Impetigo

(aus ZCT Heft 3, 1995, aktualisiert)

 

Kasuistik:

 

In der Praxis wird ein vierjähriger Junge mit insgesamt drei Hautläsionen vorgestellt. Es handelt sich um vier bis sechs cm2 große, gerötete, leicht nässende Hautbezirke, die mit einer dicken honigfarbenen Kruste belegt sind. Eine Läsion befindet sich am Unterarm, die beiden anderen sind im Gesicht, und zwar um die linke Nasenöffnung und im Bereich der linken Ohrmuschel lokalisiert. Das Kind klagt über heftigen Juckreiz, und die Mutter berichtet über nächtliches Kratzen an den Läsionen. Schmerzen werden nicht angegeben, es besteht keine Lymphadenopathie und kein Fieber.

 

 

Bemerkungen:

 

Bei den beschriebenen Hautläsionen mit der ausgeprägten Krustenbildung handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine oberflächliche Streptokokken-Infektion der Haut, die Impetigo genannt wird. Die Erreger sind in der Regel ß-hämolysierende Streptokokken der Serogruppe A. Ausgehend von einer Kolonisation des Nasenrachenraumes können diese Keime zu einer Infektion kleinerer Hautläsionen führen. Mit seltenen Ausnahmen bleibt die Infektion auf die oberflächlichen Areale der Epidermis beschränkt. Systemische Infektionen mit entsprechenden Krankheitszeichen und bakteriämische Verläufe sind sehr selten. Differentialdiagnostisch muß gelegentlich an einen ausgeprägten Herpes simplex, eine Parasitose (Scabies) oder eine superinfizierte Neurodermitis gedacht werden. Bei länger bestehenden Läsionen, die stärker nässen, muß darüber hinaus mit einer sekundären Besiedelung der befallenen Hautareale durch Staphylococcus aureus gerechnet werden.

 

 

Therapie:

 

Penicillin wird als Mittel der Wahl zur Behandlung des Impetigos angesehen. Bei Kindern kann Penicillin V (ISOCILLIN u.a.) in einer Dosierung von viermal 50 mg/kg Körpergewicht/Tag verabreicht werden. Wenn die Infektion bei Erwachsenen auftritt, sollten viermal 0,5 Mio. Einheiten täglich gegeben werden.

 

 

Alternativen

 

Falls eine orale Therapie nicht möglich ist, kann auch Penicillin G (div. Warenzeichen) in einer Dosierung von 50.000 Einheiten/kg Körpergewicht bei Kindern bzw. 2,4 Mio. Einheiten beim Erwachsenen gegeben werden. Liegt eine Penicillin-Überempfindlichkeit vor, so sollte bei Kindern mit Erythromycin (ERYTHROCIN u.a.; 10 mg/kg Körpergewicht) und bei Erwachsenen mit Azithromycin (ZITHROMAX); einmal 500 mg/d) behandelt werden. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel zehn Tage. Lokale Applikationen von Antibiotika sind nicht empfehlenswert. Ergibt sich unter der Therapie mit Penicillinen keine rasche Rückbildung des Hautbefundes, sollte ein Staphylokokken-wirksames Penicillin [z.B. Flucloxacillin (STAPHYLEX u.a.)] eingesetzt werden.

 

 

Ungeeignet in diesem Fall:

 

Zur Therapie nicht geeignet erscheinen Substanzen mit einem breiteren Aktivitätsspektrum wie z.B. Zweit- und Drittgenerations-Cephalosporine. Ebenso ist die Gabe von Tetrazyklinen, Cotrimoxazol (EUSAPRIM u.a.) oder Chinolonen im Falle eines Impetigos abzulehnen.

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
22. Juni 2017

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