Enteritis durch Campylobacter jejuni

(aus ZCT Heft 5,2000)

 

Kasuistik:

 

Eine 36 Jahre alte Lehrerin kommt mit ihrem zehnjährigen Sohn in die Praxis und klagt über seit drei Tagen bestehende Durchfälle, die von wässeriger, aber auch schleimiger Konsistenz sind. Die Symptomatik besteht bei Mutter und Sohn. Beide Patienten haben Temperaturen bis 39°C sowie diffuse abdominelle Schmerzen. Gleichzeitig berichten sie über Erbrechen am ersten Tage und erhebliche Kopf-, Glieder- und Gelenkschmerzen. Die Mutter berichtet, dass sie beide von einem Schulausflug auf einem Bauernhof zurückgekehrt seien und sie dort als besonderes Ereignis nicht abgekochte Rohmilch „frisch von der Kuh“ verkostet und getrunken hätten. Auch andere Teilnehmer dieses Schulausfluges hätten über ähnliche Symptome geklagt.

Die körperliche Untersuchung von Mutter und Sohn ergibt mit Ausnahme eines gering druckempfindlichen Abdomens ohne eindeutige lokalisierte Druckschmerzen keine Besonderheiten. Leber und Milz sind nicht vergrössert palpabel, der Blutdruck liegt beim Sohn bei 100/70 mmHg, bei der Mutter bei 125/80 mmHg und die Herzfrequenz ist noch im oberen Normbereich. 

 

 

Diagnose:

 

Die Anamnese und die geschilderten Symptome deuten auf eine bakterielle Enteritis hin, möglicherweise bedingt durch kontaminierte Kuhmilch. Es wird daher eine Stuhlprobe von beiden Patienten in das mikrobiologische Institut gesandt und eine Untersuchung auf Enteritis-Erreger wie Salmonellen, Campylobacter und Shigellen angefordert. Zwei Tage später ist der Befund positiv auf Campylobacter jejuni; wegen des Verdachtes von kontaminierter Milch mit einer nachfolgenden Gruppeninfektion erfolgt eine Meldung an das zuständige Gesundheitsamt. 

 

 

Pathogenese:

 

Campylobacter jejuni Bakterien stellen gemeinsam mit den verschiedenen Salmonellen-Spezies die häufigsten bakteriellen Erreger einer akuten infektiösen Enteritis dar; nach neueren Mitteilungen des Robert-Koch-Institutes werden in einigen Bundesländern bis zu 50% der Enteritiden auf Campylobacter-Infektionen zurückgeführt. Campylobacter sind gramnegative, bi- oder monopolar-begeisselte und Beta-Laktamase bildende Spirillen. Sie sind invasiv und produzieren ein in seiner Bedeutung noch nicht geklärtes Toxin. In sehr seltenen Fällen kann es zu Komplikationen wie Meningitis, Sepsis, Abszessbildung, Pneumonie, Guillain-Barré- oder Reiter-Syndrome sowie postinfektiös zur Arthritis kommen.

 

 

Therapie:

 

Beide Patienten befinden sich noch in einem recht guten Allgemeinzustand, so dass auf eine antibiotische Therapie zunächst verzichtet wird. Statt dessen wird zu Bettruhe und zu intensivem Flüssigkeitsersatz geraten. Eine antibiotische Therapie mit Makrolid-Antibiotika [z.B. Azithromycin(ZITHROMAX)] oder Fluorchinolonen [Ciprofloxacin(CIPROBAY u.a.) oder Levofloxacin  (TAVANIC)] sollte nur bei schwerem Infektionsverlauf oder bei bestehenden schweren Grunderkrankungen, wie z.B. Antikörpermangel-Syndrom erfolgen.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
22. Juni 2017

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