Loracarbef - das erste Carbacephem zur oralen Anwendung

Unveränderter Text aus ZCT Heft 6, 1993


Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes

Mit Loracarbef (LORAFEM) betritt das erste Carbacephem den deutschen Arzneimittelmarkt. Der Unterschied zum lang eingeführten Cefaclor (PANORAL) liegt im Austausch des Schwefels (Cefaclor) gegen ein Kohlenstoffatom (Loracarbef). Auch von den sonstigen Eigenschaften her läßt sich Loracarbef ohne weiteres in einem Atemzug mit den oralen Cephalosporinen nennen und diskutieren (vgl "ZCT" 13: 25-27, 1992), es unterscheidet sich aber deutlich im INN-Namen.


Struktur und Wirkung

 

Nachdem die Fortentwicklung von Penicillinen zu den Carbapenemen schon vor etlichen Jahren begonnen hat, wird nun auch bei den Cephalosporinen erstmalig der Schwefel gegen einen Kohlenstoff im Cephem-Ringsystem ausgetauscht, die neuen Substanzen werden Carbacepheme genannt. Ein genauer Strukturvergleich zeigt, daß mit Ausnahme dieser Modifikation Cefaclor und Loracarbef identisch aufgebaut sind. Ein Vorteil der Neueinführung liegt in der höheren Stabilität.


Antibakterielles Spektrum

 

Die antibakterielle Wirkung ist recht breit und generell vergleichbar mit Cefaclor und anderen modernen Cephalosporinen. Wichtige Erreger von Atemwegsinfektionen, wie Pneumokokken, H. influenzae und Moraxella catarrhalis werden erfaßt. Außerdem wirkt Loracarbef auch gegen penicillinempfindliche S. aureus, ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, S. pyogenes, Proteus mirabilis, E. coli und Klebsiella pneumoniae. Loracarbef zeigt keine Wirkung gegen Enterobacter, Proteus vulgaris, Providencia-, Pseudo-monas- und Serratia-Spezies und methicillinresistente S. aureus-Stämme. Anaerobier und Enterokokken sind im allgemeinen resistent.


Pharmakokinetische Eigenschaften

 

Loracarbef wird nach oraler Gabe zu ca. 90% resorbiert. Nach einmaliger Gabe von 100, 250 und 500 mg Loracarbef wurden Plasmaspitzenkonzentrationen von 4, 11 und 16 mg/l gemessen; diese Konzentrationen wurden 1,1 bis 1,3 Stunden nach Einnahme bestimmt. Gleichzeitige Nahrungsaufnahme verzögert die Resorption und verringert die Spitzenkonzentrationen, die AUC (Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve) bleibt aber unverändert.
 

Beträchtliche Mengen des Arzneistoffes gelangen in die Mittelohrflüssigkeit und in die Tonsillen. Das Chemotherapeutikum wird unverändert über die Niere eliminiert (ca. 90% der verabreichten Dosis), die Halbwertzeit beträgt 1,2 Stunden. Beeinträchtigungen der Nierenfunktion führen zu einer verminderten Elimination, daher sollte bei solchen Patienten (Kreatinin-Clearence < 49 ml/min) eine Dosisreduktion erfolgen.

 

Indikationen

 

Loracarbef ist für die Behandlung bakterieller Infektionen der Atemwege (Tonsillitis/Pharyngitis, Sinusitis, purulente Bronchitis, Pneumonie), der Haut und des Weichteilgewebes zugelassen, hinzu kommen unkomplizierte Infektionen der unteren Harnwege bei Frauen. Als Standarddosierung wird die Gabe von 2 x täglich 200 bis 400 mg empfohlen. Die Wirksamkeit wurde gegen Standardtherapeutika getestet und war durchweg gut vergleichbar mit diesen. Im einzelnen wurden folgende Arzneistoffe zu Vergleichen herangezogen: Amoxicillin (CLAMOXYL u.v.a.), Amoxicillin/Clavulansäure (AUGMENTAN), Penicillin V (ISOCILLIN u.v.a.), Cefaclor (PANORAL) und Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.v.a.).

 

Verträglichkeit

 

Die Angaben zur Verträglichkeit beruhen auf den Daten von ca. 4500 Loracarbef-behandelten Patienten und einer gleich großen Gruppe, die mit den verschiedenen Vergleichspräparaten therapiert wurde. Loracarbef war sehr gut verträglich. Unerwünschte Arzneimittel-wirkungen auf den Gastrointestinaltrakt traten am häufigsten auf: Durchfall (4,1%), Übelkeit (1,9), Bauchschmerzen (1,4%), Erbrechen (1,4%), Appetit-losigkeit (0,7%). Weiterhin beobachtet wurden: Kopfschmerzen (2,9%), Hautausschläge (1,2%), Schläfrigkeit (0,8%), Überempfindlichkeitsreaktionen (0,6%), Benommenheit (0,6%) und Asthenie (0,5%). Bei weiblichen Patienten trat in 2,4% der Fälle eine Vaginitis auf. Bei 1,5% der Patienten unter Loracarbef wurde die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen abgebrochen (Vergleichspräparate: 2,1%).

 


Zusammenfassung

 

Loracarbef (LORAFEM) ist das erste verfügbare Carbacephem. Die antibakterielle Aktivität gegenüber häufigen klinisch relevanten Erregern ist gut. Die Substanz wird nach oraler Gabe gut resorbiert und renal mit einer Halbwertzeit von 1,2 Stunden eliminiert. Atemwegsinfektionen und Infektionen der Haut und des Weichteilgewebes können je nach Schweregrad und Lokalisation mit 2-mal täglichen Gaben von 200 bzw. 400 mg Loracarbef behandelt werden. Sowohl die therapeutische Wirksamkeit als auch die Verträglichkeit ist vergleichbar mit der anderer ß-Laktamantibiotika, die bisher bei den genannten Indikationen angewandt werden. Nach den angegebenen Herstellerpreisen erscheint dieses neue ß-Laktamantibiotikum im Vergleich zu ähnlichen Substanzen wirtschaftlich attraktiv.

 

1. BROGDEN RN, MCTAVISH D. Loracarbef. A review of its anti

microbial activity, pharmacokinetic properties and therapeutic efficacy. Drugs. 1993 May;45(5):716-36.

2. FASSBENDER M, LODE H et al. Pharmacokinetics of new or

al cephalosporins, including a new carbacephem. Clin Infect Dis. 1993 May;16(5):646-53.

3. THERASSE DG. The safety profile of loracarbef: clinical trials

in respiratory, skin, and urinary tract infections. Am J Med. 1992 Jun 22;92(6A):20S-25S.

 

Ergänzungen (September 2007)

 

Hinweis: Empfehlungen zum rationalen Einsatz oraler Antibiotika bei Erwachsenen und Schulkindern (Lebensalter 6 Jahre) einer Expertenkommission der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. siehe Beitrag im Chemotherapie Journal

 

Ergänzungen (September 2009)

 

Seit April 2009 ist Loracabef (LORAFEM)

in Deutschland nicht mehr im Handel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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16. August 2017

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