Paronychie

(aus ZCT Heft 4, 1995)

 

 

Kasuistik:

 

Bei einem 27jährigen Bauarbeiter besteht seit drei Tagen eine gerötete und schmerzhafte Schwellung im Bereich des hinteren Nagelwalles am rechten Zeigefinger. Der Patient gibt an, sich einige Tage vor Beginn der Symptomatik bei der Arbeit verletzt zu haben, die kleine oberflächliche Wunde zeigte jedoch primär eine Abheilungstendenz. Seit zwei Tagen berichtet der Patient über klopfende Schmerzen, die ihn insbesondere in der Nacht belästigen und sich verstärken, wenn der Arm herabhängt. Fieber besteht nicht.

 

 

Bemerkung:

 

Der klinische Befund einer entzündlichen Schwellung im Bereich des Nagelwalles, der sich nach einer oberflächlichen Verletzung der Haut entwickelt hat, legt die Diagnose einer Paronychie nahe. Bei den Erregern handelt es sich in den meisten Fällen um Staphylococcus aureus; Streptokokken Spezies kommen weniger in Betracht. Nach oberflächlichen Hautverletzungen kommt es nicht selten zu einer Superinfektion der kleinen Wunden durch Staphylokokken, die deszendierend in die unteren Hautschichten vordringen können. Bei normalem Spontanverlauf kommt es nach einigen Tagen zur Perforation im Bereich des Nagelwalles, wodurch sich der im subkutanen Gewebe liegende Abszess drainieren kann. Blande Formen der Paronychie können daher primär antiphlogistisch behandelt werden. Bei ausgeprägten Befunden ist allerdings eine Ausbreitung der Infektion in Richtung der Fingerkuppe und des Fingerendgelenkes denkbar.

 

 

Therapie:

 

Bei wenig ausgedehnten Befunden genügt eine antiphlogistische sowie eine lokale Therapie, die die Perforationsneigung fördert. Bei ausgedehnteren Befunden muss eine chirurgische Intervention folgen, wobei in der Regel unter Leitungsanästhesie und Blutsperre der Herd vom Nagelfalz aus exzidiert wird. Gelegentlich ist auch eine vollständige oder teilweise Entfernung des Nagels nötig, damit eine ausreichende Drainage geschaffen wird. Antibiotika sind bei diesen oberflächlichen Infektionen in der Regel nicht notwendig. Handelt es sich um eine unterhalb des Nagels gelegene Paronychie (subunguale Paronychie), so muss in jedem Fall eine Teilentfernung des Nagels über dem durchscheinenden Infekt mit zusätzlicher Nagelbettausräumung durchgeführt werden.

Sollte bei einem ausgedehnten Befund, der mit der Entwicklung einer Lymphadenitis oder sogar einer Bakteriämie einhergehen kann, eine antibiotische Therapie notwendig sein, so empfehlen sich Isoxazolyl-Penicilline z.B. Dicloxacillin (INFECTO STAPH) oder Flucloxacillin (STAPHYLEX). Auch Kombinationspräparate aus einem Betalaktam-Antibiotikum und einem Betalaktamase-Inhibitor (UNACID) oder Clindamycin (SOBELIN) sind geeignet.

Komplikationen bei unzureichender Drainage sind Infektionen der tiefen Weichteile des Fingers mit entsprechender Beteiligung der Sehnen und Blutgefäße. In diesem Fall sind chirurgische Interventionen notwendig. Zusätzlich sollte bei ausgedehnteren Befunden und chirurgischen Resektionen eine Antibiotikagabe mit den oben genannten Präparaten erfolgen. In seltenen Fällen können sich aus den Weichteilentzündungen der Finger auch ossäre Infektionen entwickeln; hier gelten die Behandlungsrichtlinien wie bei einer Osteomyelitis.

 

 

Dosierungen:

 

Flucloxacillin oder Dicloxacillin: 2 bis 3 g oral beim Erwachsenen bzw. 50 mg/kg Körpergewicht täglich verteilt auf drei Dosen bei Kindern.

Clindamycin dreimal 300 mg oral, Amoxicillin plus Clavulansäure (AUGMENTAN) dreimal 625-1250 mg oral, bzw. 100-150 mg/kg bei Kindern. Ampicillin plus Sulbactam (UNACID) zwei- bis dreimal täglich 750-1500 mg oral bzw. 50-100 mg/kg bei Kindern.

 

 

Ungeeignet in diesem Fall:

 

Zur Therapie nicht geeignet erscheinen Substanzen mit einem breiten Aktivitätsspektrum im gramnegativen Bereich sowie mit einer ausgesprochenen Staphylokokkenschwäche. Auch Tetrazykline oder Cotrimoxazol (EUSAPRIM) sind bei der Indikationsstellung zur antibiotischen Therapie einer Paronychie nicht zu berücksichtigen.

 

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
26. Mai 2017

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