Erysipel

(aus ZCT Heft 2, 1995)

 

Kasuistik:

 

Bei einer 68jährigen Patientin mit mäßiger chronisch venöser Insuffizienz im Bereich der unteren Extremitäten besteht seit zwei Tagen eine schmerzhafte, ödematöse und indurierte, scharf begrenzte rote Schwellung im Bereich des linken Unterschenkels. Die Ausdehnung des Befundes hat zugenommen und beträgt zum Zeitpunkt der jetzigen Konsultation ca. acht mal zwölf Zentimeter. Die Haut imponiert wie eine Organgenhaut. Zusätzlich berichtet die Patientin über seit zwei Tagen bestehende Temperaturen um 38,8°C. Hämatologisch findet sich eine Leukozytose von 15.000 Leukozyten/µl.

 

 

Bemerkungen:

 

Der klinische Befund einer schmerzhaften mit Schwellung einhergehenden scharf umschriebenen Hautrötung ist typisch für ein Erysipel. Als Risikofaktor ist bei der Patientin die chronisch venöse Insuffizienz der unteren Extremität anzusehen. Ein Erysipel wird üblicherweise durch Streptokokken der Serogruppe A induziert; seltener finden sich C- oder G-Streptokokken. Infektionen mit B-Streptokokken sind nur bei Neugeborenen beschrieben. Eine Sicherung des Erregers kann lediglich bei ulzerösen Veränderungen mittels Abstrich erfolgen. Bei einem kleinen Teil der Patienten findet man im Rachenabstrich Streptokokken; ungefähr 5% der Verläufe gehen mit einer Bakteriämie einher. Die Erkrankung nimmt unbehandelt einen progredienten Verlauf und kann dann zu lokalen und systemischen Komplikatione führen. Eine antibiotische Therapie ist daher immer indiziert.

 

Therapie:

 

Milde Formen eines Erysipels können mit einer oralen Penicillintherapie [Penicillin V (Megacillin u.a.)] behandelt werden, bei schwereren Krankheitsbildern ist eine parenterale Therapie mit Penicillin G (Penicillin "Grünenthal" u.a.) vorzuziehen. Die Therapiedauer sollte wie bei anderen Streptokokkeninfektionen zehn Tage betragen. Bei der oralen Therapie werden viermal täglich 500 mg Penicillin V gegeben, bei der parenteralen Therapie sollten ein bis zwei Mega viermal täglich appliziert werden. Die häufigsten Nebenwirkungen einer Penicillintherapie sind gastrointestinaler Art (Übelkeit, Inappetenz). Vor jeder Penicillintherapie ist nach einer anamnestisch bekannten Penicillinallergie zu fahnden, die eine Kontraindikation darstellt.

 

 

Alternativen:

 

Bei Penicillinunverträglichkeit kann mit Erythromycin 500 mg

viermal täglich parenteral behandelt werden, bei der oralen Therapie mit einem Makrolid können Clarithromycin (KLACID; zweimal 500 mg), Roxithromycin (RULID; einmal 300 mg) oder Azithromycin (ZITHROMAX; Gesamtdosis 1,5 g entweder an drei oder fünf Tagen appliziert) eingesetzt werden. Selbstverständlich sind Streptokokken auch gegen viele andere ß-Laktamantibiotika sensibel, in der Regel ist jedoch die Gabe von ß-Laktamantibiotika mit breiterem antimikrobiellen Spektrum nicht indiziert. Staphylokokken spielen lediglich bei ulzerierenden Infektionen im Sinne einer Superinfektion eine Rolle, hier ist der orale Einsatz von Dicloxacillin (INFECTOSTAPH; drei- bis viermal täglich 0,5 - 1,0 g), Flucloxacillin (STAPHYLEX; drei- bis viermal täglich 0,5-1,0 g) oder Clindamycin (SOBELIN; dreimal täglich 300 mg) möglich.

 

Ungeeignet in diesem Fall:

 

Antibiotika mit breitem antimikrobiellen Aktivitätsspektrum sowie Fluorchinolone sind prinzipiell nicht zur Behandlung des Erysipels indiziert.

 

Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Infektionstherapie

Die Zeitschrift für Infektionstherapie (bis 2015: "Zeitschrift für Chemo-therapie") erscheint im Jahr 2017 im 38. Jahrgang. Herausgeber und Redaktion sind bemüht, Sie kontinu-ierlich und aktuell über wichtige Entwicklungen im Bereich der Infektionstherapie zu informieren.

 

Die vollständigen, aktuellen Ausgaben der Zeitschrift sind nur im Abonnement erhältlich.

 

Nach 24 Monaten stehen die Hefte als PDF-Dateien  frei zur Verfügung (Frühere Ausgaben und Register).

 

Wir bieten Ihnen auf diesem Wege ebenfalls alle Artikel der Rubrik "Neueinführungen" und einige andere regelmäßige Beiträge aus der Zeitschrift an.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
21. Oktober 2017

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Zeitschrift für Infektionstherapie