Cefmenoxin

Unveränderter Text aus ZCT Heft 3, 1983

 

Aktuelle Ergänzungen am Ende des Textes

Cefmenoxim - ein neuer Abkömmling der 7-Amino-Cephalosporinsäure - ist seit kurzem unter dem Handelsnamen TACEF auf dem Markt. Die Strukturformel ähnelt der des Cefotaxim (CLAFORAN), doch ist die Acetoxymethylgruppe am C3-Atom durch eine Methylthiotetrazolgruppe ersetzt. Dieser Substituent verleiht Cefmenoxim eine metabolische Stabilität, ist jedoch auch mit einer typischen Unverträglichkeitsreaktion nach Alkoholgenuß verbunden.[1]

 


Mikrobiologie

 

Die strukturelle Ähnlichkeit zwischen Cefmenoxim und Cefotaxim erklärt die nahezu identischen mikrobiologischen Eigenschaften beider Cephalosporine. [2,4] Das neue Antibiotikum besitzt ähnlich günstige Eigenschaften gegen sämtliche Enterobakterien wie E. coli, Klebsiella spp. u.a. Die Konzentrationen, bei denen 90% der Isolate gehemmt werden (MHK90), liegen für Enterobacteriaceae überwiegend unter 1 mg/l. Auch gegenüber H. influenzae und Gonokokken ist das neue Präparat gut wirksam. Gegen Staph. aureus und Staph. epidermidis sind ältere Cephalosporine wie Cefazolin (ELZOGRAM, GRAMAXIN u.a.) oder Cefalotin (CEPHALOTIN "Lilly", CEPOVENIN) überlegen.[2] Gegen B. fragilis besteht nur mäßige Aktivität; gegen diese Erreger ist Lamoxactam (MOXALACTAM) das geeignetere Antibiotikum.[2]

 

Enterokokken fallen, wie bei allen anderen Cephalosporinen, nicht in das Spektrum von Cefmenoxim. P. aeruginosa ist nur mäßig sensibel mit einer MHK 90 zwischen 25 und 64 mg/l. [2-4] Die Kombination mit einem Aminoglykosid-Antibiotikum wie Gentamicin (REFOBACIN, SULMYCIN) ergab in 80% Synergismus gegen Enterobakterien und gegen alle P. aeruginosa-Stämme.[3] Auch die Kombination mit einem zweiten ß-Laktam-Antibiotikum zeigte einen additiven bis synergistischen Effekt gegen P. aeruginosa sowie Enterobakterien.[5] Für die meisten Erreger besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen minimalen bakteriziden (MBK) und minimalen Hemmkonzentrationen (MHK). Bei Steigerung des Inokulums wurden teilweise erhebliche Aktivitätsverluste beobachtet. Cefmenoxim ist weitgehend resistent gegen die wichtigsten ß-Laktamasen, insbesondere gegen die Plasmid-codierten TEM-1- und TEM-II-Enzyme.

 


Pharmakokinetik

 

Die biologische Halbwertzeit von Cefmenoxim beträgt etwa eine Stunden. Sie ist kürzer als bei den anderen neuen Cephalosporinen wie Lamoxactam (MOXALACTAM) oder Cefoperazon (CEFOBIS) und mit der des Cefotaxim vergleichbar. 70-90% der Substanz werden im Urin in mikrobiologisch aktiver Form ausgeschieden. Angaben zur Serumproteinbindung schwanken zwischen 25 und 57%. Therapeutische Konzentrationen wurden in der Peritonealflüssigkeit, in der Gallenflüssigkeit sowie im Liquor cerebrospinalis und anderen Körperflüssigkeiten gemessen. [9,10] Da Cefmenoxim überwiegend renal ausgeschieden wird, muß bei Niereninsuffizienz eine Dosisanpassung erfolgen. Bei terminaler Niereninsuffizienz werden Tagesdosen von 0,25-0,50 g vorgeschlagen. Da Cefmenoxim dialysabel ist, muß nach Hämodialyse eine neue Sättigungsdosis verabreicht werden.

 

Klinik

 

Die bisherigen klinischen Erfahrungen bei über 1.000 Patienten in Japan und etwa 450 Patienten in der Bundesrepublik Deutschland zeigen bei unterschiedlichen Indikationen (respiratorische, abdominelle und gynäkologische Infektionen, Harnwegs-, Haut- und Weichteilinfektionen u.a.) überwiegend gute klinische und mikrobiologische Ergebnisse. Nach den vorliegenden Erfahrungen ist Cefmenoxim insgesamt gut verträglich. Ernste Nebenwirkungen sind äußerst selten. Allergische Reaktionen traten bei 0,8% auf. Ein Arzneimittelexanthem wurde nur bei 0,2% der Patienten beschrieben. Durchfälle traten bei 1,5% der Behandlungen auf. Cefmenoxim kann wie auch andere Cephalosporine mit dem Methylthiotetrazolring eine typische Antabusreaktion nach Alkoholgenuß auslösen. Die Patienten müssen daher in jedem Fall bei einer Cefmenoxim-Behandlung vor gleichzeitigem Alkoholgenuß gewarnt werden.

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

Cefmenoxim (TACEF) ist ein neues, mikrobiologisch hochaktives Cephalosporin-Antibiotikum gegen die meisten grampositiven und gramnegativen Erreger. Neben der für Cephalosporine typischen Enterokokkenlücke weist auch dieses Derivat nur eine mäßige bis unzureichende Aktivität gegen P. aeruginosa und B. fragilis auf. Die Pharmakokinetik ist gekennzeichnet durch eine relativ kurze Halbwertzeit von etwa einer Stunde und einer vorwiegend renalen Ausscheidung. Die Verträglichkeit von Cefmenoxim war insgesamt gut. Auf die Antabus-ähnliche Alkoholunverträglichkeit muß hingewiesen werden; auffällige Gerinnungsstörungen sind bisher nicht beschrieben worden.

Beurteilt man die Stellung des Cefmenoxim innerhalb der neueren Cephalosporine, so zeichnet sich dieses Antibiotikum zwar durch gute mikrobiologische in vitro-Eigenschaften aus, doch besitzt es im Vergleich mit ähnlichen Cephalosporinen keine nennenswerten neuen Eigenschaften, die einen therapeutischen Fortschritt bedeuten.



1  JAMANOUCHI, K. et al. 16th Conf. Japan Med. Col. of Alcohol Studies, 1981
FUCHS, P.C. et al.  Antimicrob. Agents Chemother. 20: 747-759, 1981
3  STAMEN, J. et al.  Antimicrob. Agents Chemother. 19: 454-460, 1981
4  TSUCHYA, K. et al.  Antimicrob. Agents Chemother. 19: 56-65, 1981
5  HIRSCH, I. and SOUS, H.  3rd Mediterranean Conf. Chemother., Dubrovnik, 1982
OKONOGI, K. et al.  Antimicrob. Agents Chemother. 20: 171-175, 1981
7  GRANNEMANN, G.R. et al.  Antimicrob. Agents Chemother. 21: 141-145, 1982
8  GUIBERT, J.  21st Interscience Conf. Antimicrob. Agents Chemother. Nov. 1981, Chicago
9  ROBENS, W. und ROBENS, E. 
Arbeitstagung Cefmenoxim, Frankfurt 1983
10 TANIMURA, H. et al.  Chemotherapy 29: 641-653, 1981

Ergänzungen (November 2000)

 

Cefmenoxim wird nach einer Einteilung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie in die „Gruppe 3a„ (sogenannte 3. Generation) eingeordnet (NN, Chemother. J. 1994; 3:101-115).

Aufgrund spezieller Risiken durch die N-Methylthiotetrazol-(NMTT)-Seitenkette (Alkoholunverträglichkeit, Blutungen!) wurde das Antibiotikum nur selten angewandt.


Cefmenoxim ist in Deutschland nicht mehr im Handel.

 

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seiten:
15. April 2017

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