Komplizierter Harnwegsinfekt

Kasuistik:

 

Eine 72 Jahre alte Patientin klagt über deutliche Schmerzen im rechten Nierenlager, fiebrige Temperaturen bis 39°C, Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit und Übelkeit. Schmerzen beim Urinlassen werden nicht berichtet, der Stuhlgang war unauffällig, besondere Reiseaktivitäten oder Auffälligkeiten in der familiären und beruflichen Anamnese werden nicht angegeben. 

Die körperliche Untersuchung ergibt einen deutlichen Klopf- und Druckschmerz im Bereich des rechten Nierenlagers, die Körpertemperatur wird erhöht mit 38°C axillär gemessen, die Herzfrequenz liegt um 96 pro Minute, der Blutdruck beträgt 150/90 mmHg. 

 

 

Diagnose:

Aus der Anamnese der Patientin ist bekannt, dass sie an rezidivierenden Nierensteinen mit Ablagerung kleiner Konkremente in den Nierenkelchen seit vielen Jahren leidet. Eine Lithotripsie vor zwei Jahren war nur partiell erfolgreich, geringe Steinreste in den Kelchsystemen konnten nicht entfernt werden. Seit dieser Zeit traten immer wieder Pyelonephritiden auf, die einer wiederholten Antibiotikabehandlung bedurften. Im sofort untersuchten Urinsediment wird eine deutliche Leukozyturie, mäßige Erythrozyturie und auch eine geringe Proteinurie nachgewiesen. Da es sich um eine komplizierte Harnwegsinfektion mit wiederholten Rezidiven handelt, wird Mittelstrahlurin zur bakteriologischen Untersuchung abgenommen. 

 

Pathogenese:

 

Die Mehrzahl der Patienten mit komplizierten Infektionen der oberen Harnwege bei Konkrementbildung in den Nieren sind ältere Frauen. Dominierende Erreger bei derartigen Infektionen sind Proteus mirabilis, E. coli und auch häufig in Mischinfektionen Enterokokken. Auch bei dieser Patientin ergab sich eine signifikante Keimzahl von 106 Proteus mirabilis pro ml Urin, mit Resistenz gegen Cotrimoxazol (EUSAPRIM u.a.), aber guter Empfindlichkeit gegenüber Levofloxacin (TAVANIC).

 

 

Therapie:

 

Komplizierte Harnwegsinfektionen sollten prinzipiell nur auf der Basis einer Resistenzbestimmung behandelt werden. In kontrollierten Studien haben sich Cotrimoxazol und/oder Fluorchinolone bei nachgewiesener Sensibilität als wirksamer herausgestellt als Beta-Laktam-Antibiotika. Wichtig ist dabei, dass ausreichende Gewebespiegel im Nierenparenchym erreicht werden. Im vorliegenden Fall wird daher eine Behandlung mit 1x500 mg Levofloxacin (TAVANIC) über zwei Wochen eingeleitet. Längere Behandlungsperioden über drei oder vier Wochen haben in kontrollierten Studien keine verbesserten Ergebnisse erbracht.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
23. Juni 2017

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