Akute Prostatitis

(aus: ZCT Heft 2, 2002, aktualisiert)

 

Kasuistik:

 

Ein 78 Jahre alter Patient kommt in reduziertem Allgemeinzustand in die Praxis und klagt über seit zwei Tagen anhaltendes hohes Fieber sowie Dysurie, Nykturie, Pollakisurie, Schmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule und des Dammes. Vorangegangen sei zwei Wochen zuvor eine Zystoskopie wegen eines auffälligen Harnsedimentes und Verdacht auf Harnblasensteine.

 

 

Diagnostik:

 

Die körperliche Untersuchung bestätigt zunächst die deutlich erhöhte Körpertemperatur mit 39,1° C sublingual; weiterhin besteht bei der rektalen Untersuchung eine deutlich vergrößerte, ödematös geschwollene und sehr schmerzhafte Prostata. Die mikroskopische Untersuchung des Mittelstrahlurins ergibt eine Leukozyturie und Bakteriurie. Mikrobiologisch können 106 pro ml Escherichia coli nachgewiesen werden mit Resistenz gegenüber Cotrimoxazol (diverse Handelsnamen); Ofloxacin (TARIVID u.a.) und  Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) sind wirksam. Auf die Untersuchung eines Prostatasekretes mit der dazu notwendigen Prostatamassage wird  wegen der möglichen Induktion einer Bakterämie bewusst verzichtet.

 

 

Pathogenese:

 

Bakterielle Erreger erreichen die Prostata üblicherweise durch die Urethra aszendierend, auch über einen intra-urethralen Reflux von infiziertem Urin, einer lymphatischen Ausbreitung vom Rektum oder direkt durch die Besiedlung im Rahmen eines zystoskopischen Eingriffes. Ein derartiger Eingriff dürfte bei der hier aufgetretenen Prostatitis ursächlich beteiligt gewesen sein.

 

 

Therapie:

 

Die akute bakterielle Prostatitis ist ein ernstes Krankheitsbild mit deutlichen systemischen Auswirkungen und sollte daher gezielt und intensiv behandelt werden.
Eine relativ lange Behandlungsdauer ist notwendig, auch um einen Übergang in eine chronische Prostatitis zu vermeiden. Bei der vorliegenden Konstellation wird zweimal täglich 500 mg Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) über vier Wochen verschrieben.

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
15. April 2017

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