Pleuraempyem

(aus ZCT Heft 2, 1999)

 

Kasuistik:

 

Ein 48 Jahre alter alkoholkranker Patient wurde über zehn Tage wegen einer Pneumonie mit Doxycyclin (div. Warenzeichen) behandelt und war zunächst nach einigen Tagen entfiebert. Danach hatte sich jedoch erneutes Fieber bis 39,5ºC eingestellt mit deutlichen atemabhängigen Schmerzen dorsolateral rechts. Die Fieberkurve zeigte einen kontinuierlichen Verlauf mit geringen Temperaturschwankungen zwischen den morgendlichen und abendlichen Messungen. Darüber hinaus trat erneut eitriger Auswurf auf. Die körperliche Untersuchung des krank wirkenden und voll orientierten Patienten ergab eine Körpertemperatur von 39ºC, eine Atemfrequenz von 23/Minute, verminderte Atemexkursion über der rechten Lunge sowie eine deutliche Abschwächung des Klopfschalls dorsolateral über der rechten Lunge mit aufgehobenem Atemgeräusch.

 

 

Diagnose:

 

Die Anamnese und die erhobenen klinischen Befunde deuten auf ein para- bzw. postpneumonisches Pleuraempyem der rechten Lunge hin. Ein Röntgenbild des Thorax bestätigt diesen Verdacht mit einem ausgedehntem Pleuraerguß im Bereich der rechten Lunge. Im Blutbild besteht eine Leukozytose von 20.000/µl mit deutlicher Linksverschiebung, der CRP-Wert ist mit 65 mg/l erhöht. Eine Pleurapunktion ergibt ein eitriges Pleuraexsudat.

 

 

Pathogenese:

 

Pleuraempyeme entstehen zumeist parapneumonisch oder postpneumonisch im Rahmen von Lungenentzündungen. Nicht selten ist hierbei die nicht optimale antibiotische Therapie der Pneumonie Anlaß für die Ausbreitung der Entzündung auf die Pleura. Häufig handelt es sich bei diesen Pleuraempyemen um Mischinfektionen aus aeroben Keimen wie Staphylokokken, Pneumokokken, Klebsiellen sowie anaeroben Streptokokken und Bacteroides-Arten.

 

 

Therapie:

 

Die wichtigste therapeutische Maßnahme bei einem Pleuraempyem ist die Drainage und Spülung mit einem Doppellumenkatheter bzw. zwei Spülkathetern, die sowohl apikal wie auch kaudal im Pleuraraum gezielt plaziert werden. Bis einige Tage über die Entfieberung wird auch eine antibiotische Therapie vorgenommen, die auf der Basis der Resistenzbestimmung erfolgen sollte. Wegen der erwähnten häufigen Mischinfektion sollte eine Kombination von Clindamycin (SOBELIN) und einem parenteralen Cephalosporin [z.B. Cefotiam (SPIZEF) oder CefuroximCEFUROXIM u.a.)] eingesetzt werden. Alternative Therapiemöglichkeiten stellen die Kombination aus Aminopenicillinen mit Betalaktamase-Inhibitoren, wie z.B. Ampicillin plus Sulbactam (UNACID) oder Amoxicillin plus Clavulansäure (AUGMENTAN) dar. Die Spülbehandlung muß gelegentlich über einige Wochen vorgenommen werden bis zur Beseitigung des eitrigen Sekretes und der allmählichen Fibrosierung des Pleuraraums. Bei frühzeitiger Spülbehandlung ist eine operative Dekortikation sehr selten notwendig und sollte erst einige Monate nach Behandlungsabschluß erwogen werden.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
23. Juni 2017

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