Akute Tonsillopharyngitis

Kasuistik:

 

Eine junge Mutter bringt ihren vier Jahre alten Sohn in die Praxis und berichtet, dass seit vier Tagen Halsschmerzen bestünden, seit zwei Tagen hohes Fieber, zunehmende Schluckbeschwerden und erhebliche Inappetenz. Die Schmerzen seien vom Rachen bis in die Ohren ausgestrahlt, das Mundöffnen sei seit 24 Stunden sehr erschwert und schmerzhaft. Weiterhin bestünden starke Kopfschmerzen und eine kloßige, zumeist etwas behinderte Sprache mit starkem subjektivem Krankheitsgefühl. Die Untersuchung des kleinen Patienten ergibt eine deutliche Schwellung und Schmerzhaftigkeit der submandibulären Lymphknoten; beide Gaumenmandeln sowie die Umgebung samt Rachenhinterwand sind hochrot und geschwollen sowie zu über 50% mit gelb-weißlichen Belägen bedeckt. Ein Hautexanthem, ein endokarditisches Herzgeräusch und eine Milzvergrößerung sind nicht nachweisbar.

 

 

Bemerkung:

 

Die Vielzahl und Schwere der Symptome deuten auf eine Allgemeinerkrankung des Organismus mit besonderer Ausprägung an den lymphoepithelialen Organen hin. Allerdings gibt es auch Tonsillitiden, bei denen nur die lokale Reaktion erkennbar ist. Das Tonsillarparenchym ist infiltriert mit Leukozyten (kleine Abszesse im Parenchym und in den Krypten). Von derartigen "Krypten-Abszessen" erfolgt eine Ausbreitung der Infektion über Epitheldefekte ins Tonsillenparenchym (Krypten-Parenchym-Tonsillitis) und/oder Eindringen in kryptennahe Kapillaren (schubweise oder kontinuierliche Einschwemmung von Toxinen und Erregern in den Kreislauf). Bei rezidivierendem oder chronischem Verlauf werden eine Fibrosierung und ein Untergang des Tonsillarparenchyms induziert.

 

 

Ätiologie und Diagnose:

 

ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A sind die führenden Erreger der Pharyngitis und Tonsillitis, insbesondere bei Vorliegen einer exsudativen Tonsillitis. Die Häufigkeit der Streptokokken-Pharyngo-Tonsillitis korreliert zum Lebensalter. Bei Kindern unter drei Jahren ist die Pharyngitis häufig viral. Seltenere Erreger sind Staphylokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae und Anaerobier. Bei unklarem Krankheitsbild sollte unbedingt ein Streptokokken-Antigen-Nachweis mittels Abstrich als Schnelltest vorgenommen werden. Zu beachten ist, dass eine eitrige Angina auch durch hämolysierende Streptokokken der Gruppen B, C oder G hervorgerufen werden kann. Eine ausgeprägte Granulozytose spricht für Streptokokkenangina, ebenfalls auch der Druckschmerz der regionären Lymphknoten.

 

 

Therapie:

 

Penicillin V (ISOCILLIN) bleibt zunächst das Mittel der Wahl für die akute Streptokokken-Tonsillopharyngitis mit einer Behandlungsdauer von über zehn Tagen. Diese Behandlungsdauer ist notwendig, um Komplikationen zu verhüten, insbesondere das rheumatische Fieber. Substanzen wie Cotrimoxazol (EUSAPRIM), Chinolone und Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.) sind bei der Streptokokken-Tonsillopharyngitis nicht indiziert. Eine alleinige Lokalbehandlung mit Antibiotika oder Desinfizientien ist unwirksam und verhindert nicht die zu vermeidenden Streptokokken-Nachkrankheiten. Bei Penicillin-Allergie können Makrolid-Antibiotika, z.B. Azithromycin (ZITROMAX) oder orale Cephalosporine, z.B. Cefuroxim (ELOBACT u.a.) (Cave: Parallelallergien in 3-5%) verabreicht werden. 

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
21. Oktober 2017

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