Cefsulodin - das erste Schmalspektrum-Cephalosporin gegen Pseudomonas

 

Unveränderter Text aus ZCT Heft 3, 1981

Ergänzungen am Ende des Textes


Cefsulodin ist ein neues parenteral zu applizierendes, semisynthetisches Cephalosporin-Derivat, das seit kurzem unter den Namen PSEUDOMONIL (Ciba) und PSEUDOCEF (Grünenthal) im Handel erhältlich ist.


Mikrobiologie

Die Besonderheit von Cefsulodin besteht in seinem schmalen Wirkungsspektrum mit hervorragender Aktivität gegen Pseudomonas aeruginosa. Daneben werden auch Staphylokokken, hämolysierende Streptokokken, Pneumokokken, Neisserien, Corynebakterien und Clostridium perfringens erfaßt. Enterobakterien hingegen zeigen in vitro eine geringe Empfindlichkeit. Die hohe Aktivität gegen Pseudomonas aeruginosa beruht auf der raschen Penetration des Präparates durch die äußere Zellmembran und seiner Stabilität gegen hydrolysierende ß-Laktamasen. Etwa 90% aller klinisch isolierten Pseudomonas-Stämme aus unterschiedlichen Materialien wurden bei Konzentrationen von 16 mg/l und weniger gehemmt. Die Aktivität erstreckt sich auch auf Gentamicin- (REFOBACIN, SULMYCIN) und Carbenicillin- (ANABACTYL, MICROCILLIN) resistente Stämme. 70 Gentamicin-resistente Stämme wurden in 76%, 74 Carbenicillin-resistente Stämme in 80% durch Cefsulodin in Konzentrationen von 8 mg/l und weniger gehemmt. Nur insgesamt sieben der 271 (2,6%) klinischen Isolate zeigten eine Resistenz gegen Cefsulodin (MHK höher als 32 mg/l). Die MHK-Werte, bei denen mindestens 50% der Pseudomonas-Stämme gehemmt werden, liegen in der Literatur bei 1,7-2,0 mg/l und damit in der Größenordnung der Aminoglykoside. Unter den zur Zeit verfügbaren ß-Laktam-Antibiotika zeigt Cefsulodin die stärkste Anti-Pseudomonas-Aktivität: die mittleren MHK-Werte betrugen für Cefsulodin 1,9 mg/l, für Azlocillin (SECUROPEN) 4,7 mg/l, für Cefotaxim (CLAFORAN) 10,2 mg/l. Bei der Kombination von Cefsulodin mit Aminoglykosiden wurden bei Pseudomonas aeruginsa in vitro und im Tierversuch überwiegend synergistische und additive Effekte nachgewieesn, bei der Kombination mit anderen ß-Laktam-Antibiotika additive Effekte, in 10% ein Antagonismus.


Pharmakokinetik


Wegen seiner geringen oralen Resorption kann Cefsulodin nur parenteral appliziert werden. Nach i.m. Gabe von 500 mg werden nach 30 Minuten Serumspitzenspiegel von 21 mg/l erreicht, 15 Minuten nach i.v. Gabe 71 mg/l. Nach drei Stunden liegen die Serumkonzentrationen mit 8 mg/l noch in einem Bereich, in dem 80% aller Pseudomonas-Stämme erfaßt werden. Die Halbwertzeit wurde mit 90 Min. berechnet, die Proteinbindung beträgt 30%.
Die Elimination erfolgt überwiegend renal mit einem Maximum in den ersten zwei Stunden nach Applikation. In 24 Stunden werden 78-89,5% der applizierten Dosis im Urin ausgeschieden. Wegen der vorwiegend renalen Elimination ist eine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion erforderlich. Metaboliten wurden bisher nicht nachgewiesen. Nach wiederholter Applikation von Cefsulodin erfolgt bei normaler Nierenfunktion keine Kumulation. Die Bestimmung von Gewebespiegeln ergab eine gute Penetration des Präparates in verschiedene Körpergewebe und Flüssigkeiten.


Klinik


Die klinische Prüfung von Cefsulodin zeigte eine gute Wirksamkeit des Präparates bei nachgewiesenen Pseudomonas-Infektionen: chronisch rezidivierende und komplizierte Harnwegsinfekte, Verbrennungen, Osteomyelitis, pulmonale Infektionen (vor allem zystische Lungenfibrose), Septikämien und Otitis externa maligna. Die durchschnittliche Dosierung betrug 3,0 g/Tag über drei bis 40 Tage und wurde in schweren Fällen auf 6,0 g gesteigert. Bei Kindern beträgt die empfohlene Dosis 10-40 mg/kg KG pro Tag. Wenn auch bei den chronischen Erkrankungen häufig keine Eradikation des Keimes erreicht werden konnte, so war doch zumeist eine eindeutige klinische Besserung zu verzeichnen.


Nebenwirkungen

nter den Nebenwirkungen standen Übelkeit, Exanthem, Arthralgien und allergische Ödeme im Vordergrund. In 3% aller Behandlungsfälle zwangen die Nebenwirkungen zum Therapieabbruch. Etwa ein Viertel der Patienten klagten über Schmerzen an der Injektionsstelle bei i.m. Gabe, so daß die Hersteller ein Lokalanaesthetikum (0,5%-Lidocainlsg.) als Lösungsmittel empfehlen. Häufiger wurden Eosinophilie (5,2%), Anstieg der Transaminasen (6,6%) und des Serumkreatinins (3,4%) beobachtet. Zur Nephrotoxizität von Cefsulodin liegen bisher keine präzisen Daten vor. Tierexperimentelle Untersuchungen zeigten jedoch, daß es unter Cefsulodin zu akuten, jedoch reversiblen Tubulusschäden kommt. Ferner gibt es Hinweise auf eine potentiell glomerulotoxische Wirkung. Die Nephrotoxizität war in Vergleichsuntersuchungen an Wistar-Ratten ausgeprägter als bei Cefaloridin (CEPHALORIDIN, KEFSPOR).


ZUSAMMENFASSUNG

Im Vergleich zu anderen Cephalosporinen besitzt Cefsulodin (PSEUDOCEF, PSEUDOMONIL) ein schmales Wirkungsspektrum mit ausgezeichneter Aktivität gegen Pseudomonas aeruginosa. Bei nachgewiesenen Pseudomonas-Infektionen stellt es eine wertvolle Alternative bei Penicillin- und Aminoglykosid-resistenten Stämmen dar. Bei chronisch rezidivierenden und komplizierten Harnwegsinfektionen, Verbrennungen, Osteomyelitiden und pulmonalen Erkrankungen hat sich Cefsulodin als ein hochwirksames Antibiotikum erwiesen. Die tägliche Standarddosierung beträgt 3,0 g; mehr als 6,0 g täglich sollten bis zum Vorliegen weiterer Verträglichkeitsdaten (insbesondere der Nierenfunktion) nicht verabreicht werden. Bei Niereninsuffizienz sollte eine strikte Dosisanpassung erfolgen.


Ergänzungen (April 2001)

 

Cefsulodin ist in Deutschland nicht mehr im Handel. Es wurde aufgrund des begrenzten Spektrums nur selten angewandt; die Substanz wird nach einer Einteilung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie in die „Gruppe 4“ eingeordnet (NN, Chemother. J. 1994; 3:101-115)

Seit der Erstellung und Veröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift für Chemotherapie (Heft 3, 1981) sind weitere Arbeiten über Cefsulodin publiziert worden. Insbesondere soll an dieser Stelle auf die folgenden Publikationen hingewiesen werden:

 

 

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22. Juni 2017

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