Lamoxactam

veränderter Text aus ZCT Heft 3, 1981 

Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes


Lamoxactam ist ein neues halbsynthetisches Cephalosporin-Antibiotikum mit einigen strukturellen Besonderheiten. Als 7alpha-Methoxy-Derivat wird es ebenso wie Cefoxitin (MEFOXITIN) zu den Cephamycinen gezählt und zeichnet sich durch außerordentliche Resistenz gegenüber bakteriellen ß-Laktamasen aus. Darüber hinaus wird mit dem Ersatz des Schwefelatoms im Cephalosporin-Grundgerüst durch ein Sauerstoffatom (Oxacephalosporin) eine hohe antibakterielle Aktivität erreicht. Dieses neue Antibiotikum wird von der Fa. E. Lilly unter dem Handelsnamen MOXALACTAM auf den Markt gebracht.


Mikrobiologie

Die Stärken von Lamoxactam aus mikrobiologischer Sicht sind eine ausgezeichnete in vitro-Wirkung gegenüber gramnegativen Enterobakterien (E. coli, Klebsiella spp., indolpositive und -negative Proteus spp. u.a.) sowie gegen Bacteroides fragilis. Dieser wichtigste Vertreter der endogenen Dickdarmflora erweist sich gegenüber den meisten anderen Cephalosporinen aufgrund hydrolysierender ß-Laktamasen als ganz oder teilweise resistent. Gegenüber grampositiven aeroben Kokken (Staphylokokken, Streptokokken) und gegen gramnegative Kokken (Peptokokken, Peptostreptokokken) besitzt das neue Präparat nur eine geringe Aktivität. Hier sind andere, auch ältere ß-Laktam-Antibiotika überlegen. Enterokokken sind resistent gegen Lamoxactam. Auch die Pseudomonas-Aktivität ist wie bei Cefotaxim (CLAFORAN) nur mäßig und allenfalls zur Behandlung von Harnwegsinfektionen mit diesem Keim ausreichend.


Pharmakokinetik

Nach parenteraler Gabe fallen die Serumkonzentrationen von Lamoxactam langsamer ab als bei den meisten anderen Cephalosporinen. Die Substanz besitzt mit zwei bis drei Stunden eine relativ lange Halbwertzeit. Entsprechend ist eine 2-mal tägliche Dosierung von 2,0 g in der Regel ausreichend. Wichtigstes Ausscheidungsorgan ist die Niere: im Urin finden sich in 24 Stunden nach Gabe des Antibiotikums 60-80% der verabreichten Dosis. Bei Niereninsuffizienz verlängert sich die Halbwertzeit bis auf 20-30 Stunden bei terminaler Niereninsuffizienz. Eine exakte Dosisanpassung ist daher bei Nierenfunktionsstörungen notwendig. Lamoxactam ist gut dialysabel; ca. 50% werden bei einer vierstündigen Hämodialyse entfernt. Am Ende der Hämodialyse ist eine zusätzliche Applikation von 50% der Normaldosis angebracht. Die bisherigen Untersuchungen ergaben eine gute Penetration von Lamoxactam in den Knochen, in die Peritonealflüssigkeit sowie in den Liquor cerebrospinalis. Besonders bei entzündeten Meningen wurden relativ hohe Liquorkonzentrationen gemessen, die um ein Vielfaches über den minimalen Hemmkonzentrationen der meisten gramnegativen Enterobakterien und H. influenzae liegen. Die gute Liquorpenetration dürfte in erster Linie Folge der langen Halbwertzeit sein, die einen hohen Konzentrationsgradienten über einen langen Zeitraum gewährleistet.


Klinische Beurteilung

Aufgrund der mikrobiologischen Eigenschaften ist Lamoxactam besonders bei abdominellen und gynäkologischen Infektionen indiziert. Die bisher vorliegenden Therapieergebnisse sind günstig. Auch bei bakterieller Meningitis liegen erste begrenzte positive Erfahrungen vor. Besonders die gramnegative Meningitis könnte zum Einsatzgebiet des neuen Chemotherapeutikums werden. Die Verträglichkeit ist wie bei anderen Cephalosporinen als gut zu beurteilen. Mögliche Unverträglichkeitsreaktionen sind Diarrhö und allergisches Exanthem. Gegenüber Penicillinen muß in 10-20% mit einer Parallelallergie gerechnet werden. Auch Lamoxactam kann ebenso wie Cefamandol (MANDOKEF) und Cefoperazon (CEFOBIS) bei gleichzeitigem Alkoholgenuß eine Antabus-ähnliche Unverträglichkeitsreaktion hervorrufen.


ZUSAMMENFASSUNG:

Lamoxactam (MOXALACTAM) ist ein Cephamycin-Antibiotikum mit ausgeprägter antibakterieller Aktivität vorwiegend gegen Enterobakterien und Bacteroides fragilis. Entsprechend seinem Wirkungsspektrum eignet es sich in erster Linie zur Behandlung von abdominellen, chirurgischen und gynäkologischen Infektionen. Wegen der relativ langen Halbwertzeit empfiehlt sich eine 2-mal tägliche Applikation von 2,0 g. Niereninsuffizienz erfordert eine Dosisanpassung. Außer einer Alkoholinkompatibilität sind keine ungewöhnlichen Nebenwirkungen bekannt.


Aktuelle Ergänzungen (Oktober 2000)

Lamoxactam hat sich als entbehrlich erwiesen. Aufgrund einer im Vergleich zu anderen ß-Laktam-Antibiotika, wie zum Beispiel Cefotaxim, relativ geringen antibakteriellen Aktivität und spezieller Risiken durch die N-Methylthiotetrazol-(NMTT)-Seitenkette (Alkoholunverträglichkeit, Blutungen!) wurde das Antibiotikum nur selten angewandt (Brown et al., 1986; Lipsky, 1988; Nichols et al., 1987). Bereits 1987 wurde es nicht mehr zur Therapie der Meningitis bei Kindern empfohlen (McCracken et al., 1987). Es ist in Deutschland heute nicht mehr im Handel.

 

 

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22. Juni 2017

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