Albendazol (Eskazole) - ein neues Benzimidazol zur Behandlung von Helminthosen

unveränderter Text aus ZCT Heft 1, 1993

 

Ergänzungen am Ende des Textes

In Europa spielt die Echinokokkose klinisch die bedeutendste Rolle unter den Helminthosen. Sie wird bei Menschen von Larvalstadien verschiedener Echinococcus-Arten hervorgerufen, die sich in inneren Organen entwickeln. Die Ansteckung des Menschen erfolgt durch die orale Aufnahme von Eiern der unterschiedlichen Bandwurmarten. Obwohl es sich um seltene Infektionen handelt, dürfen sie nicht unterschätzt werden, denn die alveoläre Echinokokkose verläuft oft tödlich und auch die zystische Form kann zum Tode führen. Bisher ist die Operation die Therapie der Wahl, doch ist bei alveolärer Echinokokkose die Prognose ungünstig, daher gewinnen chemotherapeutische Therapieansätze an Bedeutung. Mit Albendazol ist eine neue Substanz aus der Gruppe der Benzimidazole eingeführt worden, die für die Therapie dieser Erkrankungen indiziert ist. Von der chemischen Struktur unterscheidet es sich durch die substituierte Thiogruppe vom Mebendazol (VERMOX), einem anderen Anthelmintikum aus dieser Gruppe.

 

Anthelmintische Wirkung

 

Der Wirkmechanismus der Benzimidazole ist noch nicht genau aufgeklärt, es werden aber verschiedene Mechanismen diskutiert. So beeinflussen die Substanzen die Einlagerung von Tubulin in die Mikrotubuli, die Folge ist ein Verlust der zytoplasmatischen Mikrotubuli und damit eine Hemmung der Glukoseaufnahme. Weiterhin werden noch Enzyme wie die Fumarat-Reduktase und die zytoplasmatische und mitochondriale Malatdehydrogenase gehemmt.


Die anthelmintische Wirkung ist beschrieben für Echinococcus granulosus und E. multilocularis, ebenso ist Albendazol wirksam gegen Ascaris lumbricoides, Ancylostoma duodenale, Necator americanus und Trichuris trichuria. Auch gegen Nematoden wie Strongyloides stercolaris zeigte die Substanz anthelmintische Wirkung.

 

Pharmakokinetische Eigenschaften

 

Nach oraler Gabe wird die Substanz nur mäßig resorbiert, so wurden nach Nüchterngabe von 400 mg Albendazol Plasmaspitzenkonzentrationen von 0,2 - 0,25 mg/l gemessen. Die Absorption kann durch gleichzeitige Einnahme mit einer fettreichen Mahlzeit gesteigert werden. Albendazol wird hauptsächlich zum Sulfoxid metabolisiert und nur dieser Metabolit erscheint in meßbaren Konzentrationen im Plasma. Neben dem Albendazol-Sulfoxid, das auch antiparasitäre Eigenschaften besitzt, werden noch weitere Metabolite gebildet, wie z.B. das 6-Hydroxy-Sulfoxid und Sulfonverbindungen. Der wichtigste Ausscheidungsweg ist der über die Galle, das Sulfoxid erscheint in der Gallenflüssigkeit in ähnlichen Konzentrationen wie im Plasma. Nur sehr geringe Mengen werden über den Urin ausgeschieden. Die Halbwertzeit für das Albendazol-Sulfoxid liegt bei 8,4 Stunden. Angaben zur Bioverfügbarkeit liegen nicht vor. Die Substanz penetriert in die Zysten, z. B. bei der Echinokokkose und erreicht in der Zystenflüssigkeit Konzentrationen, die bei 5 - 25% der korrespondierenden Plasmakonzentrationen liegen.

Klinische Wirksamkeit

 

Die Anwendung von Albendazol beschränkt sich auf einige wenige Indikationen. Es ist zur Behandlung inoperabler Verlaufsformen der zystischen und alveolären Echinokokkose zugelassen; Albendazol kann auch zur präoperativen Unterstützung der chirurgischen Therapie eingesetzt werden. Die Chemotherapie dieser Erkrankung ist noch recht neu und kann in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Bei dieser Indikation werden die Patienten in 28-Tages-Zyklen mit 800 mg Albendazol täglich behandelt.

Auch zur Behandlung der Trichinose kann Albendazol eingesetzt werden, hierfür liegen allerdings nur geringe Erfahrungen vor.

Die Behandlung von Infektionen, die durch Nematoden (z. B. Strongyloides stercoralis) verursacht werden, ist auch möglich. Nach dreitägiger Behandlung mit einer täglichen Dosis von 400 mg Albendazol konnten hohe Heilungsraten erzielt werden.

Unerwünschte Wirkungen

 

Unter der langdauernden Behandlung mit Albendazol kann es zu hepatotoxischen Erscheinungen kommen. Bei 13% von 314 behandelten Patienten kam es zu Veränderungen der Leberwerte. Weiterhin wurden gastrointestinale Reaktionen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall beobachtet. Es können auch Schwindel und Kopfschmerzen auftreten. In seltenen Fällen wurden Leukopenien und Panzytopenien beobachtet. Weitere seltene Nebenwirkungen waren Haarausfall, Juckreiz und Hautausschlag.

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

Albendazol (ESKAZOLE) besitzt eine anthelmintische Wirkung gegen unterschiedliche Wurm-Spezies. Die Substanz wird nach oraler Gabe in mäßigem Umfange resorbiert, die Wirkung wird hauptsächlich über den Hauptmetaboliten, das Sulfoxid, entfaltet. Albendazol erweitert die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung der Echinokokkose. Auch für die Therapie einiger anderer Wurmerkrankungen kann das Arzneimittel eingesetzt werden, es sollte aber bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse nur von Spezialisten angewandt werden.


Ergänzungen (Oktober 2000)

 

1. VENKATESAN P. Albendazole.
    J Antimicrob Chemother. 1998 Feb;41(2):145-7.

2. Horton RJ. Albendazole in treatment of human cystic echinococcosis: 12 years of experience.
    Acta Trop. 1997 Apr 1;64(1-2):79-93.

 

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