Orchitis bei Mumps

(aus ZCT 5-2002)

 

Kasuistik:

 

Ein 24 Jahre alter Patient kommt in die Praxis und klagt über Schmerzen, Spannungsgefühl und erhebliche Schwellungen im Bereich beider Hoden. Einige Tage vorher habe er ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Muskelschmerzen, Gliederschmerzen und Nachtschweiß verspürt sowie eine Anschwellung in beiden Kiefergelenksbereichen. Beschwerden bei der Miktion, ein Auslandsaufenthalt oder auch ungeschützter Sexualverkehr werden anamnestisch verneint.

 

 

Diagnostik:

 

Bei der körperlichen Untersuchung fällt zunächst eine bilaterale teigige und druckschmerzhafte Schwellung beider Parotiden auf. Weiterhin besteht eine deutliche Druckdolenz und Schwellung beider Hoden bei unauffälligen Nebenhoden und ohne vermehrtes Urethralsekret. Die rektale Untersuchung ist unauffällig, die Körpertemperatur ist mit 37,5°C nur unwesentlich erhöht.

 

 

Pathogenese:

 

Etwa 30% der erwachsenen Patienten, die an Mumps erkranken, entwickeln als Komplikation eine Orchitis. Mumps stellt eine Para-myxovirusinfektion dar und kann mit weiteren Komplikationen wie Neuritis, Myokarditis, Arthritis, Keratitis, Retinitis und Nephritis einhergehen. Auch eine Meningoenzephalitis als schwere zentralnervöse Verlaufsform einer Mumpsinfektion wird in ein bis drei Prozent aller zentralnervösen Manifestationen beobachtet. Diagnostisch können für den serologischen Nachweis von Antikörpern die KBR, der Hämagglutinationshemmungstest oder der Neutralisationstest eingesetzt werden, Methode der Wahl ist heute jedoch der Elisa. Der Nachweis von spezifischen IgM-Antikörpern in einer Serumprobe spricht für eine Infektion, die in der Regel nicht länger als ein bis maximal drei Monate zurückliegt. Bei positivem Nachweis von IgG-Antikörpern darf hingegen nicht ohne weiteres auf eine frische Mumps-Virusinfektion geschlossen werden. Eine weitere Laboruntersuchung, die auf eine Mumpserkrankung hinweisen kann, ist die Erhöhung der Amylase im Serum.

 

 

Therapie:

 

Mumps ist eine selbstlimitierende virale Infektionskrankheit. Eine spezifische Behandlung existiert nicht. Im vorliegenden Fall wird eine symptomatische Behandlung mit lokaler Kühlung und bei Bedarf auch mit Analgetika vorgenommen. In der Regel beträgt die Dauer der klinisch manifesten Erkrankung nicht länger als fünf bis acht Tage. Die Bedeutung der Orchitis für eine komplette Infertilität wird heute eher als gering eingeschätzt.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
16. August 2017

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