Harnwegsinfektion bei Dauerkatheterismus

(aus: ZCT Heft 1, 2002, aktualisiert)

 

Kasuistik:

 

Ein 76 Jahre alter Patient trägt seit 12 Wochen einen transurethralen Dauerkatheter wegen einer Harnverhaltung bei Prostatahypertrophie; eine Operation ist wegen schwerer Grunderkrankungen und angesichts eines kürzlich abgelaufenen Herzinfarktes zur Zeit nicht möglich. Der Patient klagt über Schmerzen in der Harnblasenregion, Fieber und in den letzten Tagen auch über rechtsseitige Flankenschmerzen. Weiterhin bestehen Abgeschlagenheit, Inappetenz und der Urin sei in den letzten Tagen zunehmend trübe geworden.

 

 

Diagnostik:

 

Bei der körperlichen Untersuchung wird ein deutlicher Klopf- und Druckschmerz im Bereich des rechten Nierenlagers festgestellt. Die Kreislaufverhältnisse sind mit Ausnahme einer Tachykardie um 105/Minute unauffällig; die erhöhte Körpertemperatur mit 38,2° C axillär wird bestätigt. Die Sonographie der Nieren ergibt keinen Hinweis auf ein gestautes Nierenbecken.
Die mikroskopische Untersuchung des Urins zeigt eine deutliche Leukozyturie und Bakteriurie. Im Katheterurin kann  Klebsiella pneumoniae (107/ml) nachgewiesen werden mit Resistenz gegenüber Cotrimoxazol (EUSAPRIM u.a.), Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.) sowie Amoxicillin (AMOXYPEN u.a.).

 

 

Pathogenese:

 

Bei einem transurethralen Harnblasenkatheter besteht ein hohes Risiko für eine aszendierende Infektion der Harnwege – etwa 50% der Patienten mit einem derartigen Katheter werden innerhalb von zwei Wochen bakteriurisch. Erreger können entweder während der Einlage des Katheters in die Blase gelangt sein, können entlang der Aussenfläche des Katheters aszendierend die Blase erreichen oder es kann zur Kontamination des Drainagesystems - insbesondere bei Diskonnektionen zwischen Katheter und Sammelbeutel - kommen.

 

 

Therapie:

 

Die symptomlose Bakteriurie wird nicht antibiotisch behandelt. Treten hingegen eindeutige Infektionssymptome auf und besteht eine deutliche Leukozyturie, sollte gezielt auf der Basis der Resistenzbestimmung über sieben bis 14 Tage antibiotisch behandelt werden. Bei dem hier geschilderten Patienten wird eine Behandlung mit zweimal 500 mg Cefuroximaxetil (ELOBACT u.a.) eingeleitet. Alternativen wären Fluorchinolone wie Ofloxacin (TARIVID u.a.) oder Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) bzw. Aminobenzyl-Penicilline mit Betalaktamase-Inhibitoren wie Ampicillin plus Sulbactam (UNACID) oder Amoxicillin plus Clavulansäure (AUGMENTAN). Weiterhin wird empfohlen, den Blasenkatheter nach Therapiebeginn zu wechseln sowie mittelfristig einen suprapubischen Katheter anzulegen.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
23. Juni 2017

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