Mundsoor

(aus ZCT, Heft 5, 1997)

 

Kasuistik:

 

Eine 29 Jahre alte Patientin kommt in die Praxis und klagt über Brennen der Zunge sowie Entwicklung von umschriebenen weißlichen Belägen auf der Zunge und auch auf der Schleimhaut des hinteren Rachens. Anamnestisch berichtet die Patientin über die Inhalation von Steroid-Derivaten wegen ihres Asthma bronchiale und der zusätzlichen kurzzeitigen Einnahme von Antibiotika wegen einer Atemwegsinfektion. 

Die körperliche Untersuchung - insbesondere die Inspektion des Rachens - ergibt weißliche, abwischbare Beläge insbesondere im Bereich des weichen Gaumens und auch in ungleichmäßiger Form auf der Zungenoberfläche. Hinweise für andere schwere, die zelluläre Immunität betreffende Erkrankungen (z.B. AIDS, Transplantation) ergeben sich nicht!

 

Diagnose und Ätiologie:

 

Die anamnestischen Hinweise mit inhalativen Steroiden sowie der zusätzlichen Einnahme von Antibiotika deuten auf einen Mundsoor hin. Dieser manifestiert sich in typischer Form als pseudomembranöse Beläge, die aus Candida, abgeschilferten Epithelzellen, Leukozyten, Bakterien, Keratin, nekrotischem Gewebe und Nahrungsresten bestehen. Die Diagnose wird durch die klinische Inspektion sowie durch eine Gram-Färbung des abgeschabten Belages gesichert, da mikroskopisch reichlich Hyphen, Pseudohyphen und Hefeformen nachweisbar sind. Eine einfache Kultur belegt nicht unbedingt die Diagnose, da Candida in geringer Keimzahl zur normalen Mundflora zu zählen ist.

 

Therapie:

 

Seit der Einführung von inhalativen Steroiden in die Behandlung des Asthmas wurde vermehrt über die Entwicklung von Mundsoor berichtet. Insbesondere bei unsachgemäßer Applikation mittels eines Inhalationsspacers und der mangelnden mechanischen Spülung der Mundhöhle nach der Inhalation kommt es nicht selten zu der Entwicklung einer solchen oropharyngealen Candidabesiedlung. Die zusätzliche Einnahme von Antibiotika selektioniert Candida in der normalen Körperflora und disponiert zu einem derartigen Mundsoor. Soweit möglich, sollte eine Unterbrechung der inhalativen Steroidtherapie erfolgen und die Candidabesiedlung wird lokal mit Nystatin (NYSTADERM), Miconazol (DAKTAR  Mundgel) oder Amphotericin B (z.B. AMPHOMORONAL) als Lutschtabletten oder Suspension mit Hilfe einer Pipette über längere Zeit behandelt. Falls eine stärker ausgeprägte Immundefizienz vorliegt (z.B. Tumorpatienten, AIDS, Transplantationspatienten), sollte eine systemische Behandlung mit Fluconazol oral (DIFLUCAN) in einer Dosierung von einmal täglich 50 - 200 mg über 10 - 14 Tage erfolgen. Bei rezidivierendem Mundsoor (z.B. bei AIDS) kann eine wirksame Prophylaxe mit 50 - 100 mg Fluconazol täglich vorgenommen werden. 

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
26. Mai 2017

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