.

Die körperliche Untersuchung der Patientin ergibt ein mäßig meteoristisch geblähtes Abdomen ohne eindeutige lokalisierte Druckschmerzen, Leber und Milz sind nicht vergrößert palpabel und mit Ausnahme einer Tachykardie um 100/min bei einem Blutdruck von 110/60 mm Hg bestehen keine weiteren Auffälligkeiten. 

 

 

Diagnose:

 

Die Anamnese, die geschilderten Symptome und der Untersuchungsbefund deuten auf eine Reisediarrhö hin. Da kein schweres Krankheitsbild vorliegt, keine Blut- und Schleimbeimengungen beobachtet wurden und auch im mikroskopischen Präparat keine Leukozyten im Stuhl nachweisbar sind, wird auf eine bakteriologische Diagnostik zunächst verzichtet.

 

 

Pathogenese:

 

Durchfälle sind ein sehr häufiges Krankheitsbild bei Reisenden in Entwicklungsländern. Ungefähr 20-60% der Reisenden klagen über derartige Beschwerden und mindestens 20% der davon Betroffenen werden zu Bettruhe in Folge der Beschwerdesymptomatik gezwungen. Als Erreger werden vorwiegend Enterotoxin-bildende und enteroadhäsive E. coli nachgewiesen, andere Erreger betreffen Campylobacter, Shigellen und Salmonellen. Virale Ursachen wurden bisher relativ wenig identifiziert und parasitäre Infektionen sind eher selten. Die mittlere Dauer der nicht- behandelten Reisediarrhö beträgt vier bis sechs Tage; allerdings können Komplikationen wie reaktive Arthritiden, postinfektiöse Enteropathien und sehr selten auch das Campylobacter jejuni-assoziierte Guillain-Barré-Syndrom auftreten.

 

 

Therapie:

 

Bei der noch jungen und insgesamt keineswegs schwer erkrankten Patientin wird zur Bettruhe und intensiven Flüssigkeitszufuhr geraten. Eine antibiotische Therapie mit z.B. Cotrimoxazol (EUSAPRIM u.a.) oder Ciprofloxacin  (CIBROBAY u.a.) sollte nur bei schweren Erkrankungen oder bestehenden Grunderkrankungen verabreicht werden. Sogenannte Antidiarrhoika [z.B. Loperamid (IMODIUM u.a.)] sollten möglichst nicht verabreicht werden, da hierdurch die Spontanheilung und die Ausscheidung der Erreger eher verzögert wird.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
21. Oktober 2017

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