Akute Sinusitis

Text aus ZCT Heft 1, 1997

Ergänzungen am Ende des Textes

 

Kasuistik:

 

Eine 42 Jahre alte Frau erscheint in der Praxis und klagt über heftige frontale Kopfschmerzen, linksseitige Oberkieferschmerzen sowie über eine eitrige Sekretion aus der Nase. Vorangegangen war eine Virusinfektion der oberen Atemwege, die zwar nach einigen Tagen abklang, jedoch seien seit drei Tagen die geschilderten Symptome aufgetreten und es hätte sich auch ein mäßiges Fieber bis 38,5°C entwickelt. Als Kind sei eine derartige Infektion schon einmal manifest gewesen. Die Untersuchung ergibt erheblich schmerzempfindliche Nervenaustrittspunkte sowohl im Bereich der Frontalsinus, als auch über den beiden maxillären Nasennebenhöhlen. Die Inspektion der Nase zeigt beidseits eine deutlich vermehrte purulente Sekretion.

 

Bemerkung:

 

Die akute Sinusitis ist zwar vorwiegend eine Erkrankung im Kindesalter, kann jedoch als Folgeerkrankung von primären Virusinfektionen der oberen Atemwege auch im Erwachsenenalter beobachtet werden. Insbesondere bei Patienten mit engen Nasenverhältnissen oder auch Polypenbildungen sowie bei schlechter Drainage der Nasennebenhöhlen kann es zur bakteriellen Superinfektion nach vorangegangenen Virusinfekten kommen.

 

Therapie:

 

Bei der akuten Sinusitis ist eine mikrobiologische Untersuchung nicht unbedingt erforderlich, da aus sorgfältigen Punktionsanalysen die mikrobiologische Ätiologie relativ klar und einheitlich ist. Wie bei der Otitis media sind Pneumokokken, Haemophilus influenzae sowie Moraxella catarrhalis die führenden Erreger, gelegentlich können auch Staphylokokken und ß-hämolysierende Streptokokken isoliert werden. Nicht selten kommt es zu einer Mischinfektion z.B. aus Pneumokokken und Haemophilus influenzae. Die entscheidende Maßnahme bei einer Sinusitis ist die Herstellung und Förderung der Sekretdrainage z.B. mit schleimhautabschwellenden Substanzen. Eine antibiotische Therapie wird bei Risikopatienten (z.B. Kleinkindern, Patienten mit Grunderkrankungen, älteren Patienten) sowie bei mittelschwerem und schwerem Krankheitsbild durchaus empfohlen. Die antibiotische Therapie orientiert sich an den genannten dominierenden Erregern. Die überwiegend empfohlene Substanz ist Amoxicillin (AMOXYPEN u.a.). Diese Behandlung sollte in den Regionen mit höherer Ampicillin- bzw. Amoxicillin-Resistenz gegen Haemophilus influenzae und Moraxella wegen einer Betalaktamase-Bildung allerdings ersetzt werden durch Betalaktamase-stabile Antibiotika wie z.B. Amoxicillin-Clavulansäure (AUGMENTAN), Ampicillin-Sulbactam (UNACID), Cefaclor (PANORAL), Cefuroxim-Axetil (ELOBACT, ZINNAT), Cefpodoxim-Proxetil (ORELOX, PODOMEXEF) oder Loracarbef (LORAFEM). Eine Therapiedauer von acht bis zehn Tagen wird empfohlen. Eine radiologische Untersuchung der Nasennebenhöhlen ist nur bei verzögertem Ansprechen oder Übergang in einen chronischen Krankheitsverlauf indiziert. Bewährt hat sich jedoch auch die Sonographie der Kieferhöhle und Stirnhöhle.

 

Ergänzung:

 

Einen Übersichtsartikel zur Rhinosinusitis unter Berücksichtigung aktueller Leitlinien finden Sie im Heft 5, 2012 der ZCT, die Zusammenfassung des Beitrags lesen Sie hier:

 

Über 90% aller Rhinosinusitiden werden primär durch Viren ausgelöst. Die Differenzierung einer viralen von einer bakteriellen Ätiologie ist schwierig; in den aktuellen Empfehlungen werden drei unterschiedliche und typische Verläufe für eine bakterielle Rhinosinusitis dargestellt. Die führenden Erreger sind bei Erwachsenen und Kindern unverändert Pneumokokken und Haemophilus influenzae, sowie bei Erwachsenen zusätzlich Moraxella catarrhalis und selten auch S.aureus. Wegen der vermehrten Resistenzentwicklung dieser Keime wird als Mittel der Wahl bei bakterieller Genese für die empirische Anfangstherapie Coamoxiclav (AUGMENTAN u.a.) empfohlen. In zweiter Linie kommen Pneumokokken-wirksame Fluorchinolone wie Levofloxacin (TAVANIC) und Moxifloxacin (AVALOX) und durchaus auch Doxycyclin (diverse Generika) in Betracht.

Makrolidantibiotika, Cotrimoxazol (diverse Generika), Clindamycin (SOBELIN u.a.) sowie Oralcephalosporine werden nicht mehr als ausreichend wirksam betrachtet.

Die zusätzliche symptomatische Behandlung sollte aus nasalen Spülungen mit Kochsalzlösung, lokalen Steroidaerosolen, Antipyretika, Analgetika und ausreichender Hydratation bestehen.

 

 

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23. Juni 2017

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